Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Französischen von Uli Wittmann. Im Jahr 1891 fahren die Brüder Archambau nach Mauritius in die Heimat der Familie. Auf der Schiffsreise, die über Aden führt, wo der Arzt Jacques den todkranken Dichter Rimbaud behandelt, brechen die Pocken aus. Die Passagiere, Europäer und indische Kulis, dürfen deshalb in Mauritius nicht an Land, sondern kommen auf einer nahen, von Indern bewohnten Insel in Quarantäne. Unter den verschiedenen Gruppen brechen bald unerträgliche Spannungen auf. Nur Léon, tief beeindruckt vom Dichter des "Trunkenen Schiffs", fühlt sich nicht eingeschlossen. Er erfährt die Insel und die Weite des Meers als Befreiung und seine Liebe zu der jungen Inderin Suryavati als Aufbruch in ein neues Leben. In drei kunstvoll miteinander verwobenen Handlungssträngen, die von der Gegenwart bis weit in die Kolonialzeit reichen, erzählt Le Clézio die Geschichte der Archambaus.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2000
Ralph Dutli rezensiert das Buch im Ton eines tief enttäuschten Liebhabers. Auf der ersten Seite hat ihm der Autor für später eine Begegnung des Erzählers mit Rimbaud versprochen. Mit dieser "lockenden Karotte vor der Nase" hat sich Dutli durch die ganzen 576 Seiten des Romans geackert um dann festzustellen, dass er über Rimbaud nicht mehr erfährt, "als in jedem französischen Schulbuch steht". Was hat er nicht alles vorher ertragen: schwülstige Inselromantik, seitenlange Aufzählungen botanischer und geografischer Details, kurz niederschmetternde Langeweile. Bitter beklagt sich der Rezensent am Ende über so viel verschwendete Lebenszeit. Wir fühlen mit ihm.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.06.2000
Wenig begeistert zeigt sich Thomas Laux vom jüngsten Roman Le Clézios, den er als in großen Teilen umständlich, handlungsarm und romantisierend bezeichnet. Kategorie: Tropenkitsch, leider nicht von der schwungvollen, sondern eher von der langweiligen Sorte. Anders als in Le Clézios letzten Romanen, wo die Zivilisationskritik im Vordergrund stand und Le Clézios Protagonisten gleichfalls in ferne Länder führte, ginge es dem Autor diesmal nicht um einen irgendwie philosophisch auslegbaren Fluchtimpuls, sondern vielmehr um die Rekonstruktion familiärer Wurzeln - aber das ist, wie Laux in einer Anspielung auf Botho Strauß` "Ithaka" suggeriert, rückwärtsgewandte Ideologie, die dieser Literatur zumindest nicht bekommen ist.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2000
J.M.G. Le Clézios Romane folgten einem vertrauten Muster, der Entwicklung der Protagonisten von "individueller Entfremdung" hin zur "materiellen Ekstase". Diese Feststellung hindert den Rezensenten Mark Terkessidis aber nicht daran, das neue Werk schlicht grandios zu finden. Wie viele seiner anderen Bücher spiele auch dieses auf Mauritius und ohnehin neige Clézio zum Exotismus, aber diese Geschichte von französischen Auswanderern und ihren brutalen Mechanismen von Gemeinschaftsbildung und Ausschluss vollziehe die Wiedereinschreibung "der verschwiegenen Bastarde und Verräter" in eine Geschichte, aus der diese gelöscht worden waren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.05.2000
Als "Roman fernab des Literaturbetriebes", dessen Romane zwar unsere "Anteilnahme beanspruchten", aber "die Phantasie darben" ließen, bejubelt Fritz Rudolf Fries dieses Buch. Dabei weiß er gar nicht, mit welchen Größen der Literaturgeschichte er Le Clezio zuerst vergleichen soll. Mit Rimbaud, ohne den der Roman "nicht die Unruhe des Traums hätte"? Oder besser mit Joseph Conrad, wegen des brüchigen Kolonialkolorits? Romanfigur Susanne liest Baudelaires und Tennysons Gedichte, "mit ihrer Verklärung der blauen Ferne". Und die Liebesgeschichte "unter Palmen", mit der man es hier auch zu tun hat, könnte "leicht zum Dramolett à la Colette werden". So richtig kann Fries auch nicht rüberbringen, warum dies für ihn "ein großer Roman" ist. Und - womit eigentlich das Buch seine Fantasie so sehr beflügelt hat: unübersichtliche Schilderung einer eher unkomplizierten Geschichte. Für die unbeteiligte Leserin klingt sie außerdem ein wenig epigonal.
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