Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Beatrice Howeg. Verbrannte Tage" fängt ein einzigartiges Leben ein. Es beginnt mit einer Kindheit und Jugend in Manhattan und führt dann, auf Wunsch des Vaters, nach West Point, in die Militärakademie. James Salter wird zum Kampfpiloten ausgebildet und nimmt am Koreakrieg teil. In den Sechzigern konzentriert sich Salter auf das Schreiben, lebt als Autor in New York. Er schildert die Schwierigkeiten der Anpassung, die Umstellung, das Fehlen jeder Ermutigung. Er schreibt Romane, die hoch anerkannt werden, sich aber nicht verkaufen, und er lebt von "Screenplays", die er für Hollywood verfasst. Mehr als zehn Jahre arbeitet er für die Filmindustrie und lernt viele der großen Gestalten jener Zeit kennen, darunter Samuel Goldwyn, Irwin Shaw, Roman Polanski und Robert Redford. Salter reist viel. Er lebt in Rom und Paris, Städten, deren Glanz und Erotik er in seiner impressionistischen, knappen Sprache wiedergibt. Und er schildert immer wieder die Frauen, die in seinem Leben eine so große Rolle spielten.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 10.03.2001
Wie eine ziemlich komische Mischung aus der "Gelacktheit des Größenwahns" und der "Abgewandtheit des Understatements" wirken James Salters Erinnerungen auf die Rezensentin Ursula März, in dem er ihrer Meinung zwar wenig über sich, aber viel über eine mythenbeladene Vorstellung von Männlichkeit preisgibt. Zentrale Motive des Romans sind die Heroik eines frühen Todes, Vaterfiguren, Heldenbewunderung, mondäne Frauen und Salters Karriere als Luftwaffenpilot, die zwar nur einige Jahre währte, aber mehr als die Hälfte des Bucher ausfüllt. Etwas ironisch kommentiert sie: "Selten wurde so deutlich, dass die Überlegenheitssehnsucht extremer Männlichkeit gepaart ist mit den Infantilitätsfantasien der Unterlegenheit". Lächerlich findet sie Salters Werk - das nach März viel mit seinen Romanen gemein hat - aber trotzdem nicht. Für sie ist `Verbrannte Tage` "ein stilistisch hochrangiges, elegisches und in seinem ganzen Habitus ambivalentes und merkwürdiges Buch."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.02.2001
"Hin und her und vor und zurück" erzählt Salter hier aus seinem Leben, bemerkt Gerrit Bartels in einer kurzen Kritk zu dem Buch. Ihm scheint das Durcheinander, in dem Salter von seinem Leben als Flieger erzählt und von seinem Leben als Schriftsteller weitgehend schweigt, aber ganz gut zu gefallen. Auch Klatsch und Anekdoten scheint das Buch zu bieten, denn als Drehbuchautor ist Salter auch vielen Celebrities begegnet und liefert Episoden über Robert Redford oder Sharon Tate. Bartels zeigt sich alles in allem verwundert, aber auch angetan von diesem Buch, das für ihn zwischen "unverbrämter Angeberei" und dann auch wieder tief melancholischen Passagen, etwa über den Tod von Salters Tochter, unvermittelt zu wechseln scheint.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.02.2001
James Salters Erinnerungen, davor warnt der Rezensent Uwe Pralle gleich anfangs, sind von manchen der Probleme nicht frei, die das Genre verdächtig machen: "Selbstgefälligkeit" etwa, insbesondere in Sachen erotischer Eroberungen. Dagegen steht aber das ungewöhnliche Leben Salters, seine langen Jahre als Kampfflieger, bevor er sich der Literatur zuwandte. Für das Fliegen aber findet Salter, so der Rezensent, ein ums andere Mal "sehr poetische und manchmal auch sehr pathetische Bilder", deren Niveau "oft auch sprachlich auf (der) Höhe" des Düsenjägerflugs sei (und das sind immerhin 13 000 Meter.) In Kauf nehmen muss man freilich die vom Militär geprägten Werte des Autors, "diffizilere Grübeleien", bedauert Pralle, sind seine Sache nicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.12.2000
Eberhard Falcke liefert eine Besprechung comme il faut. Nachher hat man wirklich einen Eindruck von der Biographie des in Deutschland lange unbekannten, 1925 in New Jersey geborenen James Salter und eine profunde Bewertung dazu. Falcke wundert sich erst mal, dass da "keine offenen Fragen, keine quälenden Widersprüche" sind, erklärt das aber dann zur Qualität des Buchs. Vorgeführt wird ein Held: Ein Flieger, ein Charmeur aus der "Welt der bewunderten Amerikaner, deren Bild noch nicht vom Vietnam-Krieg und anderen Hinterhof-Aktionen überschattet war." Besonders profund fallen deshalb auch die Flieger-Kapitel aus, in den Jahren danach - Salter ist beim Film - geht es tief und zuweilen pathetisch hinein in die Melancholie und das Gefühl des Ungenügens. Beredt beschreibt Falcke seine Zweifel: Das notorische "Bewusstsein der Vergänglichkeit" und die "elegische Evokation dessen, was verschwunden ist" kehrt immer wieder und hat doch wenig Varianten. Aber trotzdem "exquisiten Zauber". Wenn nicht wieder der "Klatsch aus zweiter Hand" dazwischenkommt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000
Ein Typ, an dem sich die Geister scheiden. Ein "Feingeist und Macho" zugleich ist der Autor, sagt Rezensent Martin Lüdke, so "genial wie grauenhaft". Ihn hat irgendwann die Begeisterung gepackt. Trotz Salters Hang zum Kitschigen, zum Trivialen, zum Heroischen. Für Lüdke ist Salter ein Fossil, ein Mann der 50er Jahre, der auch im Stil der 50er Jahre schreibt. Salter war Berufssoldat, bevor er zu schreiben anfing, erklärt der Rezensent, Kampfflieger im Korea-Krieg. Seine früheren Romane zeugten auf sensible Weise und doch unverfälscht von der Männergesellschaft, die ihn geprägt habe, sie beschrieben kritisch-präzise die obere Mittelschicht Nordamerikas, der Salter angehört. Also lässt Lüdke angesichts der nun auf deutsch vorliegenden Autobiografie Milde walten: nett dahingeplaudert, mit Anekdoten von Begegnungen mit Künstlern und anderen gewichtigen Personen angereichert, aber alles in allem etwas belanglos. Allenfalls Frauen unter vierzig zu empfehlen, meint Lüdke, die solche (echten!) Männer nicht mehr kennenlernen könnten. Es sei denn, sie schreiben wie Salter, dessen fünf andere (auf Deutsch vorliegende) Bücher für Lüdke allesamt und noch immer lesenswert sind.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2000
"Unsterblichkeit erlangt, wer eine MiG abschießt oder Bücher schreibt" erklärt uns Rezensentin Sandra Kerschbaumer. Und wir erfahren auch, dass James Salter beides getan hat. Ob das für seine Unsterblichkeit ausreichen wird? Nicht ohne Freude am machohaften Mitteilungdrang Salters beschreibt die Kritikerin seinen Lebensbericht zwischen Boheme und Luftkampf, dekolletierten Frauen und berühmten Männern, zwischen Paris, London, Rom und New York . Und es ist eher am Understatement ihrer Nebensätze abzulesen, dass sie die literarischen Qualitäten Salters nicht allzu hoch bewertet. So verbirgt sich hinter Kerschbaumers mit viel Sympathie gezeichneten Salter-Porträt eigentlich ein Verriss.
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