Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Ingo Schramm

Die Feigheit der Fische

Roman

Cover: Die Feigheit der Fische

Volk und Welt Verlag, Berlin 2000
ISBN-10 3353011595
ISBN-13 9783353011596
Gebunden, 359 Seiten, 21,47 EUR

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Klappentext

Der Schauspieler Kurt Neulich kann nicht vergessen, wie er durch das Flugzeugfenster ein Geschoß auf sich zurasen sah. In die fortwirkende Angst mischt sich Wut: Er wird verantwortlich gemacht für die Beinahe-Kollision zwischen einem Airbus der Linie Paris-Rom und einer MIG der Bundeswehr. Um sich zu rehabilitieren, beginnt er nachzuforschen und stellt fest, daß in den Zwischenfall Politik, Geschäft und Militär verwickelt sind und alles vertuschen wollen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.11.2001

Hans-Peter Kunisch bemängelt so einiges an diesem Roman: Zu viele Romanfiguren, zu viele unterschiedliche Perspektiven, eine zu verquere Handlung. Worum geht es? Ein Kommissar verursacht auf dem Flug in die USA ein Unglück, weil er "gegen die Weisungen des Bordpersonals" mit einem CD-Spieler hantiert, umreißt der Rezensent die Geschichte. Mit diesem Roman versucht der Autor, der auf sein "DDR-Erbe verzichtet", einen Neuanfang, meint Kunisch. Dieser ist jedoch "lapidar, trocken, und konventionell" geraten, findet der Rezensent. Und dies, obwohl der Autor entgegen seiner früheren Romane den Blick nicht auf das "Innere der Figuren" richte, sondern den Personen mehr Handlungsspielraum lasse. Dies ist aus Sicht des Rezensenten zu schematisch geworden.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.02.2001

Rezensent Bruno Steiger ist enttäuscht von diesem Roman. Autor Ingo Schramm möchte der Frage nachgehen, was Wahrheit, was Realität ist. Dazu fährt er ein gewaltiges Ensemble an Charakteren auf, das Steiger lediglich wie ein "redlich bemühter Chor von Ich-Chargen" vorkommt, dem es bestenfalls gelingt, einen "Tonfall echten Zweifelns" zu erzeugen. Bei allem Respekt vor dem Anliegen des Autors Schramm konstatiert Steiger unzulängliche "technische Mittel", Beschränktheit und Eindimensionalität im Vorgehen. So kommt er nicht umhin, das Buch auf einen "360 Seiten langen pseudophilosophischen Diskurs in der Sprache der Linden-Strasse" zu reduzieren. Fast spöttisch anerkannt wird lediglich die Hartnäckigkeit dieses Vorgehens.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2000

Vom Stoff her ein großer Wurf, findet Rezensent Michael Baur und überfliegt kurz den Plot, indem es um die Frage geht, ob hinter den Kulissen offizieller Politik Europäer und Russen "an einem Eurofighter gegen Pentagon und Wallstreet" basteln. Doch was "schreibwütige Angelsachsen" gefällig hinter Buchdeckel packen könnten, meint Baur, das mache Schramm zu schaffen. In früheren Büchern habe der Autor, der lange Zeit als Nr. 2 hinter Thomas Brussig gehandelt worden sei, die Sprache seiner Figuren noch gekannt. Nun habe er sein "Milljöh" verlassen, und "schon schweigen seine Fische". Strafverschärfend kommt für den enttäuschten Rezensenten hinzu, dass Schramm mit konstruierten Zufällen und Verwandtschaftsverhältnissen der Handlung mehrmals über Unglaubwürdigkeiten hinweghelfen will. Und dann noch dieser unglückliche Mix aus "Unfallchirurgie und Erotik". Das hat Schramm, seufzt Baur, auch schon besser gekonnt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2000

Gewandt wie ein Wurstfachverkäufer beginnt Thomas Wirtz, über das Wunder der Sülze zu fabulieren. Dabei haben wir es im Buchtitel mit Fischen zu tun! Und bald ist es nicht mehr zu übersehen: das Metzgerei-Vokabular soll nur besonders betonen, wie schlecht das Buch geschrieben ist. Denn Wirtz mag keine Sülze, in der das Aspik die edleren Zutaten mit seinem aufdringlichen Geschmack verdrängt. Die Geschichte eines Schauspielers, der einen populären Fernsehkommissar verkörpert und sich allzu sehr mit seiner Rolle identifiziert, vom Rezensenten kurz skizziert, klingt tatsächlich etwas dünn. Doch auf einmal lesen wir von "wohlschmeckenden Zutaten" und anderen leckeren Sachen und sind verwundert, weshalb der Kritiker plötzlich so wohlgesonnen ist. Augenreibend liest man sogar das Wortpaar "großartiger Schriftsteller". Aber dann fällt Thomas Wirtz das "Aspik-Syndrom" ein. Es wird also schnell wieder in den Sülztopf geguckt und die Augen verdreht.

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