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Jean de La Bruyere
Die Charaktere
Klappentext
Aus dem Französischen von Otto Flake. Mit einem Nachwort von Ralph-Rainer Wuthenow. Zu den Höhepunkten der europäischen Literatur zählen die Werke der französischen Moralisten, allen voran Montaigne mit seinen "Essais" und die "Charaktere" Jean de La Bruyeres (1645-1696). Nach juristischer Ausbildung und Jahren als Prinzenerzieher am Hof Ludwigs XIV. begann La Bruyere spät mit der Abfassung seines einzigen Werks. Ausgehend von seiner Übersetzung der "Charaktere" des Theophrast, fand er sehr bald zu einem ganz eigenen Ansatz: In großer formaler Vielfalt - vom Charakterporträt hin zu Aphorismus und Kurzessay - richtet er seinen unbestechlichen Blick auf das Grundsätzliche der menschlichen Natur und sozialer Verhältnisse. La Bruyere, den man auch den Soziologen unter den Moralisten genannt hat, erschafft so eine 'comedie humaine' des klassischen Jahrhunderts in Frankreich und wird zum Wegbereiter von Aufklärung und Revolution. Das Buch ist in sechzehn Kapitel unterteilt, deren Titel die Vielfalt des Inhalts erahnen lassen: Von den Werken des Geistes; Von den Frauen; Von der Gesellschaft und der Unterhaltung; Von den Urteilen; Von der Mode; Vom Menschen
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.06.2008
Erfreut zeigt sich Ursula Pia Jauch von dieser neuen Ausgabe der "Charaktere" von Jean de La Bruyere (1645-1696). Aktuell scheint ihr dieses Werk vor allem deshalb, weil es darin letztlich um "Enttäuschungs-Verarbeitung" geht, Entäuschung über die menschliche Natur und den Zustand der Gesellschaft. Sie charakterisiert den Autor als "galligen Sittenchronisten", dem persönliche Katastrophen zwar erspart blieben, der aber als Prinzenerzieher am Hofe Ludwig XIV. das "Wesen der gemeinen Versailler Hofschranzen" genauestens studieren konnte. Gerade in dieser Hinsicht findet Jauch bei allen Unterschieden viele Ähnlichkeiten und Parallelen zu heute, was zum Beispiel Standesdünkel, Eitelkeit, Eifersucht, Neid und Gier angeht. Den nicht gerade politisch korrekten Ausführungen La Bruyeres über Frauen attestiert sie hingegen nur einen "eingeschränkten Gebrauchswert".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.11.2007
Nichts gegen diesen Klassiker. Bei Jean de la Bruyere lernt Hannelore Schlaffer "über die Komik hinaus", nämlich über die Natur des Menschen schlechthin und über die Wahrheit. Die Wirkung La Bruyeres bis heute, meint sie, müsse einem aber erst einmal erklärt werden: Mit seinem "literarischen Impressionismus" prägte er Generationen von französischen Schriftstellern von Stendhal bis Proust. Ob das in dieser Ausgabe geschieht, bleibt offen, Schlaffers Kritik an dieser Neuedition allerdings fällt harsch aus: Bei aller äußeren Schönheit der Insel-Ausgabe nämlich leuchtet der Rezensentin nicht ein, warum es gerade die alte Übersetzung Otto Flakes sein muss. Und ein Nachwort, das die Biografie La Bruyeres ausspart, findet Schlaffer nicht eben hilfreich fürs Text-Verständnis.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.06.2007
Jean de la Bruyere lebte im ausgehenden 17. Jahrhundert als Jurist und Prinzenerzieher am Hofe Ludwigs XIV. Er erweist sich als ein scharfsichtiger, wenngleich konservativer, Beobachter seiner Zeit. Im Grunde, meint der Rezensent Tobias Schwartz, lese sich das in der bunten Mischung aphoristischer, essayistischer und anderer kurzer Textformen nicht viel anders als heutzutage ein Blog, zum Beispiel dasjenige von Rainald Goetz bei Vanity Fair. Bruyere kommentiert, was ihm vors lesende Auge kommt, die Übersetzung der antiken Charaktere des Aristoteles-Zeitgenossen Theophrast sei dabei nicht viel mehr als ein Ausgangspunkt. Manches ist heute von nur noch historischem Interesse, manche Einsicht aber, findet Schwartz, ist von durchaus anthropologischem, also bis heute gültigem Wert.
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