Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Bernhard Robben. Das Schlimmste am Heiraten ist die Hochzeitsnacht. Zumindest für Edward und Florence, 1962 im prüden England. Begierde und Befangenheit, Anziehung und Angst sind miteinander im Widerstreit in der Hochzeitssuite mit Blick aufs Meer. Die Nacht verändert das Schicksal der Liebenden für immer.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.08.2007
Rezensent Georg Dietz findet diesen Roman ziemlich leb- und lustlos, was ihn umso mehr erstaunt und enttäuscht, da es sich um einen vor der sexuellen Revolution spielenden Sexroman handelt, wie er schreibt. Hinter dem Scheitern des Autors vermutet der Rezensent eine ins Ungleichgewicht geratene Verschränkung von Literatur und Zeitdiagnose. Auch erhole sich der Roman von seinem ersten, lauen und lehrerhaften Satz nicht mehr. Es gehe um ein Paar, das 1962 heiratet, und unerfahren in die Ehe geht, die dann natürlich zerbricht. Und zwar auch am unerlösten Eros. Dazwischen aber packt Ian McEwan zu Dietz' Gram noch ein ganzes Zeitpanorama plus lähmender Beziehungsvorgeschichte zwischen Anti-Atom-Veranstaltungen und Rock'n'Roll. Deshalb sind die Figuren dann für ihn bald mit soviel "soziologischem Ballast" beschwert, dass das Intime, Stille und Verdruckste, das ihn an manchen Stellen durchaus beeindrucken kann, erstickt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.07.2007
Am Ende ist Rezensent Lothar Müller doch etwas enttäuscht - und dass, obwohl Ian McEwans neuer Roman so verheißungsvoll begann. Müller stört einfach, dass die Erzählung überfrachtet ist, mit Hinweisen auf ein von der eigentlichen Geschichte "abgetrenntes Geheimnis" - und dass, was damit im Zusammenhang steht, der familiäre Hintergrund seiner Protagonistin nur "stereotyp" geschildert wird. Diesen Verweis auf ein Geheimnis bräuchte es Müllers Meinung nach nicht wirklich, denn die Geschichte - eine "Novelle über eine missglückte Hochzeitsnacht" -, trägt auch so. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, das McEwan sich darauf versteht, "Details", die alles verändern können, mit "anatomischer Präzision" in Szene zu setzen. Aber etwas kann der Rezensent vorbehaltlos loben: Bernhard Robbens Übersetzung ist "gewohnt souverän".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.07.2007
Ein "beklemmendes Kabinettstück" sieht Rezensentin Christine Pries in Ian McEwans Roman über eine Hochzeitsnacht, die zum totalen Desaster wird. Den Autor schätzt sie schon lang wegen seiner meisterhaften psychologischen Darstellung. Doch in "Am Strand" hat er sich in dieser Hinsicht noch einmal selbst übertroffen: Für Pries ist dieser Roman "reine Psychologie". Sie staunt über die Souveränität, mit der McEwan in die Seelen seiner beiden Protagonisten Edward und Florence eindringt, deren aufrichtige Liebe zueinander an ihrer Unfähigkeit, über Geschlechtliches zu sprechen, zu Grunde geht. Die Schilderung von Scham, Schuld und Wut empfindet sie als höchst eindringlich und schmerzlich, als "peinigend bis zur letzten Seite". Pries kann es nicht anders sagen: McEwan hat ein "perfektes Buch" geschrieben. Allerdings scheint ihr paradoxerweise gerade in dieser Perfektion auch der wunde Punkt des Werks zu liegen. Denn in seiner Hermetik wirkt es auf sie trotz der starken Emotionen fast "kalt", ja "aseptisch". Eigentlich wirkt das Buch auf sie weniger wie ein Roman denn als eine "sozio-psychologische Charakterstudie". Schließlich rückt sie das Buch - allem psychologischen Realismus zum Trotz - in die Nähe der "L'art pour l'art", insofern sie sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass McEwans "zugegeben artistisches" Handwerk das Sujet erdrücke.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.07.2007
Ein Gefühl der Beklommenheit hat Ian McEwans Roman über das Scheitern einer jungen Liebe bei Rezensent Hubert Spiegel hinterlassen. Hohe Anerkennung zollt er dem Autor, hat er doch einiges gewagt: die minuziöse Beschreibung einer Hochzeitsnacht, die in einer persönlichen Katastrophe für die beiden sich verfehlenden Liebenden Florence und Edward mündet, und ihrer an Zufällen, Missverständnissen und Debakeln reichen Vorgeschichte. Der Versuch scheint Spiegel vollauf gelungen. McEwans äußerst präzise und kühle Darstellung von Scham, Verlangen, Schuldgefühlen und Ekel und der großen Not des im Käfig ihrer Zeit und ihrer Erziehung gefangenen jungen Ehepaars, nicht miteinander über das Geschlechtliche reden und es benennen zu können, scheint ihm ebenso berührend wie "gnadenlos". Dabei vermeide der Autor schlüssige Erklärungen. Dass Florences Ekel vor der Sexualität mit einem Missbrauch durch ihren Vater zu tun haben könnte, bleibe etwa eine Andeutung. Spiegels Resümee: eine "geniale Tragödie der Verkennung", von Bernhard Robben "klar, hart und einfühlsam" ins Deutsche übersetzt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.07.2007
Rezensentin Margret Fetzer zeigt sich sehr angetan von Ian McEwans neuem Roman, in dem sich Sex vor allem als sehr schwierig erweist und bisweilen heikle bis traumatische Folgen für die Beteiligten hat - selbst wenn kein Missbrauch im Spiel ist. Insofern stört sich Fetzer auch daran, dass McEwan bei der Tragödie, die sich hier in einer Hochzeitsnacht abspielt, zum Ende hin doch eine so gelagerte Vorgeschichte angedeutet. Doch alles in allem findet die Rezensentin den Roman in fünf Kapiteln "überzeugend" und sie ist sehr zufrieden damit, dass sich der Autor über weite Strecken dem Erklären und Psychologisieren verweigert: die "wahre Größe dieses Romans" besteht ihrer Meinung nach "in der Entschiedenheit, mit der er sich weigert, eine befriedigende Antwort zu geben".
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