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Klappentext
"Kann man die Avantgarde in der Sowjetunion und in Deutschland von jeder Verantwortung freisprechen, weil sie letztendlich von den totalitären Systemen verworfen wurde und weil ihre Vertreter gezwungen waren, auszuwandern oder ermordet wurden, nachdem sie dieses System zuvor hofiert hatten?"
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.05.2000
Peter Bürger macht sich in seiner groß angelegten Sammelbesprechung Gedanken zur Frage nach dem Deutschen in der deutschen Kunst, die er in den folgenden vier Büchern thematisiert sieht.
1) Martin Warnke: "Geschichte der deutschen Kunst". Band II: Spätmittelalter und frühe Neuzeit 1400 - 1750 (C.H. Beck Verlag)
Dass die Frage nach dem Deutschen in der deutschen Kunst für Kunsthistoriker nach 1945 eine "Offene Wunde" trifft, werde bereits bei Martin Warnkes Buch deutlich, der versuche, das Problem zurückzuweisen, wodurch es nur noch offener zu Tage trete. Als Beispiel nennt Bürger den Verzicht auf eine Deutungsgeschichte des Isenheimer Altars. Hier sieht der Rezensent ein Manko, für das er allerdings größtes Verständnis hat.
2) Jean Clair: "Die Verantwortung des Künstlers" (DuMont Verlag)
Jean Clairs Buch kommt in der Rezension schlechter weg. Es gehe von einer "vereinfachten Konstruktion der Kunst des 20. Jahrhunderts" aus, die letztlich "anti-modernes Ressentiment" erkennen lasse. Zudem zweifele der Autor seine eigenen Thesen wiederholt an, zöge daraus jedoch keine gedanklichen Konsequenzen.
3) Werner Hofmann: "Wie deutsch ist die deutsche Kunst?" (Seemann Verlag)
Auch Werner Hofmann, der sich in seinem Buch mit Clair auseinandersetzt, muss sich Kritik gefallen lassen. Durch die Vielzahl der untersuchten Künstler und Werke verliere der Leser den Überblick und habe Schwierigkeiten, den Bezug zum Titel der Studie zu bewahren. Bürger zweifelt, ob hier das Wort "deutsch" noch eine "Klammer für die Heterogenität der behandelten Gegenstände" sein kann.
4) Hans Belting: "Identität im Zweifel" (DuMont Verlag)
Hans Belting schließlich, der sich mit historischem Ansatz des Problems annimmt, schreibe zwar mit "wohltuender Distanz", von der deutschen Identität und ihrer Kunst, kultiviere dies aber derart, dass es befremdlich wirke. Wie schon Hofmann würde Belting der Frage, was denn spezifisch deutsch an deutscher Kunst sei, am konkreten Beispiel gern aus dem Weg gehen. Vielleicht, so schließt Bürger, sollte man das Problem doch lieber den Engländern und Franzosen überlassen, denn es sei möglich, "dass die Frage uns immer wieder blockiert."
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