Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Die Weigerung großer Teile der Bevölkerung einschließlich der Eliten, die nationalsozialistische Despotie zur Kenntnis zu nehmen, bildete die Signatur der Gründungsgeschichte der Bundesrepublik. Schon 1952 forderte Konrad Adenauer, »mit der Naziriecherei Schlußzu machen«. Perels wendet sich entschieden gegen die Bagatellisierung der Kontinuität der NS-Vergangenheit in der »Erfolgsgeschichte« der Bundesrepublik. Seine differenzierten Analysen der juristischen Aufarbeitung der außerordentlichen Verbrechen des Nazi-Regimes, der mobilen Tötungskommandos der SS, des Personals der Konzentrationslager, der Wehrmacht, der NS-Cerichte, des Anstaltsmordes, der Vernichtungspraxis in Auschwitz zeigen u.a., daß die Urteilspraxis den Geltungsanspruch des Tötungsverbotes, das zentrale Element der Zivilisation, häufig kaum gewahrt hatte und die Urteilsfindung »mitunter einer Verhöhnung der Opfer recht nahe kam« (Fritz Bauer). Er knüpft an eine Rechtstradition an, die gegen eine fessellose Staatsgewalt Front machte, wie sie oft nur von Außenseitern der Strafrechtslehre vertreten wurde. Perels Studien verbinden juristische und politikwissenschaftliche Methoden. Die problematischen rechtlichen Bewertungen der kriminellen Strukturen des Hitler-Regimes werden als Element des gesellschaftlichen Gesamtprozesses kenntlich gemacht. Das Buch schließt mit Portraits, unter anderem von Martin Niemöller, Wolfgang Abendroth und Eugen Kogon. Jahrelang unter den Nazis als Oppositionelle gefangengehalten, forderten sie nach 1945 die Erinnerung an die Wirklichkeit des Schreckens ein - ein Exempel für den angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.08.2005
Nur lobende Worte weiß Horst Meier für Joachim Perels Bericht über den historischen Umgang in der Bundesrepublik mit NS-Tätern. Der Rechtshistoriker hat im Widerstand gegen Hitler selbst seinen Vater verloren, dieser wurde als Mitverschwörer des 20. Juli hingerichtet. Dies erfährt man jedoch nur beilfäufig, lesen wir, dafür aber viel über die nach 1945 verhängten "Streichelstrafen" für Massenmörder und alte und neue Tendenzen, dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte zu umgehen. Perels setzt sich "leidenschaftlich und klug" mit der Vergangenheit auseinander, findet Meier und liest eine "leise Melancholie" heraus. Sein Fazit stimmt mit dem des Autors überein, und so mahnt er, dass die Aufarbeitung der NS-Verbrechen oftmals fehl schlug.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.01.2005
Warum die konservativen Eliten des deutschen Bürgertums derart empfindlich auf die Vorwürfe der 68er-Generation reagierten, verstehe man bei der Lektüre der Arbeiten Joachim Perels, schreibt Rezensent Carl Wilhelm Macke. In Perels neuem Buch, einem Sammelband über die "Entsorgung der NS-Herrschaft", spürt der Autor dem Nachwirken des Nazi-Regimes in der Bundesrepublik nach. In immer neuen Varianten und mit neuen Belegen lege der Politikwissenschaftler seine Grundthese dar, nämlich dass Täter und aktive Mitläufer der NSDAP lange Zeit zum "Stammpersonal" führender Gremien der BRD gehörten, resümiert Macke. Dabei interessierten ihn weniger die mentalitätsgeschichtlichen Voraussetzungen der NS-Diktatur als vielmehr deren Strukturen und der Weiterbestand antidemokratischer Restbestände der NS-Justiz in der rechtsstaatlichen BRD. Lobend hebt der Rezensent zudem die Untersuchung der Rolle der protestantischen Kirche während des Nationalsozialismus hervor, die "alles andere als vorbildlich christlich" war. Allein eine etwas detailliertere Auseinandersetzung mit den Strukturen des DDR-Sozialismus hätte er sich in der ansonsten ausgezeichneten Untersuchung gewünscht.
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