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Imre Kertesz

Dossier K.

Eine Ermittlung

Cover: Dossier K.

Rowohlt Verlag, Reinbek 2006
ISBN 9783498035303
Gebunden, 288 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Mit 80 schwarz-weiß Abbildungen. Imre Kertesz gilt als einer der großen künstlerischen und denkerischen Deuter der Welt nach Auschwitz. Sein Werk wird meist autobiografisch gelesen, doch ist es zugleich notwendig komponiert nach den Gesetzen von Stil, Vorstellungskraft, Fiktion. Wie steht es mit seinem Leben in Verbindung? Unter welchen Bedingungen, in welchen Lebenszusammenhängen ist es entstanden? Mit "Dossier K." legt Kertesz seine Autobiografie vor. Es ist eine Selbstbefragung im Dienste ästhetischer und historischer Wahrhaftigkeit, ein platonischer Dialog, den der Autor mit sich selbst führt.

Leseprobe beim Perlentaucher

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.10.2006

Als "dritte große Autorenbiografie" neben Günter Grass und Joachim Fest stuft Rezensentin Iris Radisch diese autobiografische Selbstbefragung Imre Kertesz' ein. Doch neben Kertesz' "ungläubiger, untriumphaler und unkostümierter Sprache" sehen Grass' und Fests Bücher für sie "wie herausgeputzte Jubiläumsschriften" aus. Radisch findet Kertesz' Autobiografie vor allem deswegen so "großartig und tief berührend", weil sie die herkömmliche Biografie-Frage "Wie wurde ich, was ich bin?" weder stelle, geschweige denn beantworte. Stattdessen schildere der Nobelpreisträger in diesem, als Frage- und Antwortspiel verfassten Text das Leben als Geschichte "einer existenziellen Vereinsamung" zwischen "Ohnmacht, Ausgeliefertsein und Absurdität". Doch statt "klagemauerartiger" Düsterheit entdeckt die beeindruckte Rezensentin auf der "atemberaubenden" Kehrseite dieses Diskurses die "Freiheit des eigenen Gedankens" und das "Glück an einer einzigartigen" Existenz. Und darin liegt für sie das Wunder dieses Buches, dessen Autor "den Bankrott des letzten Jahrhunderts" aus ihrer Sicht so radikal denken und beschreiben kann, wie kaum jemand: in der Erkenntnis, dass nur in der Schonungslosigkeit des Blicks und einem ungeschützt gelebten Leben wahre Freiheit zu finden ist.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2006

Das Buch empfiehlt Franziska Augstein all denjenigen, die "Fiasko" oder der "Roman eines Schicksallosen" berührt haben. Anhand der ausgebreiteten Vita von Imre Kertesz zu sehen, wie hier das Zusammendenken von Zufall und Notwendigkeit funktioniert, wie das Mystische sinnstiftend und lebensbejahend wirken kann, hat ihr imponiert. Ebenso wie die Form des Bandes. Als Pflichtlektüre für Journalisten sähe Augstein das Buch gerne. Weil es zeigt, "wie man ein Interview führt". Zwar handelt es sich um ein Selbstinterview, doch fördert es Empfinden zutage und "klärt konkrete Fragen" zu diesem Schriftsteller und seinem Werk.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Wie dieses "akribisch durchkomponierte" Buch zu lesen ist, hat Andreas Kilb dem Vorwort entnommen: Folgend den Brüchen, wechselnd zwischen Fiktion und Realität, Leben und Werk, Ich und Nicht-Ich von Imre Kertesz. Kilb hat den Bogen raus, erkennt, "wie raffiniert" das miteinander verschlungen ist und ein Ganzes ergibt und eine Antwort auf die Frage nach der Wahrhaftigkeit und dem Weltgehalt von Literatur. Indem Kilb den ganzen Kertesz erkennt, erkennt er auch dessen Bestreben, sich "als Subjekt der eigenen Geschichte zu bestimmen". Mutter und Vater des Schriftstellers erlangen vor den Augen des Rezensenten ebenso Kontur wie ein exemplarisches jüdisches Schicksal im 20. Jahrhundert. Das "reißt mit" und "verstört", meint Kilb, der hier Sätze gefunden hat, die er nur mit Diamanten vergleichen kann.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.10.2006

Mit seiner "unerbittlich klugen Autobiografie" hat Imre Kertesz Rezensentin Ina Hartwig außerordentlich beeindruckt. Sie hat "Dossier K" einerseits als Einführung ins Kertesz' Werk und andererseits als Resümee seines Lebens gelesen. Ausgesprochen "erkenntnisfördernd" findet es die Rezensentin, die "Dossier K." den Aufmacher der FR-Buchmessenbeilage widmet, dass dieses ungewöhnliche Erinnerungsbuch fast zeitgleich mit den Memoiren von Günter Grass und Joachim Fest erschienen ist. Kertesz habe jedoch eine unübliche Form, nämlich die eines Frage-und-Antwort-Spiels gewählt. Sein Gegenüber sei ein wesentlich jüngerer Mann, ein Christ außerdem. Die Form weckt in der Rezensentin Assoziationen an Platonische Dialoge, stalinistische Verhöre und vor allem Kafkas "Prozess". So ist das Buch aus ihrer Sicht auch der Versuch, Werk und Leben, Fiktion und Wirklichkeit einander anzunähern. Die Rezensentin bewundert im Übrigen Kerteszs "glasklaren Hochmut", der ihn sich sogar mit Theodor W. Adorno anlegen lässt und seiner These biografische Nahrung gibt, dass "jede einmalige Geschichte Kitsch" und der Mensch an sich schicksallos sei.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Die für Imre Kertesz charakteristische "scharfe Logik" findet Christoph Schröder auch in seinem "Dossier K." wieder. Kertesz' Text sei im "Grenzgebiet von Erfindung und Selbstauskunft" angesiedelt, gleichzeitig eine Autobiografie und ein "Labyrinth aus Selbstverweisen, intertextuellen Anspielungen und Fiktion", das dem Autor auch als Schutz dient, wenn er sich zu eindeutig festlegen muss, berichtet der Rezensent. Die dialogische Gestalt des Textes verdankt sich der Tatsache, dass es auf Gesprächen des Autors mit seinem Verleger basiert. Dabei sei der Text trotz seines bisweilen sogar "recht launigen Tonfalls" keine leichte Lektüre, denn Kertesz' Kernfrage sei die nach der Möglichkeit und der Notwendigkeit des Weiterlebens nach der Erfahrung des Holocaust, stellt Schröder fest. Wenn er auch einige "Eitelkeiten" im Text aufspürt, schätzt er Kertesz' "Ermittlung in eigener Sache" doch auch wegen ihrer spannenden und spannungsvollen Einblicke in die Poetologie des Autors.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.10.2006

All jenen Kritikern und Verächtern von penetrantem Moralismus, denen die inszenierte Selbsthäutung eines deutschen Literaturnobelpreisträgers nicht besonders schmeckte, hält Andreas Breitenstein mit Imre Kertesz' Lebensdossier das Gegenbeispiel gelungener Lebenserzählung entgegen, den Beweis, wie ganz anders die Vermittlung einer wechselhaft-erschütternden Biografie aufgefasst werden und gelingen kann. Kertesz, der als Jude und Auschwitz-Überlebender schlimmste existenzielle Erfahrungen durchleiden musste, in der kommunistischen Diktatur Ungarns eine dunkle und gleichzeitig produktive Zeit erlebte, begegnet den Abgründen seines Lebens im distanzierenden Stil eines unbedingten Selbstverhörs mit seinem Alter Ego, die Breitenstein ihrer Form nach an platonische Dialoge erinnern. In bewunderswert gnadenloser Selbstbefragung knöpft Kertesz sich sein Lebensschicksal vor, mit zweifelnder Ironie dringt er zum tiefernsten Kern der Existenz vor und hat so ein Buch geschrieben, das für den Rezensenten "die Größe menschlicher Niederlage atmet".

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Imre Kertesz

Imre Kertesz, geboren 1929 in Budapest, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Sein autobiografischer "Roman eines Schicksallosen", den er Anfang der 70er Jahre abgeschlossen hatte, wurde ... mehr lesen

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