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Klappentext
Aus dem Französischen von Joachim Unseld. Die Helden Jean-Philippe Toussaints sind aus besonderem Holz geschnitzt, auch der namenlose Ich-Erzähler seines dritten Romans "Der Fotoapparat". Der nämlich faßt eines Tages in seinem "ansonsten ruhigen Leben" den Entschluß, den Führerschein zu machen wie wir später erfahren, bereits zum zweiten Mal , und begibt sich deshalb zu einer Fahrschule in seinem Pariser Quartier. Doch schon im Vorfeld geraten seine ebenso zögerlichen wie bestimmten Bemühungen um die Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen und vor allem: die Beschaffung von Passfotos ins Stocken und verlieren sich schließlich in einem Strudel von Ereignissen. Auf der Suche nach einem Gasflaschendepot, nach Linderung von Fußbeschwerden, nach Süßigkeiten für Pascale, nach dem Klassenzimmer von Klein-Pierre wird der Leser in eines jener abscheulichen Neubauviertel der Seine-Metropole entführt, nach Mailand und London, um mitten in stockfinsterer Nacht an einer gottverlassenen Straßenkreuzung in der Nähe von Orleans zu enden "am Leben!", zum Glück. Der Antrieb zu dieser Odyssee ist, wie könnte es auch anders sein: die Liebe. Wir ahnen es bereits früh, unser sympathisch-konzilianter junger Mann spürt es erst später, als dieser "grippale Zustand" schon ausgebrochen ist.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2006
Fasziniert zeigt sich Rezensent Nico Bleutge von diesem Roman Jean-Philippe Toussaints. Er würdigt den belgischen Schriftsteller als einen Schöpfer "feiner Literatur", der der schweifenden Bewegung des Denkens solange nachgehe, bis er Denken und Schreiben fast zur Deckung gebracht habe. "Wie er das auch noch mit einer Liebesgeschichte verknüpft", urteilt Bleutge über den Roman, in dem der Ich-Erzähler in der Fahrschule eine Frau kennenlernt, "ist eine Kunst für sich." Als kennzeichnend für Toussaints Schreiben sieht er das Ineinanderübergehen von Gegensätzen wie Sichtbarkeit und Verschwinden, Leben und Tod. Auch der spezielle Stil des Autors hat es ihm angetan, etwa seine "weitläufig mäandernden Sätze" oder die "ironischen Schleifen". So gelinge es Toussaint, "anschauliche Details und Begriff, Erzählung und Theorie zu verbinden, ohne in einer Moral zu enden."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2006
Joseph Hanimann gibt sich als langjähriger Liebhaber von Jean-Philippe Toussaints Romanen zu erkennen, die er seit Toussaints Debüt "Das Badezimmer" wegen ihrer "minimalistischen Erzählform" und "schrillen Absonderlichkeit" schätzt. Der Roman "Fotoapparat" stammt bereits aus dem Jahr 1989, doch hat ihn Toussaints Verleger Joachim Unseld neu übersetzt, nach Hanimanns Meinung "kongenial". Die Handlung entwickele sich weniger aus dem Innenleben der Figuren, wirbt der Rezensent für das Werk, sondern vielmehr aus einer "komplexen Gegenstandstopografie", sei es aus einer Türglockenmechanik, einer Schwiele zwischen den Zehen oder einem aus dem neuen Pullover herausbaumelnden Preisschild. Unselds neue Übersetzung zeichnet sich in den Augen des Rezensenten dadurch aus, dass sie dem Autor in allen Nuancen folgt, der "mathematisch trockenen Ausdrucksknappheit", den "schillernden Satzrändern" ebenso wie dem "banalitätsknisternden Alltagston".
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