Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Norwegischen übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel. Er war ein Verführer, ein Blender, ein abgebrühter Eroberer. Jonas Wergeland, der bekannte norwegische Fernsehstar, hat bitter dafür gebüßt. Wie er ein neues Leben beginnt und sich zugleich der Vergangenheit stellt, erzählt der bedeutende norwegische Autor in diesem Liebesroman. Mit seiner Tochter Kerstin nimmt Jonas Wergeland an einer Expeditionsfahrt teil, die ihn an die wilde Küste Westnorwegens und in den Sognefjord führt. Jonas protokolliert die Forschungsergebnisse, zugleich aber schreibt er sein Leben auf: Wie er aus dem Gefängnis entlassen wurde, wo er eine mehrjährige Strafe wegen Totschlags verbüßte. Obwohl Jonas wusste, dass sich seine Frau erschossen hatte, nahm er die Tat auf sich. Er fühlte sich schuldig, denn er hatte sich Margretes Liebe nicht als würdig erwiesen. In seinen Aufzeichnungen geht es nun um die eigene Geschichte, um Margrete und die Frage "Warum hat sie es getan?".
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 18.02.2006
Hocherfreut zeigt sich die Rezensentin Anna Katharina Dömling vom letzten Band der Roman-Trilogie um den fiktiven Fernsehstar Jonas Wergeland. Hocherfreut auch deshalb, weil sie sich endlich daran machen kann, deren narratives Gesamtkonzept aufzudecken. Als da wäre: Um herauszufinden, "wie ein Leben zusammenhängt", gilt es mit dem Erzählen immer wieder von Neuem zu beginnen, wie mit einem "gigantischen, nie fertigen Puzzle". In "Der Entdecker", so die Rezensentin, reist Jonas Wergeland auf einem Schiff durch den westnorwegischen Sognefjord, in Begleitung seiner Tochter und einer Gruppe von Wissenschaftlern. Während letztere den Fjord kartografisch erfassen, versuche Jonas, den blinden Fleck auf seiner inneren Landkarte zu erkunden, die nagende Frage nämlich, warum seine Frau sich umgebracht hat (denn soviel ist sicher, es handelt sich um Selbstmord, weshalb laut Rezensentin auch Jonas selbst als "das eigentliche Rätsel" zu gelten hat). Diesen dritten und letzten Band findet die Rezensentin gleich in mehrerlei Hinsicht gelungen. Zum einen handwerklich, denn er komme nicht als "Synthese" der zwei ersten daher. Er liefere neue Spuren und neue Muster, die nicht bloß alte Fragen beantworten, sondern auch neue stelle. Zum anderen poetologisch: Endlich einmal, jauchzt die Rezensentin, gehen "theoretische Prämissen des Postmodernismus" und "überschäumende Lust am Erzählen" eine glückliche Verbindung ein!
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.05.2005
Beim "Entdecker" handelt es sich um den dritten Band einer Trilogie, deren zwei Vorgängerbände zum Verständnis des vorliegenden aber nicht nötig sind, stellt Rezensent Christoph Bartmann fest. Das liege daran, dass Kjaerstad in jedem dieser drei Romane den gleichen Stoff, das gleiche Personal jeweils anders abhandele. Eins hätten die Bücher aber gemeinsam, nämlich "denselben Wergeland-Verherrlichungston", findet Bartmann. Überhaupt scheine Kjaerstads Devise "Groß denken" zu lauten, orakelt der Rezensent. Mit der Figur des Entdeckers, Frauenhelden und Fernsehfilmers Jonas Wergeland habe der Autor eine Nationalikone geschaffen, die er in den "norwegischen Götterhimmel empordichtet". Das alles sei ebenso maßlos wie befremdend, gesteht Bartmann seine unfreiwillige Faszination, betrachtet den Roman aber insofern als gescheitert, als dass es seinem Verfasser nicht gelungen sei, "das Allgemeine einer nationalen Gemütslage" in eine "halbwegs wahrscheinliche Figur" zu übertragen. Was Wergeland über Norwegen denke und äußere, entspräche jedermanns Meinung in Norwegen, vermutet der Kritiker. Auch wenn einem "Der Entdecker" Wergeland als Titan und Michelangelo der Fernsehwelt präsentiert werde, müsse er doch eher an Peter von Zahn denken, gesteht Bartmann.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2005
"Der Entdecker" ist der hochkomplexe, multiperspektivische Abschluss der Jonas-Wergeland-Trilogie. Vorausgegangen sind die Romane "Der Verführer" und "Der Eroberer". Held der Trilogie ist ein Geistesmensch ganz eigenen, universalen Kalibers, der allerdings, bei aller Universalität, doch durch und durch Norweger ist. Oliver Jungen ist sehr beeindruckt von dem gewaltigen erzählerischen und gedanklichen Aufwand Kjarstads, von dessen Tolstoi'schem Vermögen, wenn man so sagen darf. Wie kann man den Anspruch guten Erzählens verbinden mit den hochironischen, antinarrativen Tendenzen postmoderner Poetologie? Darauf versucht Kjarstad eine praktische Antwort zu geben, indem er beispielhaft aus immer neuen Perspektiven das Leben des fiktiven Fernsehgenies Wergeland durchspielt, der offenbar eine Mischung aus Alexander Kluge und Citizen Kane ist. Der Rezensent mag allerdings nicht verhehlen, dass Kjarstad zu einem "Übermaß an Reflexion" neigt , zu "überklügelten philosophischen Erklärungen" - und das wiederum führe dazu, dass die Personen des Romans blass bleiben, Kopfgeburten, und der Roman selbst etwas "Sentenzenhaftes" erhält. Als Strukturmodell für sein Erzählverfahren dient dem Autor das Internet, dessen Netzwerkorganisation, die infinite Verweisstruktur des World Wide Web. Dreh- und Angelpunkt der Komposition der Trilogie ist der Moment, in dem Wergelands Frau stirbt, eine "Pieta-Szene", wie Jungen befindet. Der Name der Frau, Margrete, allein rückt Wergeland in faustische Dimensionen, und so wundert es nicht, dass der Rezensent Namen wie Hegel und Kierkegaard ins Spiel bringt, um die Grenzen dieses Werkes abzustecken. Das Fazit: Ein Roman von Bedeutung, nicht nur für die norwegische Literatur.
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