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Heinz Barüske
Hans Christian Andersen in Berlin
Klappentext
Hans Christian Andersen, der große Märchendichter, besuchte die preußische Hauptstadt nur sieben Mal im Lauf der Jahrzehnte. Aber diese Besuche waren von besonderer Bedeutung und begründeten seinen Weltruhm. Durch die Publikation seiner Gedichte und einer Rezension von A. von Chamisso wurde Andersen erstmals außerhalb Dänemarks bekannt. In Berlin traf er berühmte Zeitgenossen, wie L. Tieck, die Brüder Grimm und König Friedrich Wilhelm IV. Heinz Barüske, ausgewiesener Dänemark- Kenner und Autor von mehr als dreißig Publikationen geht in seinem Buch ? übrigens das erste mit dieser Thematik im deutschen Sprachraum ? nicht nur Andersens Spuren in Berlin nach, sondern zeigt auch eine kleine deutsch-dänische Kulturgeschichte auf.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2000
In einer Sammelrezension bespricht Hanns Grössel die folgenden vier Bücher von und über Hans Christian Andersen: "Ja, ich bin ein seltsames Wesen, Tagebücher von Hans Christian Andersen", hrsg. von Gisela Perlet, "Märchen, Geschichten, Briefe von H.C.Andersen" hrsg. von Johan de Mylius ,"Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz" von H.C.Andersen, "Hans Christian Andersen in Berlin" von Heinz Barüske.
1) H.C. Andersen: "Ja, ich bin ein seltsames Wesen". Tagebücher.
Sehr ausführlich beschäftigt sich der Rezensent in seinem ausführlichen Aufsatz mit dem Tagebuchschreiber und Autobiografen H.C.Andersen, mit der Mischung aus "Selbstausstellung und Selbstverhüllung", die ihn auszeichnete. Der Schwerpunkt dieser von G. Perlet besorgten Auswahl liegt auf den Reisetagebüchern, und das, so der Rezensent, entspricht der Bedeutung des Reisens für den dänischen Schriftsteller. Immerhin neun Jahre hat er zusammengerechnet auf Reisen außerhalb seines Landes verbracht, und was ihm in der Fremde begegnete, hat ihn zu genauem Hinsehen erzogen. Auch sein "Innenleben" hat Andersen "mit hypochondrischer Wachsamkeit" beobachtet, notiert Grössel, vor allem Stimmungsschwankungen, Träume und Zustände der "Brunst" sind in seinen Tagebüchern penibel verzeichnet. In Sachen Sexualität scheint sich zu bestätigen, was allgemein vermutet wird: dass Andersen latent homosexuell war und weder mit Frauen noch mit Männern je schlief. Andersens Tagebuch ist kein Arbeitsjournal, nach Diskussionen literarischer Projekte sucht man also vergebens, schreibt Grössel, "doch werden die Eckpunkte des Rahmens, in dem sein Schreiben sich bewegt, deutlich erkennbar."
2) "Märchen, Geschichten, Briefe von Hans Christian Andersen".
Durch seine Auswahl hat der Leiter des H.C.Andersen-Centrums der Universität Odense den Schriftsteller als einen präsentiert, dessen "Werk in der dänischen Literatur die Brücke zwischen Romantik und Moderne" schlägt, zitiert Grössel den Herausgeber. Andersen war tatsächlich ständig an Neuerungen interessiert, reiste 1840 das erste Mal mit der Eisenbahn und besuchte die Pariser Weltausstellung. Sein jugendlich romantisches Eintreten für eine "vernünftige Freiheit" streicht er in späteren Werkausgaben, wie Mylius bemerkt, und sah darauf, dass er seiner Karriere nicht schadete. Mit welchem besonderen Gewinn die ausgewählten Märchen und Geschichten gerade dieser Ausgabe vielleicht gelesen werden könnten, darüber gibt der Rezensent leider keine Auskunft.
