Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Joachim Perels

Entsorgung der NS-Herrschaft

Konfliktllinien im Umgang mit dem Hitler-Regime

Cover: Entsorgung der NS-Herrschaft

Offizin Verlag, Hannover 2004
ISBN-10 3930345420
ISBN-13 9783930345427
Kartoniert, 384 Seiten, 22,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Die Weigerung großer Teile der Bevölkerung einschließlich der Eliten, die nationalsozialistische Despotie zur Kenntnis zu nehmen, bildete die Signatur der Gründungsgeschichte der Bundesrepublik. Schon 1952 forderte Konrad Adenauer, »mit der Naziriecherei Schlußzu machen«. Perels wendet sich entschieden gegen die Bagatellisierung der Kontinuität der NS-Vergangenheit in der »Erfolgsgeschichte« der Bundesrepublik. Seine differenzierten Analysen der juristischen Aufarbeitung der außerordentlichen Verbrechen des Nazi-Regimes, der mobilen Tötungskommandos der SS, des Personals der Konzentrationslager, der Wehrmacht, der NS-Cerichte, des Anstaltsmordes, der Vernichtungspraxis in Auschwitz zeigen u.a., daß die Urteilspraxis den Geltungsanspruch des Tötungsverbotes, das zentrale Element der Zivilisation, häufig kaum gewahrt hatte und die Urteilsfindung »mitunter einer Verhöhnung der Opfer recht nahe kam« (Fritz Bauer). Er knüpft an eine Rechtstradition an, die gegen eine fessellose Staatsgewalt Front machte, wie sie oft nur von Außenseitern der Strafrechtslehre vertreten wurde. Perels Studien verbinden juristische und politikwissenschaftliche Methoden. Die problematischen rechtlichen Bewertungen der kriminellen Strukturen des Hitler-Regimes werden als Element des gesellschaftlichen Gesamtprozesses kenntlich gemacht. Das Buch schließt mit Portraits, unter anderem von Martin Niemöller, Wolfgang Abendroth und Eugen Kogon. Jahrelang unter den Nazis als Oppositionelle gefangengehalten, forderten sie nach 1945 die Erinnerung an die Wirklichkeit des Schreckens ein - ein Exempel für den angemessenen Umgang mit der Vergangenheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.08.2005

Nur lobende Worte weiß Horst Meier für Joachim Perels Bericht über den historischen Umgang in der Bundesrepublik mit NS-Tätern. Der Rechtshistoriker hat im Widerstand gegen Hitler selbst seinen Vater verloren, dieser wurde als Mitverschwörer des 20. Juli hingerichtet. Dies erfährt man jedoch nur beilfäufig, lesen wir, dafür aber viel über die nach 1945 verhängten "Streichelstrafen" für Massenmörder und alte und neue Tendenzen, dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte zu umgehen. Perels setzt sich "leidenschaftlich und klug" mit der Vergangenheit auseinander, findet Meier und liest eine "leise Melancholie" heraus. Sein Fazit stimmt mit dem des Autors überein, und so mahnt er, dass die Aufarbeitung der NS-Verbrechen oftmals fehl schlug.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.01.2005

Warum die konservativen Eliten des deutschen Bürgertums derart empfindlich auf die Vorwürfe der 68er-Generation reagierten, verstehe man bei der Lektüre der Arbeiten Joachim Perels, schreibt Rezensent Carl Wilhelm Macke. In Perels neuem Buch, einem Sammelband über die "Entsorgung der NS-Herrschaft", spürt der Autor dem Nachwirken des Nazi-Regimes in der Bundesrepublik nach. In immer neuen Varianten und mit neuen Belegen lege der Politikwissenschaftler seine Grundthese dar, nämlich dass Täter und aktive Mitläufer der NSDAP lange Zeit zum "Stammpersonal" führender Gremien der BRD gehörten, resümiert Macke. Dabei interessierten ihn weniger die mentalitätsgeschichtlichen Voraussetzungen der NS-Diktatur als vielmehr deren Strukturen und der Weiterbestand antidemokratischer Restbestände der NS-Justiz in der rechtsstaatlichen BRD. Lobend hebt der Rezensent zudem die Untersuchung der Rolle der protestantischen Kirche während des Nationalsozialismus hervor, die "alles andere als vorbildlich christlich" war. Allein eine etwas detailliertere Auseinandersetzung mit den Strukturen des DDR-Sozialismus hätte er sich in der ansonsten ausgezeichneten Untersuchung gewünscht.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren