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Klappentext
Elisabeth Schlosser hat einen erwachsenen Sohn, der nicht mehr mit ihr spricht. Er arbeitet nicht und isst auch nicht mehr, vielleicht ist er krank, sie weiß es nicht, und sie weiß nicht, wie sie ihm helfen kann. Immerhin äußert er eines Tages, dass er sie für die Falsche hält. Seine Mutter versucht herauszufinden, was damit gemeint sein könnte, denn sie zweifelt schon lange an sich selbst. Entschlossen unterzieht sie sich einer Hypnose, und was sie dort erfährt, führt sie in ein geheimnisvolles Cafe im polnischen Katowice, das einmal Kattowitz hieß. Dort angekommen, erfährt Elisabeth Schlosser Dinge, die ihr bisher verborgen geblieben waren. Zurück in Berlin, wird ihr auf einmal das eigene Stammcafe unheimlich, und sie weiß nicht, wohin mit sich selber. Jeder, dem sie von ihrem Unglück erzählt, rät ihr, das alles zu vergessen. Loslassen ist das Modewort dieser Tage, aber dieses Wort ist Elisabeth Schlosser zutiefst suspekt. Im Gegenteil - wo alles auseinander rutscht, da will sie festhalten, und das tut sie auch, denn sie will ihren Sohn retten.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2004
Ein stilles, rätselhaftes Buch über eine stille, rätselhafte Frau hat Yvonne Gebauer in Irina Liebmanns Roman entdeckt. Die in Ost-Berlin aufgewachsene Heldin zieht sich im Jahr 2000 als letzte Mieterin eines Renovierungsobjektes am Hackeschen Markt in das letzte verbleibende Zimmer zurück und phantasiert sich eine Freundin zurecht. Eine Reise nach Polen wird für sie zur Reise tief in die Vergangenheit, in ein "fast märchenhaftes Grenzland zwischen Erfindung, Spinnerei und längst verjährter, unscharfer Erinnerung". Die Heldin ist offensichtlich auf Spurensuche, aber weder sie noch die Rezensentin wissen, wonach gesucht wird und zu welchem Zweck. Obwohl die um Sinnstiftung bemühte Yvonne Gebauer ein Buch gelesen hat, in dem "am Ende kein Sinn gestiftet wird und vieles offen bleibt", so hat sie doch ein "schönes Buch" gefunden.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004
Iris Radisch hält "Die freien Frauen" für den "besten" Roman, den Irina Liebmann bisher geschrieben hat. Liebmann füge der langen Geschichte von Literatur und Melancholie ein weiteres Kapitel hinzu, das so "herzerwärmend schön erzählt" wird, als habe es die Autorin frisch entdeckt. Aber dann zieht die Rezensentin doch Vorgänger heran, allen voran Christa Wolf und ihre "Christa T.", die gut und gerne die jüngere Version von Elisabeth Schlosser sein könnte, der desillusionierten und verloren im vereinigten Berlin herumirrende Heldin. Sie fühlt sich fremd in der neuen, aber nach wie vor "erstarrten" Hauptstadt, fremd in ihrem eigenen Leben. Liebmann hat nicht nur einen Berlinroman geschrieben, sondern auch "eines der wenigen Bücher" deutscher Provenienz verfasst, das aus der Perspektive einer alternden Frau erzählt wird, betont die Rezensentin. Dies alles in "starken allegorischen Bildern" festgehalten zu haben, im Ton einer "zeitgemäßen Alters-Elegie", darin besteht für Radisch die "große diagnostische Kraft" des jüngsten Werks von Irina Liebmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004
Barbara von Becker ist grundsätzlich ganz angetan von Irina Liebmanns sorgfältiger "Kunst des Ungefähren" - nur manchmal ist es ihr ein bisschen zu viel des Vagen, dann droht die "Gefahr des bloß Raunenden". Der inhaltliche Grund für das Tastende der Sprache: Es geht um die Identitätssuche einer älteren Frau, die vielleicht eine andere ist, als sie annimmt. Ein Fund in einem Buchladen, ihr eigenartiger, fremder Sohn - die Protagonistin wird angestoßen, sich auf Erinnerungen einzulassen, auf Vermutungen, auf Nachforschungen, die sie nach Kattowitz in Polen führen, einem Ort der präsenten Geschichte. Die Suche, schreibt die Rezensentin, ist nicht zielgerichtet, eher assoziativ - "ein Schweifen zwischen Vorstellungswelten und dem sich Einlassen auf Orte". Und so geht es auch aus: ohne, dass eine plötzliche Plausibilität die sprachlichen Schleier lüftet, von denen oft ein durchaus "aparter Reiz" ausgeht. Aber nicht immer.

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