Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. Eine junge Frau wacht eines Morgens neben ihrem toten Freund Felix auf. In Panik nimmt sie den erstbesten Zug, der sie nach Bordeaux führt, dann weiter an den Atlantik. Sie mietet sich ein Ferienhaus, den Ozean auf der einen, einen Golfplatz auf der anderen Seite. Sie nimmt einen Liebhaber. Als der ihre Ersparnisse raubt, setzt die unaufhaltsame Spirale des Abstiegs ein, eine pikareske Irrfahrt durch soziale Niederungen - in schmuddeligen Hotelzimmern, dann Scheunen und Abbruchhäusern, mit Bussen, dem Rad und per Autostopp. Am Ende ist sie so verwahrlost - moralisch, körperlich und in ihrer Kleidung -, dass sie nicht einmal mehr als Tramperin mitgenommen wird. Die Flucht endet an ihrem Ausgangspunkt Paris.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.05.2006
Ein wenig im Dunkeln blieben die Motive der Heldin, konstatiert Rezensentin Yvonne Gebauer und ist unschlüssig bis irritiert, wie sie solche Offenheit bewerten soll. "Nun denn" sind ihre letzten Worte über einen Roman ohne Ziel, in dem die Heldin eine ziellose Reise durch Europa unternimmt. Klar und deutlich sei hingegen, dass Victoire, die eines Morgens neben ihrem toten Freund aufwache, zu ihrer nebulösen Schuld die Sünden suche. Eine Art Sinnsuche, ohne Ziel wohlgemerkt. Erstaunlich ist aus Sicht der Rezensentin wiederum, wie zielstrebig und schnörkellos der Autor diese Geschichte auf 85 Seiten "ohne erkennbare Emotion" erzähle. Jedenfalls habe er "schöne" und "erinnerungswürdige" Sätze zu offerieren, die auf Französisch noch weit schöner klängen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.03.2005
Seltsam, was man sich von diesem Autor alles gefallen lässt, wundert sich Thomas Laux, der also auch bei diesem Büchlein - sicher nicht mehr "als eine artistische Fingerübung", gesteht Laux - dem "Voltenspezialisten" Jean Echenoz die Treue hält. Auf 80 Seiten wird "komplett psychologiefrei" die Verwahrlosung eines jungen Mädchens beschrieben, das eines Tages von zu Hause weggeht, weil ihr Freund tot neben ihr liegt. Warum, weshalb - das sind Fragen, die man bei Echenoz nicht stellen darf, erfährt man von Laux. Echenoz erzähle chronologisch und ohne Anteilnahme von dieser grundlosen Verwahrlosung, die durch die Schlusspointe allerdings ohnehin in Frage gestellt wird. Das muss es sein, was Laux so an Echenoz gefällt, dass der Autor seine Leser "an der Nase herumführt". Irritationen, logische Brüche gehörten bei Echenoz immer dazu, versichert Laux, weshalb man die Geschichte von dem Mädchen am Ende noch mal gegen den Strich lesen müsse. Was einen in pseudo-kriminalistische Abgründe führe, aber bei Echenoz sei ja ohnehin "alles pseudo", seufzt Laux ergeben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2005
Endlich ist der 1997 im französischen Original erschienene Roman "Ein Jahr" auch auf Deutsch zu lesen, freut sich Martina Meister und sie hofft, dass das Buch den häufig geäußerten Vorwurf der "Oberflächlichkeit" von Jean Echenoz' Geschichten entkräften kann. Im Mittelpunkt steht Victoire, die eines Morgens neben ihrem toten Liebhaber aufwacht und aus Angst, eines Verbrechens beschuldigt zu werden, flieht. Über fast ein ganzes Jahr protokolliert ein distanzierter Erzähler ihre Flucht, die sich als Abstieg einer jungen schönen Frau mit kleinem Vermögen zur völlig mittellosen, ihrer Schönheit verlustig gegangenen Obdachlosen entwickelt, wie die Rezensentin zusammenfasst, um dann ins Schwärmen zu kommen. Der französische Autor erweise sich in dieser Geschichte als "großer Zauberer". Echenoz psychologisiere nicht, sondern lasse den Absturz Victoires mit seinen "seltsamen Wendungen" unabwendbar und selbstverständlich erscheinen, was die begeisterte Rezensentin zu einem Vergleich mit Kleists Novellen animiert. Der "Kunstgriff" des Autors, seine Sprache völlig mühelos erscheinen zu lassen, habe ihm fälschlicherweise das Etikett des allzu Glatten eingetragen, die Kritik sehe ihn lediglich als "eleganten Stilisten". Meister hofft, dass mit "Ein Jahr" Echenoz als der "Chronist einer Wirklichkeit" gewürdigt wird, die "beständig ins Unwirkliche entschlüpft".
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