Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Helene Lenoir
Ihr Mädchenname
Klappentext
Aus dem Französischen von Renate Nentwich. Als sich ihre Augen zum erstenmal begegneten, fuhr der Autobus gerade ab. Als sie sich zwanzig Jahre später zufällig wiedersehen, wird sie unvermittelt zurückversetzt in die Zeit, in der sie noch ihren Mädchennamen trug. Britt Casella führt als Ehefrau eines angesehenen Unternehmers und als Mutter von drei Kindern ein nach außen hin ordentliches, sogar verwöhntes Leben. Doch ihre fast demütige Zurückhaltung, die unmissverständlich zur Schau gestellte Herzlichkeit des Familienclans wecken ein sich steigerndes Unbehagen, verweisen auf Abgründe, auf eine Gefahr. Es braucht dann nur einen winzigen Anstoß ? das Wiedersehen eines vergessenen fremden Mannes, der sie eindringlich nach ihrem Namen fragt, jenem Namen, den sie als Mädchen trug. Die Frage wirkt, als hätte ihre eigene innere Stimme sie gestellt, bis sie Bild um Bild das junge Mädchen vor sich hat, das sie damals war. Und so ersteht wieder jener wortlose Moment seltsamer Intensität wie damals, als sie sich vor langer Zeit zum erstenmal begegnet sind.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2001
Die Rezensentin Sandra Kerschbaumer feiert die "erzähltechnische" Meisterschaft von Hélène Lenoir, die zudem von einer kongenialen Übersetzerin unterstützt werde. Begeistert zeigt sich die Rezensentin von der souveränen Beherrschung von direkter und erlebter Rede, die zu ständigen Perspektivwechseln führt. Während der Plot - eine "psychoanalytisch gut begründete" Krise der weiblichen Protagonistin am Tag der Firmung des Sohnes - zunächst nach Aussage der Rezensentin den Anschein "nach längst verblichenem Bilderbuchpatriachat" erwecken könnte, so gelinge es der Autorin eben durch die "Kunst der Darstellung", die scheinbar eindeutigen Fronten immer wieder zu verwischen. Bei einer derartigen Lobeshymne ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die beeindruckte Rezensentin am Ende das Feld räumt und die Rezension mit einem Zitat aus dem Roman schließt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 18.11.2000
Trotz einer Handlung "wie aus einem Groschenroman" lobt Pamela Jahn die "Liebes- und Befreiungsgeschichte" der mittlerweile in Deutschland lebenden französischen Schriftstellerin Hélène Lenoir. Der Roman über eine Frau der gehobenen französischen Gesellschaft, die aus dem goldenen Käfig der Familie ihres Mannes ausbricht, sei "geschliffen und mit Schwindel erregendem Wortschatz" geschrieben, so das Urteil der Rezensentin. In dem "sparsamen Roman", dem im dritten Kapitel sogar der Schluss fehle, habe die Autorin die Kunst des Weglassens perfektioniert. Die Rezensentin findet es "zu eindimensional", die Qualität des Buches nur an der Handlung zu messen. Es sei vor allem die "sprachliche Raffinesse, deren Modernität besticht", die das Buch zu einer äußerst intimen und spannenden Lektüre mache.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2000
Eine souverän geschriebene `Bovary-Variation` hat Marion Löhndorf hierin gefunden. Die Erzählung hat einiges Verschlungene an sich - zwei fast gleiche, stumme Verführungsszenen mit einem Zeugen, den die Verführte später wiedertrifft - aber in der Hauptsache geht es um `die minuziöse Abbildung des äußeren Lebens` einer Frau `im goldenen Käfig` einer mittelständischen Ehe. Die `erstaunlichsten Figuren`, schreibt Löhndorf, sind die beiden fast erwachsenen Kinder der Frau; die Autorin beschreibt die `Kluft` zwischen ihnen und der Mutter, zeigt die `gegenseitig zugefügten Verletzungen und Enttäuschungen`. Am Ende trifft die Frau den Zeugen ihrer Verführungen wieder, der als Deus ex machina, in bürgerlichem Beruf Fotograf, sie zu einer `zaghaft Emanzipierten` macht, denn diesmal will die an Affären durchaus Gewöhnte sich `nicht mehr festlegen`. `Elegisch und witzig zugleich`, urteilt die Rezensentin.
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