Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Ulrike Draesner. Mit 74 Jahren, ein Jahr vor ihrem Tod, wird der Dichterin Hilda Doolittle eine große Ehre zuteil: als erste Frau wird sie von der American Academy of Arts and Letters ausgezeichnet. H.D., wie sie von Ezra Pound, dem Gefährten ihrer Jugend und Verehrer ihrer frühen Dichtung, genannt wurde, eine Kennerin der antiken Literatur und der Psychoanalyse durch Sitzungen mit Sigmund Freud, eine Pionierin in der Erkundung von männlichen und weiblichen Genderrollen und Teil der Londoner Boheme, fährt zur Preisverleihung - und begegnet dort der letzten Liebe ihres Lebens, einem dreissig Jahre jüngeren Mann. Die Gedichte von "Hermetic Definition" legen von dieser Begegnung Zeugnis ab, sie setzen die Liebe als Zwiegespräch der Poesie in Gang. Die posthum veröffentlichte Gedichtsammlung steht wie keine zweite für H.D.s lebenslange Suche nach der Komplementarität von Literatur und Leben, Mythologie und Poesie, Lust und Liebe.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.05.2007
Hilda Doolittle habe ein bewegtes Leben geführt, erinnert Rezensent Tobias Lehmkuhl an ihre Freundschaft mit Ezra Pound oder die Therapie bei Sigmund Freud, doch nichts käme dem gleich, was in ihrem letzten Gedichtband in "kugelblitzartige" Strophen gefasst sei. Mit 74 Jahren habe die Dame sich nämlich in einen jungen Mann verliebt und sich keinerlei Zwang angetan, nicht in der Leidenschaft und nicht in den Versen. Dem Leser, versichert uns der Rezensent, "rauschen" dabei die Ohren. Auch dank einer wunderbaren Übertragung durch Ulrike Draesner, die die "urtümliche und brüchige Kraft" der Helga Doolittle darzustellen verstanden habe. Schon der deutsche Titel "Heimliche Deutung", verneigt sich der Rezensent, sei kongenial gewählt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.02.2007
Hilda Doolittle war mehr als nur eine "eigenwillige Begleitdame" der literarischen Moderne oder die Protagonistin des Imagismus, zu der sie ihre ersten Gedichte machte, stellt Jan Wagner anhand der Neuübersetzung von Doolittles letztem lyrischen Werk fest. Ulrike Draesner hat in den Augen des Rezensenten gut gearbeitet, und nicht nur eine Übersetzung, sondern eine "einfühlsame Nachdichtung" vorgelegt, die im Großen und Ganzen angenehm nah am Text bleibt. An Doolittles poetischer Verarbeitung der letzten Liebe ihres Lebens fallen Wagner vor allem die mannigfaltigen Bezüge auf die griechische und ägyptische Mythologie, auf Kabbala, Tarot und Psychoanalyse sowie Astrologie und Numerologie auf. Ausgeglichen werden diese Verankerungen in der Geistesgeschichte aber immer wieder durch Verse von "treffsicherer Einfachheit" über das Alter oder die eigene Unsicherheit, so der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.02.2007
Entgegen die herkömmliche Häppchentaktik bei der Konsumierung von Gedichten, empfiehlt Jürgen Brocan, den Band in einem Zug durchzulesen. Der musikalischen Struktur wiederkehrender Motive bei Hilda Doolittle sowie ihrer "geschmeidigen" Übertragung findet Brocan diese Lektüremethode angemessen. Dass dem Leser bei dieser Hast die schöne Ausstattung ("schlichte Eleganz") entgehen könnte, die "kühne Zusammenschau" von antiken Mythen, Alchemie und christlicher Bildlichkeit oder die Zitierfreude, die sprachliche Klarheit und die Komplexität der Texte, die Brocan so preist - diese Befürchtung scheint der Rezensent nicht zu hegen.
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