Bücherschau der Woche
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Klappentext
Kaum eine Persönlichkeit des Mittelalters stößt bis auf den heutigen Tag auf derart gro0es Interesse wie Jeanne d`Arc (1411-1431). Wer war sie, welche Ziele verfolgte sie, und welche Widerstände hatte sie zu überwinden? Heinz Thomas rekonstruiert das Leben einer kämpferischen Frau, die zum Nationalheiligtum Frankreichs geworden ist - und entwirft ein großangelegtes Bild des frühen 15. Jahrhunderts.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.04.2001
Rolf-Bernhard Essig hat lange warten müssen auf so ein Buch. Oft, erklärt er, habe man den Weg dieser Frau beschrieben (Essig denkt dabei vor allem ans Kino), doch niemals so fern von Einseitigkeit, Verzerrung, Indienstnahme und platter Aktualisierung wie hier. Es ist die Balance von historischer Erzählung und quellenkritischer Geschichtsschreibung, die gründliche Revision von Quellen und Thesen der Forschung, die dem Rezensenten so wohltut, der "feine Strich" dieser Arbeit. Wer das Phänomen der Jungfrau wirklich verstehen wolle, meint Essig, der sei mit diesem Buch und seiner quicklebendigen, entmythisierten und schlagfertigen Johanna gut versorgt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.01.2001
Morton Kansteiner hält Heinz Thomas für einen erfahrenen Historiker. Aber dessen Biografie über Jeanne d` Arc findet er nicht besonders gelungen. Sehr detailreich habe Thomas viele Quellen ausgewertet und eine ganze Reihe präziser Informationen über die Jungfrau und ihre Zeitgenossen zusammengetragen. Der Rezensent kann aber bei aller Liebe zum Detail das Ziel dieser Bemühungen nicht erkennen. Schade, meint Kansteiner, denn so sei Thomas` Biografie eine "trockene Ereignisgeschichte", die ihn schnell ermüdet habe.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2000
Das Buch sieht der "add" gekürzelte Rezensent schon als Pflichtlektüre für alle Johanna-Begeisterten. Dabei dürften die von ihm aufgezählten Vorzüge wohl doch vor allem die wissenschaftliche Gemeinde in Verzückung versetzen: Wer, wie der Autor des Bandes, "akribisch" die politischen Verhältnisse Frankreichs in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts referiert, Quellen und Thesen der Sekundärliteratur diskutiert, besondere Sorgfalt auf das Literaturverzeichnis und ein Personenregister legt und gar "die Vor- und Nachteile der Technik der englischen Bogner erläutert", der baut gewiss auf fachwissenschaftliches Interesse.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.12.2000
Das Mädel lässt deutsche Historiker nicht los. Nachdem Gerd Krummeich vor einigen Jahren ein auch in Frankreich erfolgreiches Buch über ihr Nachleben geschrieben hat, das der Rezensent merkwürdigerweise nicht erwähnt, legt nun der Bonner Historiker Heinz Thomas eine dicke Untersuchung vor. Hans Pleschinski mosert erst etwas über das minuziöse Auflisten von "Vorstößen, Winkelzügen der Kriegsgegner", erkennt aber dann darin die Qualität, wenn es um Jeanne d`Arc selbst geht: Stand sie selbst im Kampf oder nicht? Hat sie am Ende ihren inneren Stimmen abgeschworen oder nicht? Und fesselnd wird die Akribie für Pleschinski angesichts des Prozesses: Immerhin sind 70 Anklagepunkte im Spiel. Die Richter wussten schon: Jetzt geht der Mythos los.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Johanna-Biografie oder quellenkritische Studie zu Leben und Wirken der Jungfrau von Orléans? Ginge es nach Heribert Müller, hätte das Buch wohl einen wissenschaftlicheren Titel getragen - einfach um Missverständnissen vorzubeugen. Denn all die psychologisch fundierten Untersuchungen zum Geisteszustand der Jeanne d`Arc, die der Autor anstellt, seine "scharfsinnige Quelleninterpretation" und "faktenbefrachtete und genealogieverliebte Pedanterie" wollen sich in den Augen des Rezensenten zu keiner geschlossenen Biografie fügen. So aber bleibt das Lesevergnügen auf der Strecke und dem Autor der Trost, den Fragen der Jeanne-d`Arc-Forschung "eine Fülle neuer und oft verblüffend unkonventioneller Lösungsangebote" geliefert zu haben.
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