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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Jean Amery

Die Schiffbrüchigen

Roman

Cover: Die Schiffbrüchigen

Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2007
ISBN-10 3608936637
ISBN-13 9783608936636
Gebunden, 330 Seiten, 22,00 EUR

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Klappentext

Dies ist die Geschichte von Eugen Althager, einem Intellektuellen und Außenseiter im Wien Anfang der dreißiger Jahre. Althager ist arbeitslos, und wir erleben seinen Kampf und seinen Abstieg - zusammen mit dem Verfall der bürgerlichen Kultur in Österreich. Denn die soziale und politische Lage ist äußerst gespannt: Ein Generalstreik bricht unter den Waffen der Staatsgewalt zusammen, jüdische Mitbürger werden auf offener Straße drangsaliert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.07.2007

Dieser, knapp dreißig Jahre nach dem Freitod seines Autors publizierte Erstling sei zwar kein Geniestreich, schreibt Rezensentin Verena Auffermann. Trotzdem findet sie es gut, dass er endlich erstmals veröffentlicht ist. Sie erzählt die abenteuerliche Geschichte des einst verschollenen Manuskripts, das Jean Amery als junger Autor zwecks fachmännischer Begutachtung an Thomas Mann gesandt habe, der es wegen Überarbeitung dann aber an Robert Musil weiterleitete. Der habe dem Autor dann zwar Talent, aber auch "gewisse Unreifen" bescheinigt, ein Urteil, dem sich die Rezensentin nur anschließen kann. Der Inhalt des zwischen 1934 und 1935 entstandenen Romans verweist ihren Informationen zufolge "prophetisch" auf den bevorstehenden Holocaust, die Unterlegenheit der Juden "gegenüber den kraftstrotzenden Ariern" hin. Hier liest die Rezensentin dann auch "auftrumpfende Sätze" des jungen Autors, findet ein "nach Dostojewski riechendes" Wien beschrieben und hört bereits Eugen, den Protagonisten von Selbstmord reden. Trotzdem sei das Buch kaum mehr als ein "überfrachteter Jugendroman", in den die "Essenzen vieler Bücher" mit eingeflossen seien.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2007

Als "sensationelle Entdeckung" wertet Rezensent Franz Haas diesen nun veröffentlichten Jugendroman Jean Amerys, den der Autor als 23-Jähriger 1935 beendete. Auch wenn er nicht umhin kommt, einige "formale Mängel" festzustellen, zeigt er sich ausnehmend beeindruckt von der Scharfsicht, mit der Amery die Zeichen der Zeit, das von Deutschland nach Österreich herüberziehende Nazi-Übel analysiert. Darüber hinaus sieht er in dem Roman auf eine erstaunliche Weise fast die gesamte spätere Gedankenwelt des Autors vorhanden, vor allem die "unbestechlich widerständige Haltung als Zeitgenosse". Gleichwohl verhehlt er nicht, dass er den Essayisten Amery für bedeutender und genialer hält als den Romancier. In diesem Zusammenhang bedauert er Amerys Leiden an seinem Misserfolg als "literarischer Autor". Er sieht nämlich als erwiesen an, dass Amerys Selbstmord nicht nur Spätfolge seiner KZ-Erfahrung, sondern auch seiner Nichtbeachtung als Romancier war. Dass Amery meinte, einen erfolgreichen Roman schreiben zu müssen, um ein "großer Schriftsteller" zu sein, betrachtet Haas als ein "fatales Missverständnis", denn das war seines Erachtens längst mit seinen anderen Werken geschehen.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.03.2007

Als "erstaunlichen Erstling" bezeichnet Jürg Altwegg den Roman. Dermaßen gebannt folgt er dem Geschehen, dass er beinahe vergisst, wer der Autor des Buches ist und was die Literaturgeschichtsschreibung darüber Abschreckendes notiert hat. Diese Selbstvergessenheit des Rezensenten hat ihren Grund. Der Roman ist ein Ereignis, schreibt Altwegg und meint damit gelungene Figurenporträts, die Dichte der Beschreibung und das raffinierte Jonglieren der Motive, das er für weitaus mehr hält als eine Bestandsaufnahme von Jean Amerys "existentiellen Stoffen". Die dem Rezensenten durchaus nicht entgangenen "sprachlichen und dramaturgischen Schwächen" des Romans fallen dagegen nicht allzu sehr ins Gewicht. Eher noch Amerys Schicksal als durch den Krieg verhinderter Autor, das durch das Buch einen "noch viel bittereren Beigeschmack" erhalte.

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