Vorwort von Karl-Markus Gauß. Neuauflage des seit seiner Erstauflage 1936 nicht wieder erschienenen Geschichtenbuches der wohl bedeutendsten unter den vergessenen österreichischen Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts, die Insidern heute vor allem noch als Exponentin des sozialistisch-aufklärerischen Unterhaltungsromanes und als Übersetzerin ein Begriff ist. "Fahrt ins Licht" sammelt 66 Erzählungen, die wie geschaffen dafür sind, unterschätzt zu werden. Die Geschichten spielen in der Wiener Vorstadt oder an der Riviera, sie handeln von Arbeiterinnen, die sich aus dem Elend herausarbeiten möchten, und von Gräfinnen, die um ihr Leben betrogen werden, von italienischen Köchen und amerikanischen Zeitungsmillionären, von Verzweifelten, die aus der Nacht ihrer Ängste ins Irrenhaus entfliehen, und von wahren Irren, die mitsamt ihrer gräßlichen Normalität ein reputierliches Leben in der guten Gesellschaft führen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2000
Diese Texte gehören dem "vergessenen Genre der Kalendergeschichte" an. Das Interesse der Rezensentin Christiane Zintzen entflammt vor allem an der Person der weitgehend unbekannten Autorin. Die gebürtige Österreicherin und Aristokratentochter Herminya zur Mühlen (1883-1951) sei ihr Leben lang konsequent "vom Konventionellen" abgewichen. Zintzen referiert stakkatoartig die Stationen der Antifaschistin und Rebellin: lebte und schrieb in Frankfurt, Berlin und Wien; wurde von den Nazis verfolgt, wanderte nach England aus. Den Figuren in diesem Erzählband sei eins gemeinsam, diagnostiziert Zintzen: das Leiden am "Antagonismus von Individuum und Gesellschaft".
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