Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Irina Liebmann

Die freien Frauen

Roman

Cover: Die freien Frauen

Berlin Verlag, Berlin 2004
ISBN 9783827003478
Gebunden, 211 Seiten, 18,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Elisabeth Schlosser hat einen erwachsenen Sohn, der nicht mehr mit ihr spricht. Er arbeitet nicht und isst auch nicht mehr, vielleicht ist er krank, sie weiß es nicht, und sie weiß nicht, wie sie ihm helfen kann. Immerhin äußert er eines Tages, dass er sie für die Falsche hält. Seine Mutter versucht herauszufinden, was damit gemeint sein könnte, denn sie zweifelt schon lange an sich selbst. Entschlossen unterzieht sie sich einer Hypnose, und was sie dort erfährt, führt sie in ein geheimnisvolles Cafe im polnischen Katowice, das einmal Kattowitz hieß. Dort angekommen, erfährt Elisabeth Schlosser Dinge, die ihr bisher verborgen geblieben waren. Zurück in Berlin, wird ihr auf einmal das eigene Stammcafe unheimlich, und sie weiß nicht, wohin mit sich selber. Jeder, dem sie von ihrem Unglück erzählt, rät ihr, das alles zu vergessen. Loslassen ist das Modewort dieser Tage, aber dieses Wort ist Elisabeth Schlosser zutiefst suspekt. Im Gegenteil - wo alles auseinander rutscht, da will sie festhalten, und das tut sie auch, denn sie will ihren Sohn retten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 10.11.2004

Ein stilles, rätselhaftes Buch über eine stille, rätselhafte Frau hat Yvonne Gebauer in Irina Liebmanns Roman entdeckt. Die in Ost-Berlin aufgewachsene Heldin zieht sich im Jahr 2000 als letzte Mieterin eines Renovierungsobjektes am Hackeschen Markt in das letzte verbleibende Zimmer zurück und phantasiert sich eine Freundin zurecht. Eine Reise nach Polen wird für sie zur Reise tief in die Vergangenheit, in ein "fast märchenhaftes Grenzland zwischen Erfindung, Spinnerei und längst verjährter, unscharfer Erinnerung". Die Heldin ist offensichtlich auf Spurensuche, aber weder sie noch die Rezensentin wissen, wonach gesucht wird und zu welchem Zweck. Obwohl die um Sinnstiftung bemühte Yvonne Gebauer ein Buch gelesen hat, in dem "am Ende kein Sinn gestiftet wird und vieles offen bleibt", so hat sie doch ein "schönes Buch" gefunden.

Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bestellen bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Iris Radisch hält "Die freien Frauen" für den "besten" Roman, den Irina Liebmann bisher geschrieben hat. Liebmann füge der langen Geschichte von Literatur und Melancholie ein weiteres Kapitel hinzu, das so "herzerwärmend schön erzählt" wird, als habe es die Autorin frisch entdeckt. Aber dann zieht die Rezensentin doch Vorgänger heran, allen voran Christa Wolf und ihre "Christa T.", die gut und gerne die jüngere Version von Elisabeth Schlosser sein könnte, der desillusionierten und verloren im vereinigten Berlin herumirrende Heldin. Sie fühlt sich fremd in der neuen, aber nach wie vor "erstarrten" Hauptstadt, fremd in ihrem eigenen Leben. Liebmann hat nicht nur einen Berlinroman geschrieben, sondern auch "eines der wenigen Bücher" deutscher Provenienz verfasst, das aus der Perspektive einer alternden Frau erzählt wird, betont die Rezensentin. Dies alles in "starken allegorischen Bildern" festgehalten zu haben, im Ton einer "zeitgemäßen Alters-Elegie", darin besteht für Radisch die "große diagnostische Kraft" des jüngsten Werks von Irina Liebmann.

Gebraucht finden bei abebooks

Bestellen bei buecher.de

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2004

Barbara von Becker ist grundsätzlich ganz angetan von Irina Liebmanns sorgfältiger "Kunst des Ungefähren" - nur manchmal ist es ihr ein bisschen zu viel des Vagen, dann droht die "Gefahr des bloß Raunenden". Der inhaltliche Grund für das Tastende der Sprache: Es geht um die Identitätssuche einer älteren Frau, die vielleicht eine andere ist, als sie annimmt. Ein Fund in einem Buchladen, ihr eigenartiger, fremder Sohn - die Protagonistin wird angestoßen, sich auf Erinnerungen einzulassen, auf Vermutungen, auf Nachforschungen, die sie nach Kattowitz in Polen führen, einem Ort der präsenten Geschichte. Die Suche, schreibt die Rezensentin, ist nicht zielgerichtet, eher assoziativ - "ein Schweifen zwischen Vorstellungswelten und dem sich Einlassen auf Orte". Und so geht es auch aus: ohne, dass eine plötzliche Plausibilität die sprachlichen Schleier lüftet, von denen oft ein durchaus "aparter Reiz" ausgeht. Aber nicht immer.

Gebraucht finden bei abebooks

Bestellen bei buecher.de
Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern | Share on Google+

Irina Liebmann

Irina Liebmann, geboren 1943 in Moskau, studierte Sinologie in Leipzig. Seit 1975 lebt sie als freie Schriftstellerin in Ost-, später in Westberlin. Für ihre Bücher erhielt sie zahlreiche Preise, unter ... mehr lesen

Bücher zum gleichen Themenkomplex

Monioudis, Perikles: Die Stadt an den Golfen. Thessaloniki, Berlin, Zürich, Alexandria.

Bestellen bei buecher.de

Rimbaud Verlag, Aachen 2004, ISBN 389086659X, Gebunden, 92 Seiten, 17,00 EUR

Mit einem Nachwort von Ingo Schulze. In Monioudis' zurückhaltender Prosa erleben wir vier Städte: Ein Mann und eine Frau gehen durch Alexandria im Orient und Thessaloniki am Fuß des Balkangebirges, durch Berlin mit seinem kontinentalen Klima, durch Zürich, gelegen zwischen Seen und Alpen.... mehr lesen

Rudis, Jaroslav: Der Himmel unter Berlin. Roman

Bestellen bei buecher.deCover: Der Himmel unter Berlin

Rowohlt Verlag, Berlin 2004, ISBN 3871344966, Gebunden, 160 Seiten, 16,90 EUR

Aus dem Tschechischen von Eva Profousova. Dort, wo die Berliner U-Bahn seit hundert Jahren ihre Netze spinnt und in ihrer Sehnsucht, irgendwo anzukommen, alle Menschen gleich sind - in diese Unterwelt gerät Petr Bem, ein junger Prager Deutschlehrer auf der Flucht vor familiären Bindungen. Im Zug nach Pankow lernt er Pancho Dirk kennen, der... mehr lesen

Archiv: Buchautoren