Bücherschau der Woche
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Klappentext
Die Prosa Jamal Tuschiks lässt an polierte Oberflächen denken. Sie zu lesen ist, als folgte man einer von Raumfahrzeugen angelegten Spur. Der Ich-Erzähler, in Kassel groß geworden, kommt auf Umwegen in die hessische Metropole Frankfurt am Main und erkundet die Stadt auf eine ihm eigene Weise. Er hat die Chance einer von Erwerbszwängen lange unbeschwerten Existenz genutzt, um sich in Ruhe Dinge und Gegenden anzuschauen, an denen die anderen nur vorbeihasten. Der Roman ist die Geschichte einer Jugend, ein Bildungsroman aus den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die Schönheit der Sprache, die leichte Genauigkeit der Beobachtung stehen in einem faszinierenden Widerspruch zu dem scheinbaren Ende des Erzählens: Die Erzählstränge sind stets gebrochen, unterbrechen sich teilweise abrupt, um virtuos wieder aufgenommen zu werden.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.01.2001
In das Genre der Großstadtprosa rechnet Andreas Nentwich das Debüt von Jamal Tuschick, auch wenn Frankfurt am Main eine eher kleine Großstadt ist. Außerdem spielt ein Teil des Romans eh in Kassel, wo der Protagonist seine Jugend verlebt, er sich zum Rockstar berufen gefühlt und Protest als Anpassungsleistung an seine Gruppe verstanden hat. 20 Jahre später, erläutert Nentwich die Romanhandlung weiter, führt ein Wiedertreffen mit den einstigen Kumpanen dem Protagonisten die Folgenlosigkeit seiner einstigen rebellischen Haltung vor Augen. Frankfurt boomt. Für Nentwich hat Tuschick seine Sprache am Beat geschult, am Rhythmus Frankfurts, seine Prosa komme schnell daher, antipsychologisch und assoziationswild, um nicht zu sagen, etwas überladen. "Viel Zusatzausstattung" nennt es Nentwich, der aber meint, daß Tuschicks Metaphern dennoch treffen: "die Bilder sitzen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.12.2000
Es geht um "die Geschichte einer Jugend in der nordhessischen Provinz", die vor allem von einem bestimmt ist: der Rockmusik, in deren Zeichen der dagegen naturgemäß abfallende Alltag gelebt wird. Das rundet sich keinesfalls zu einer schönen Jugend, sondern - und da fühlt sich der Rezensent Friedmar Apel an Michel Houellebecq erinnert - es wuchert nur das "Geschwür der Hoffnungslosigkeit". Wenigstens die Beschreibung des "provinziellen Kampf- und Krampfgeschehens" scheint gelungen, jedenfalls lobt Apel die präzise Beobachtungsgabe des Erzählers und den "wunderbar zickigen Stil eines Flaneurs von heute". Darüber hinaus fallen ihm an Vergleichsgrößen noch Allen Ginsberg, Joyce und Beckett ein, und dennoch bleibt ein Bedauern, dass das ganze dann doch "keine große Geschichte" ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.10.2000
Nicht sehr begeistert zeigt sich Lutz Hagestedt von Jamal Tuschicks Debütroman. Der Autor, Jahrgang 1961, schildert den Werdegang einer Kasseler Jungen- und später Männerclique aus wechselnder Perspektive. Hagestedt vermisst jedoch unterschiedliche Tonlagen oder Sprechweisen in der Stimmenvielfalt der Erzähler, stattdessen vermag er nur den immergleichen "strapazierten, gedrechselten und polierten Duktus" wahrzunehmen. Tuschicks Prosa ist Hagestedt viel zu bemüht; das Augenmerk des Autors gelte dem Detail, weshalb sich dieser oft in umständlichen Beobachtungen und Formulierungen verliere und der Erzählfluss darüber ins Stocken komme. Wo es dem Autor ausnahmsweise gelingt, die verkrampfte Erzählhaltung zu lösen, etwa in dem Abschnitt über die Zivildienstzeit des einen Protagonisten im Altersheim, findet Tuschick nach Hagestedt zu dichten und erzählerisch gelungenen Passagen, die dem Rezensenten allerdings, selbst wenn "keine große Geschichte" dabei herauskommen muss, nicht ausreichend für ein großes oder wenigstens mittelgroßes Buch erscheinen.
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