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Jens Balzer, Martin tom Dieck
Salut, Deleuze!
Klappentext
s/w-Comic
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.10.2000
Dieser Comic, gezeichnet von Martin tom Dieck und basierend auf einem Manuskript des Popkritikers Jens Balzer, hat eine "treffende" Präsentationsform für Gilles Deleuzes Theorie von Differenz und Wiederholung gefunden, findet der Rezensent Daniel Kothenschulte. Die Idee gefällt ihm zwar - da wird Deleuze in der Totenwelt über dunke Gewässer von dem Fährmann mit seinen Freunden Barthes, Lacan und Foucault zusammengeführt, und zwar in fünf, nur leicht voneinander abweichenden Variationen. Ein Lesegenuss ist ihm dieser Comic aber trotzdem nicht. "So geht es dem Betrachter nicht anders als dem armen Deleuze, der im Hades dazu verurteilt ist, mit guter Mine Freude an der Wiederholung zu demonstrieren", so lautet das Fazit Kothenschultes.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.10.2000
Martin Zeyn berichtet begeistert von einer seltenen, aber gelungenen Mischung: Philosophie und Comic. Ohne Scheu würden Deleuze`sche Lehrsätze für eine Bildergeschichte verwendet, die Philosophen vom Sockel geholt. Die Geschichte ist nach Zeyn simpel: Deleuze trifft im Totenreich auf seine Kollegen Foucault, Barthes und Lacan. Die Theoretiker tauschen sich aus. Fünfmal werde die Geschichte wiederholt, die Bilder blieben gleich, aber jedes Mal verändere sich eine Kleinigkeit. Zeyn gefällt die Liebe zum "geistesgeschichtlichen Detail", die nie schulmeisterlich wirke. Noch mehr gefällt ihm aber der schräge, unperfekt wirkende Stil des Hamburger Zeichners, der diese - mit dem Comictheoretiker Jens Balzer gemeinsam verfasste - Geschichte erst auf Umwegen veröffentlichen konnte. Als weigere sich Dieck die Gesetze der Perspektive anzuerkennen, schreibt Zeyn. Für ihn gehört dieser Band zum Schönsten, was im Comic-Bereich in den letzten Jahren erschienen ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Martin Stingelin bespricht "Kritik und Klinik", die deutsche Ausgabe des letzten Buches von Gilles Deleuze zusammen mit dem Comic "Salut, Deleuze".
1) Deleuze: "Kritik und Klinik"
Dass die Übersetzung dieses Buches eine kundige ist, wie der Rezensent vermerkt, erscheint nicht wirklich großartig. Schließlich sind seit Erscheinen von "Kritik und Klinik" in Frankreich sieben Jahre ins Land gegangen. Aufhorchen aber lässt Stingelins Apostrophierung dieser aus teilweise erstmals publizierten Aufsätzen bestehenden Sammlung als "eines der aufregendsten Bücher über Literatur". Zu diesem Urteil kommt er folgendermaßen: Deleuze, so Stingelin, stelle mit diesem Buch Begriffe, Erkenntnisstrategien und Haltungen zur Verfügung, die uns die Literatur vollkommen neu denken lassen. Das scheint mit Deleuzes Konzept einer "Athletik" des literarischen Schreibens in der Tat möglich. Oder wann haben Sie zuletzt über das körperliche Vermögen eines Autors nachgedacht? In dem Maße wie Deleuze den Boden traditioneller Literaturbetrachtung verlässt und dem Leser seine Wahrnehmungsweise vermittelt, schreibt Stingelin, wird Literatur zu einem Werk der Gesundheit, "zur Medizin, zur Klinik". Das Wort vom "guten Buch" erhält so ungeahnten Sinn.
2) Dieck/Balzer: "Salut, Deleuze!"
Die von Deleuze unentwegt - so auch in "Kritik und Klinik" - angestrebte Befruchtung von Philosophie, Kunst und Literatur ist nun in einem Comic gelungen. Stingelin führt diesen Erfolg auf die Möglichkeit einer Synopsis disparater Gedanken durch die Wiederholung von Bildfolgen zurück, die die Schrift um ihre traditionelle Vorrangstellung zu bringen vermögen. Ein so einfaches wie geniales Prinzip. Um so mehr, als die Liaison am Ende das Leben hervortreibt, wie Stingelin vermerkt. Das erklärt auch, wieso Zeichner und Autor des Comics, der den verstorbenen Deleuze in die Unterwelt begleitet, einen eher vitalen Titel für ihr Projekt gewählt haben.
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