Bücherschau der Woche
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Klappentext
Weimar, August 1900. Der Philosoph Friedrich Nietzsche dämmert, gelähmt und mit scheinbar erloschenem Geist, seinem Ende entgegen. Noch einmal erwachen seine Gedanken, und erbittert erkennt er, dass seine Schwester Elisabeth nicht nur seine Philosophie hemmungslos vermarktet, sondern ihn als lebendes Inventarstück ihres Nietzsche-Archivs missbraucht. Er beschließt, die makabre Komödie, die ihn zum Kultstar des Fin de Siecle stilisiert, zu beenden. Und mit einer Überdosis Opium flüchtet er sich in einen letzten Traum ... Joachim Köhler hat alle Schriften und Dokumente aus Nietzsches Spätphase ausgewertet und lässt - in einer Mischung aus authentischen Fakten und Fiktion - den so häufig missverstandenen Menschen Nietzsche für uns lebendig werden.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.07.2000
Friedmar Apel ist alles in allem sehr angetan von diesem Roman: Zwar greift der Autor alle bekannten Anekdoten über den späten Nietzsche und dessen Gotteslästerungen auf und lässt auch die grausigen Auswirkungen der Syphilis nicht aus, doch übermittelt er sie mit "kühler Distanz zur sensationsheischenden Kolportage", so Apel. Köhler habe die Fähigkeiten mit wenigen Sätzen eine Figur karikierend und wiedererkennbar zu schildern, lobt der Rezensent, und mit "großem Geschick und sprachlicher Sicherheit" spinne er die Quellen, die er verwendet habe, weiter. Daraus ergebe sich der Eindruck "grotesker Künstlichkeit", manchmal allerdings auch barer Unsinn, so der Rezensent kritisch. Solange der Leser nicht den Überblick verliere, eröffne sich ihm ein "Panoptikum des Geisteslebens". Und Peinlichkeiten hat Apel nur hin und wieder gefunden, wie er lobend erwähnt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2000
Immer wieder im Rückgriff auf Thomas Manns "intelligente Stellung zu Nietzsche" betrachtet Edo Reents diesen Roman, der ihm ausnehmend gut gefallen hat. Mit dem einfachen aber wirkungsvollen "Kniff", die ganze Erzählung als im Opiumtraum Nietzsches an ihm selbst vorbeiziehendes Leben darzustellen, hat er sich nicht auf biografische Historizität, dafür aber auf "ästhetische Wahrhaftigkeit"eingelassen, findet der Rezensent. Und was bei Thomas Mann als Tragödie des "Doktor Faustus" daherkommt, ist hier eine schrille Komödie geworden. Mit "grellen Szenen" vom "Weltgenie", der z.B. als "Dionysos-Imitator nackt vor seinen Turiner Zimmerwirten herumtanzt", inszeniert hier ein "stilistisch brillanter Erzähler" eine Interpretation von Leben und Werk, die vom "Verhängnis", wie der Philosoph sich selber sah, nicht mehr viel übrig lässt. Köhler hat als junger Mann über Nietzsche dissertiert, schreibt der Rezensent, und kenntnisreich alle Lebenszeugnisse und Briefe zu einem irren Text verwoben. Ein "bemerkenswert, sensationell amüsantes Buch" urteilt Edo Reents.
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