Bücherschau der Woche
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Klappentext
Das Buch von Jan Roß erzählt Karol Wojtylas Geschichte und erklärt ein Denken, in dem sich die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts auf exemplarische Weise spiegeln - von Weltkrieg und Kaltem Krieg über die sexuelle Revolution und die Entspanungspolitik bis zu Gentechnik und Globalisierung. Es ist ein Buch über einen Mann, der als Papst mehr Macht besessen hat als alle seine Vorgänger - und der heute seine Kirchezur Außenseiterin in der Moderne werden sieht...
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 27.02.2001
Für ein "Jungenbuch" hält Philipp Gessler die Papst-Biographie von Jan Ross, womit er die Stärken und Schwächen des Buches zugleich benennt: es verberge seine Sympathien für den "rebellischen Konservativen" nicht, es gehe darin um gut und böse, Kampf und Sieg, und Frauen kämen nur am Rande vor. Was er an diesem Papst so großartig findet und warum, erklärt Ross für Gessler völlig überzeugend aus dessen Biografie: einer der sowohl gegen den Nationalsozialismus wie gegen Sozialismus und Kapitalismus ankämpfte, passt nicht in die üblichen Links-Rechts-Schubladen, behaupte der Autor. In seiner Begeisterung für den Papst und sein "Lebensschutz-Konzept" geht Ross dem Rezensenten dann aber zu weit: er verübelt ihm, dass er sowohl den Katholizismus der Alten Welt wie die Theologie der Befreiung einfach abkanzele und die evangelische Kirche ebenso wie die katholischen Schwangerenkonfliktberatung diskreditiere. Eine interessante und stellenweise durchaus mitreißende Lektüre, meint der Rezensent abschließend, auch wenn er den Verdacht nicht los wird, dass sich dieses pro-päpstliche Buch vom Eifer eines Konvertiten manchmal davon tragen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2000
Etwas skeptisch referiert Norbert Seitz die Thesen Ross`, dieses Redakteurs der "hanseatisch-protestantischen ?Zeit`". Für Ross, so scheint es nach Seitz, ist Johannes Paul II. schlicht der "größte unter den führenden Männern unserer Zeit", und der Rezensent schildert, wie Ross gegen antipapistische Klischees ankämpft, die er in Deutschland weit verbreitet wähnt. Dabei scheint Ross vor allem zu würdigen, dass der Papst gegenüber dem kommunistischen Osteuropa von der Entspannungspolitik der Kirche abging, um sie ideologisch und intellektuell beständig herauszufordern. Seine Haltung beschreibe Ross dabei nicht als "unpolitisch", sondern als "antipolitisch". Auch scheint Ross den Papst als eine Leitfigur für die Suche nach einem "Dritten Weg" zwischen Sozialismus und Kapitalismus zu begreifen. Kritisch merkt Seitz an, dass Ross nicht auf problematische Seiten des Papstes eingeht. Der Rezensent denkt dabei an die erzkonservative Sexualmoral des Papstes oder seine "katastrophale" Personalpolitik.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 19.10.2000
Soll man dem Autor all das Geschwafel von der historischen Größe wirklich glauben, fragt Matthias Brauck etwas entsetzt. Oder wolle Jan Roß bloß provozieren? Der Rezensent neigt zur Annahme des letzteren, sieht aber den Autor sich in viele Widersprüche verwickeln. Zunächst einmal stören ihn die vielen Superlative, mit denen der Papst belegt wird, und die er gar nicht nötig habe. Kein Zweifel, Papst Paul II. ist ein großer Mann, schreibt Brauck, aber das ist "nur die halbe Wahrheit". Denn wie lassen sich sein Dogmatismus und seine warmherzige Art zusammenbringen, fragt Brauck. Wie erklärt sich seine Offenheit für Weltreligionen, aber die Enge der eigenen Lehre? Der Autor ahne allenfalls etwas von dieser Widersprüchlichkeit, wenn er einen die Welt und den Papst entfremdenden Riss mit dem Zusammenbruch des Ostblocks andeutet. Roß` Bewunderungshaltung geht Brauck schlicht auf die Nerven. Er mutmaßt, dass es Roß nicht im Geringsten um Religion geht; dennoch schreibe er, als bewundere er die Zeugen Jehovas dafür, "dass sie ohne Angst vor Blamage mit dem Wachturm in der Hand in der Fußgängerzone stehen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Kritisch, aber `mit Einfühlung und Sympathie` hat Jan Roß über den Papst geschrieben, findet Hans Maier. Der Autor habe sich deutlich als Nicht-Katholik und doch Bewunderer des Papstes geäußert und ihm eine Größe attestiert, die in einer Welt des `Funktionärsgewimmels` heilsam herausrage. Roß beginnt, so Maier, mit der Bedeutung dieses Pontifikats für den Sturz des Kommunismus, geht weiter über die Rolle des Papstes als `prophetischer Mahner` gegen Individualismus und Hedonismus und zeigt am Ende ein `oft erschütterndes Bild des greisen Papstes`, der als `Schmerzensmann` bis heute selbst `Zeichen des Widerspruchs` ist. Maier ist offenbar völlig einverstanden mit allem, was Roß schreibt und findet, sein Buch den Papst-Büchern von George Weigel und Luigi Accattoli `ebenbürtig`.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "Hg." hat ein farbiges Buch über den Pontifex maximus gelesen. Hinter dem schlichten Titel verbirgt sich zwar nichts wesentlich Neues, findet er, dafür aber eine weitgehend klischeefreie und treffsichere Wiedergabe des Bildes, das man von Johannes Paul II. inzwischen gewonnen hat. Von "skeptischem Verständnis", so "Hg.", zeuge zudem die Nachzeichnung der millenaristischen Visionen des polnischen Papstes, mit der Jan Roß seine Darstellung beschließt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.09.2000
Eine bizarre Konstellation: ein "agnostischer Liberaler" schwärmt ein ganzes Buch lang vom "moralischen Superschwergewichtler" Johannes Paul II. und ein katholischer Rezensent weist auf die "tiefe Widersprüchlichkeit" des Pontifikats hin. Ziemlich angewidert ist Karl-Josef Kuschel von diesem Buch, das weder "originelle journalistische Recherche, kritische Distanz" oder "neue Fakten" vorlegt sondern, wie er findet, nur "in selbstverliebter Rhetorik und stilistischer Peinlichkeit" auf "Führerkult" und "Verachtung" der Masse hinausläuft. Dagegen setzt Kuschel das Bedürfnis der Katholiken nach einer sachlichen "Urteilsbildung" über einen Papst, der einerseits interreligiöse Gespräche führt, dann aber wieder erklärt, wie gerade geschehen: "Erlösung gibt es nur durch die Katholische Kirche." Der Hinweis von Roß auf das "Zwillingsbrüderpaar" Wojtyla/Chomeini, die fast gleichzeitig die auf die Weltbühne traten und eine "gottferne Welt" nocheinmal "das Fürchten lehrten", macht Kuschel fast sprachlos. Katholizismus als Fundamentalismus? Meint Roß das ernst?
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