Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Helga Kurzchalia

Im Halbschlaf

Roman

Cover: Im Halbschlaf

Rotbuch Verlag, Hamburg 2000
ISBN-10 3434530452
ISBN-13 9783434530459
Gebunden, 170 Seiten, 16,36 EUR

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Klappentext

So lange sie sich zurückerinnern kann, hat es sie stets an einen anderen Ort gezogen, in ein anderes Land. Zu lange hatte die Erzählerin in der DDR ein Gefühl von Nichtdazugehörigkeit, von Nichtverankertsein. Angesichts der Übermächtigkeit der Vergangenheit und den Einschränkungen der Gegenwart scheint sie wie im Halbschlaf gefangen. Als sie mit ihrem Mann in die Sowjetunion zieht, um der DDR-Enge zu entfliehen, bemerkt sie, welch große Kraft es sie gekostet hat, immer und überall diesen Abstand zu wahren. Sie beschreibt, wie durch die Ausbürgerung von Wolf Biermann und die Reaktionen ihrer Freunde darauf ihr Leben in Berlin wieder näherrückt. Am Ende, zurückgekehrt nach Berlin, erlebt sie eine noch bedrückendere Enge, die fast zur Erstarrung führt. In der Klinik betreut sie ein Kind, das - ähnlich wie sie - abgekapselt in seiner eigenen Welt lebt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.01.2001

So richtig packen lässt sich Rezensent Krischan Schroth nicht von Helga Kurzchalia Roman über die DDR der 1970er Jahre. Ein bisschen wie aus dem Psychologiebuch wirken die Bilder und Kontraste, derer sie sich bedient, die Stagnation und Eintönigkeit, die sie evozieren, meint er. Das allein stört ihn aber nicht, vielmehr reibt er sich daran, dass dem Roman eine klare Struktur fehlt: "das gibt dem Text etwas Schwimmendes." Dieses Gefühl "in einer Zeitblase der siebziger Jahre zu stecken", werde nur dann aufgehoben, wenn man die Gegenwart der ehemaligen DDR in den Beschreibungen spüre und Assoziationen knüpfen könne, z.B. wenn es um DDR-Neubaugebiete gehe. Trotz seiner Distanz bezeichnet Schroth den Roman als "interessanten Zwischenbericht", der neugierig darauf mache, was für Helga Kurzchalia nach der Wende kam, ob sie in der Bundesrepublik `heimisch` geworden sei.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.11.2000

In Sachen DDR und Vergangenheitsbewältigung sind wir schon in der Ära der schenkelklopfenden Sprüche angekommen, meint Susanne Messmer und vermutet, dass es darum das Büchlein (ein Debüt) der 52jährigen Autorin schwer haben könnte. Ein "altmodisches Buch" nennt sie den Roman, der einfach nichts Auffälliges, Spektakuläres an sich habe. Auch die Periode, die sich Kurzchalia vorgeknöpft habe, die Zeit nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns, sei absolut unzeitgemäß, schreibt Messmer. Aber wie Kurzchalia diese Phase beschreibt, hat für Messmer etwas Besonderes: Sie beschreibt sie nämlich aus der Sicht eines weiblichen Oblomow, der seine Zeit in der Bauakademie verdämmert. Infolge der Ausweisung ergreife auch andere Personen im Land die Depression, aber die Protagonistin habe am Ende so viel Energie, dass sie beginnt, in der Psychiatrie zu arbeiten. Ihr erster Fall sei dort, sagt Messmer, ein Mädchen, das mit offenen Augen schlafe. Für Messmer trotz mancher Manierismen ein wunderschönes Buch, das die Stimmung jener fast vergessenen Jahre beeindruckend einfängt.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren