Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Kein anderer deutscher Schriftsteller hat die deutsche Nachkriegsliteratur so geprägt wie Heinrich Böll, und niemand wird auf der ganzen Welt aus der deutschen Literatur so rückhaltlos verstanden und geliebt wie dieser Autor. Die Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Böll im Jahre 1972 war auch eine Anerkennung für die Unbestechlichkeit und Integrität, mit der der Kölner aus seiner konsequenten Zeitgenossenschaft heraus die Beschädigungen und Hoffnungen der kleinen Leute in seinem Werk erkundete und gegen Macht, Anmaßung und verschleppte Schuld anschrieb.Der Kritiker Heinrich Vormweg, in Bölls letztem Jahrzehnt auch enger Freund des Autors, zeichnet in seiner einfühlsamen Biografie den Weg dieses Schriftstellers nach, analysiert seine Prägungen und seine Haltung, lenkt immer wieder den Blick auf die Werke und Bölls literarischen Werdegang und kommt so zu einem genauen und prägnanten Bild dieses Autors aus einer katholischen Handwerkerfamilie aus dem Rheinland, der zu Weltruhm gelangte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.01.2001
Ein gelungenes "Stück kultureller Archäologie der Bonner Republik" ist diese Biografie über Heinrich Böll, findet Michael Rutschky. Das Werk des Schriftsteller werde von Heinrich Vormweg Vormweg dabei stärker beachtet als Bölls persönliche Lebensgeschichte. Auch Rutschky wirft in seiner Besprechung des Buches einen sehr persönlichen Blick auf seine Beziehung zu Bölls Werken, z.B. auf die Probleme, die er mit "Die verlorenen Ehre der Katharina Blum" hat. Für ihn wirft Vormwegs Buch einen interessanten Blick darauf, inwieweit Bölls Romane (und die politische Situation in der Bonner Republik, an der sie sich abarbeiteten) "ein katholisches Unterfangen" waren. Gleichzeitig liefere der Autor die Beschreibung einer Zeit, in der die "BRD-Intelligentsia" noch nicht über Tugenden wie "Skepsis, