Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Polnischen von Albert Lempp. Wenn Kohoutek unterwegs ist, erwacht in ihm der (Schürzen-)Jäger. Nicht das Essen im Restaurant interessiert ihn, sondern die Kellnerin. Nicht die Predigt, sondern die schöne Lutheranerin in Reihe vier. Nicht das kranke Pferd, zu dem er als Veterinär gerufen wird, sondern die Hausherrin samt deren Tochter. Kohoutek ist ein unverbesserlicher Lüstling. Nur zu Hause, bei Mutter, Frau und Kind, ahnt man nichts von seinen Obsessionen. Bis eines Tages die aktuelle Freundin vor der Tür steht... Auf unterhaltsame Weise führt uns Jerzy Pilch einen Zeitgenossen vor, der auf dem schwankenden Boden der Liebe heftig mit den Armen rudert. Oder - kommt herbei, ihr schönen Frauen, kommt! -ist es mehr ein Winken?
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.11.2000
Was auf den ersten Blick wie billiger Klamauk wirkt, eine Provinzposse um Ehebetrug und den Schwierigkeiten der Vertuschung, ist, darf man der Besprechung von Gregor Ziolkowski Glauben schenken, in Wahrheit viel mehr. Denn von Beginn an unterlaufe der Autor diese Lesart durch "Momente abgründiger Ernsthaftigkeit" und "schaurige Elemente". Das Resümee des Rezensenten lautet denn auch: "Und so ist es der Mikro-Kosmos einer schräg beleuchteten Abgeschiedenheit, in dem sich die makabre Komödie um die Selbstbehauptung des Individuums ihre Bühne sucht." Aber dem noch nicht genug: "Dem überdrehten Versteck- und Verzweiflungsspiel um Liebe, Eifersucht und Selbstbehauptung korrespondiert ein ironisch-pathetischer Ton auf der Ebene der tieferen historischen Deutungen." Um diesem Interpretationsansatz folgen zu können, muss man das Buch von Jerzy Pilch wohl selber lesen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2000
Besonders glücklich wurde der Rezensent Andreas Breitenstein mit Jerzy Pilchs Roman "Andere Lüste" nicht, obwohl er ihm "eine aussergewöhnliche literarische Begabung und ein schillerndes Erzähltemperament" attestiert. Aber als Ganzes fehle es diesem Buch, das den Zuzug der intellektuellen Freundin des Protagonisten Pawel Kohoutek in dessen Dorf und die daraus resultierenden familiären und sozialen Probleme schildert, an Kohärenz. "Die durchaus gekonnt gemachten Einzelmomente des Romans greifen nicht ineinander, [?] manche Figuren erscheinen über-, andere unterzeichnet und die Handlung verläuft im Nichts." Dieses Manko bedauert Breitenstein, weil es, wie er versichert, durchaus brilliante Momente in diesem Roman gibt, so etwa die Naturbeschreibungen oder manche ironische Erinnerungen an den Realsozialismus. Der Rezensent befürchtet, dass die hellen Momente des Romans der Vergessenheit anheim fallen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.06.2000
Tierärzte scheinen sich neuerdings eines "gewissen literarischen Interesses zu erfreuen", stellt Marta Kijowska in ihrer Besprechung fest. Nach der Holländerin Margriet de Moor hat jetzt auch Jerzy Pilch, einer der "erfolgreichsten Prosaautoren Polens", einen solchen in groteske Liebesabenteuer verwickelt. Dabei ist ihm in der Tradition polnischer Satire ein "witziger, skurriler" Roman gelungen, der durch das Zusammenspannen eines ländlichen Naivlings mit komplizierten intellektuellen Frauen ein höchst "ironisches Sittenbild der polnischen Gegenwart" abgibt. Eine Besonderheit: Pilch selbst stammt aus dem "Teschener Ländchen", in dem einmal die ansonsten in der Minderheit befindlichen polnischen Protestanten das Sagen haben. Diese Geschichte hat er dort angesiedelt, wo man über den "polnischen Nationalcharakter" und das Leben nach dem Kommunismus offenbar seinen eigenen Spott kultiviert.
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