3) H. C. Andersen: "Reise von Leipzig nach Dresden und in die Sächsische Schweiz"
"Deutschland war das Ziel seiner ersten Auslandsreise", schreibt Grössel, und in erster Linie war dies ein kühl kalkulierter Schritt, sich nämlich mit namhaften deutschen Schriftstellern und Verlegern bekannt zu machen. Auf die Weise kam er auch nach Dresden, wo er Ludwig Tieck besuchte. Seine Reisebeschreibung, die ursprünglich u.a. auch Schilderungen aus dem Harz enthielt, sind hier in "kastrierter" Form vorgelegt; in einem Akt der Selbstzensur strich Andersen kritische Passagen, die in der dänischen Erstausgabe noch vorhanden waren, schreibt Grössel. Die Kenntnis darüber, welche Art von Reflexionen und Schilderungen in diesem Text enthalten sind, setzt der Rezensent gewissermaßen voraus.
4) Heinz Barüske: "Hans Christian Andersen in Berlin"
Der Autor hat die erste Reise H.C. Andersens nach Berlin, auf der er Adelbert von Chamisso besuchte, sowie auch spätere Aufenthalte in der Stadt hier nachgezeichnet, schreibt Grössel. Viel mehr erfährt der Leser nicht über die Besuche des dänischen Märchendichters in Berlin - auch nicht, ob der Autor sich auf spannende Weise oder eher akademisch-trocken seiner Aufgabe entledigt hat. Grössel betont vor allem den Aspekt der Karriere: da Chamisso, der Dänisch konnte, einige Texte von Andersen nach dessen Besuch schnell übersetzt und publiziert hat, trug Andersens Besuch in Berlin ganz entschieden zum Beginn seiner Weltkarriere bei.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2000
Heinrich Detering bespricht zwei Bücher, die Ort und Zeit miteinander gemeinsam haben, das Berlin der 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nämlich, und die Tatsache, dass jeweils die Berlinerfahrungen von zwei bedeutenden dänischen Autoren im Mittelpunkt stehen: "Berliner Tagebücher" von Sören Kierkegaard und "Hans Christian Andersen in Berlin" von Heinz Barüske.
1) Sören Kierkegaard: "Berliner Tagebücher"
Detering setzt uns zunächst in eine Vorlesung Schellings im Semester 1841/42 und lässt uns dort unter den Zuhörern auch die Humboldt-Brüder, Ranke, Friedrich Engels, Savigny, Lassalle, Jakob Burckhardt, Bakunin und schließlich den jungen Kierkegaard entdecken. Dann lässt der Rezensent uns Kierkegaards Gedanken lesen, sofern dieser sie in seinen Tagebüchern aufgeschrieben hat. "Was in seinen Berliner Tagebüchern heranwächst", meint Detering, ergebe "nicht weniger als die Grundlage" für Kierkegaards Werk. Von der "Außenwelt der Stadt" allerdings dringe kaum etwas in Kierkegaards Aufzeichnungen. Ein Lob für den Herausgeber, der die Tagebücher aus den hinterlassenen Papieren des "Dichterphilosophen" "rekonstruiert, glänzend neu übersetzt und so kompetent wie knapp erläutert" hat.
2) Heinz Barüske: " Hans Christian Andersen in Berlin"
Auf der Straße Unter den Linden lässt Heinrich Detering uns dann Hans Christian Andersen begegnen. Deutlich spürt man das Bedauern des Rezensenten, diesen Dichter durch die Brille Heinz Barüskes betrachten zu müssen. Dessen Darstellung eines Andersen-Aufenthalts in Berlin findet er zwar "materialreich". Mehr Gutes hat er nicht zu sagen. Berlin habe Andersen nicht inspiriert, weshalb Barüske seinem Bericht "anreichern" musste. Nun handelt mehr als ein Drittel des Buches von anderem als von "Andersen in Berlin". Außerdem unterbreche nach jedem halbwegs geeigneten Stichwort ein "Exkurs" den Lesefluß. Nicht nur in der "Anlage", auch im Detail wirke das Buch "unredigiert".
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