Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jean-Philippe Toussaint

Der Fotoapparat

Roman

Cover: Der Fotoapparat

Frankfurter Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783627001285
Gebunden, 120 Seiten, 15,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Französischen von Joachim Unseld. Die Helden Jean-Philippe Toussaints sind aus besonderem Holz geschnitzt, auch der namenlose Ich-Erzähler seines dritten Romans "Der Fotoapparat". Der nämlich faßt eines Tages in seinem "ansonsten ruhigen Leben" den Entschluß, den Führerschein zu machen wie wir später erfahren, bereits zum zweiten Mal , und begibt sich deshalb zu einer Fahrschule in seinem Pariser Quartier. Doch schon im Vorfeld geraten seine ebenso zögerlichen wie bestimmten Bemühungen um die Zusammenstellung der erforderlichen Unterlagen und vor allem: die Beschaffung von Passfotos ins Stocken und verlieren sich schließlich in einem Strudel von Ereignissen. Auf der Suche nach einem Gasflaschendepot, nach Linderung von Fußbeschwerden, nach Süßigkeiten für Pascale, nach dem Klassenzimmer von Klein-Pierre wird der Leser in eines jener abscheulichen Neubauviertel der Seine-Metropole entführt, nach Mailand und London, um mitten in stockfinsterer Nacht an einer gottverlassenen Straßenkreuzung in der Nähe von Orleans zu enden "am Leben!", zum Glück. Der Antrieb zu dieser Odyssee ist, wie könnte es auch anders sein: die Liebe. Wir ahnen es bereits früh, unser sympathisch-konzilianter junger Mann spürt es erst später, als dieser "grippale Zustand" schon ausgebrochen ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.02.2006

Fasziniert zeigt sich Rezensent Nico Bleutge von diesem Roman Jean-Philippe Toussaints. Er würdigt den belgischen Schriftsteller als einen Schöpfer "feiner Literatur", der der schweifenden Bewegung des Denkens solange nachgehe, bis er Denken und Schreiben fast zur Deckung gebracht habe. "Wie er das auch noch mit einer Liebesgeschichte verknüpft", urteilt Bleutge über den Roman, in dem der Ich-Erzähler in der Fahrschule eine Frau kennenlernt, "ist eine Kunst für sich." Als kennzeichnend für Toussaints Schreiben sieht er das Ineinanderübergehen von Gegensätzen wie Sichtbarkeit und Verschwinden, Leben und Tod. Auch der spezielle Stil des Autors hat es ihm angetan, etwa seine "weitläufig mäandernden Sätze" oder die "ironischen Schleifen". So gelinge es Toussaint, "anschauliche Details und Begriff, Erzählung und Theorie zu verbinden, ohne in einer Moral zu enden."

Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bestellen bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.01.2006

Joseph Hanimann gibt sich als langjähriger Liebhaber von Jean-Philippe Toussaints Romanen zu erkennen, die er seit Toussaints Debüt "Das Badezimmer" wegen ihrer "minimalistischen Erzählform" und "schrillen Absonderlichkeit" schätzt. Der Roman "Fotoapparat" stammt bereits aus dem Jahr 1989, doch hat ihn Toussaints Verleger Joachim Unseld neu übersetzt, nach Hanimanns Meinung "kongenial". Die Handlung entwickele sich weniger aus dem Innenleben der Figuren, wirbt der Rezensent für das Werk, sondern vielmehr aus einer "komplexen Gegenstandstopografie", sei es aus einer Türglockenmechanik, einer Schwiele zwischen den Zehen oder einem aus dem neuen Pullover herausbaumelnden Preisschild. Unselds neue Übersetzung zeichnet sich in den Augen des Rezensenten dadurch aus, dass sie dem Autor in allen Nuancen folgt, der "mathematisch trockenen Ausdrucksknappheit", den "schillernden Satzrändern" ebenso wie dem "banalitätsknisternden Alltagston".

Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bestellen bei buecher.de
Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Jean-Philippe Toussaint

Jean-Philippe Toussaint, 1957 in Brüssel geboren, lebt heute abwechselnd in Brüssel und auf Korsika. Toussaint schrieb bislang fünf Romane, mehrere Filmdrehbücher und führte selbst Regie. Auf deutsch liegen u. a. ... mehr lesen

Bücher zum gleichen Themenkomplex

Bost, Pierre: Ein Sonntag auf dem Lande. Roman

Bestellen bei buecher.deCover: Ein Sonntag auf dem Lande

Dörlemann Verlag, Zürich 2013, ISBN 3908777852, Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Rainer Moritz. Monsieur Ladmiral, ein erfolgreicher, wenn auch konventioneller Maler, hat sich außerhalb von Paris niedergelassen, wo ihn - wie jeden Sonntag - der Sohn Gonzague mit seiner Familie besucht. Man isst, man spaziert, alles ist wie immer, bis Irène, die Tochter, auftaucht.... mehr lesen

Goldschmidt, Georges-Arthur: Ein Wiederkommen. Erzählung

Bestellen bei buecher.deCover: Ein Wiederkommen

S. Fischer Verlag, Frankfurt 2012, ISBN 8310027826, Gebunden, 196 Seiten, 18,99 EUR

Paris ist seine neue Heimat. Endlich das Gefühl, aufgenommen zu sein. Aber vergessen hat Arthur Kellerlicht nichts: Erst zehnjährig wird er des Landes verwiesen, verurteilt, weil er als Jude geboren ist. Rettung findet er in einem Internat in den Savoyen, wo die Züchtigung zum Alltag gehört. Und weil sich der Heranwachsende des Lebens unwürdig... mehr lesen

Auge, Marc: Tagebuch eines Obdachlosen. Roman

Bestellen bei buecher.deCover: Tagebuch eines Obdachlosen

C. H. Beck Verlag, München 2012, ISBN 3406630804, Kartoniert, 106 Seiten, 10,95 EUR

Marc Augé beschreibt in diesem fiktiven Tagebuch fünf Monate im Leben eines "modernen Obdachlosen". Aufgrund der Zwänge moderner Arbeitsverhältnisse und steigender Mietpreise wächst in Großstädten eine Masse von neuen Heimatlosen heran, die sich, obwohl sie durchaus Geld haben, keine festen Wohnsitze mehr leisten können (oder wollen).... mehr lesen

Modiano, Patrick: Im Café der verlorenen Jugend. Roman

Bestellen bei buecher.deCover: Im Café der verlorenen Jugend

Carl Hanser Verlag, München 2012, ISBN 3446238565, Gebunden, 157 Seiten, 16,90 EUR

Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Paris in den sechziger Jahren: Schon als Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Garderobiere im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen reichen Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Mit ihrem Geliebten, dem angehenden Schriftsteller... mehr lesen

Despentes, Virginie: Apokalypse, Baby. Roman

Bestellen bei buecher.deCover: Apokalypse, Baby

Berlin Verlag, Berlin 2012, ISBN 3827010217, Gebunden, 384 Seiten, 19,90 EUR

Aus dem Französichen von Barbara Heber-Schärer und Dorit Gesa Engelhardt. Valentine ist verschwunden - doch wer sucht eigentlich ernsthaft nach ihr? Lucy, schlecht bezahlte Privatdetektivin wider Willen, beschließt, für den schwierigen Fall die berühmte Hyäne mit ins Boot zu holen, den gefürchteten Star der Pariser Schnüfflerszene. Die Hyäne... mehr lesen

Archiv: Buchautoren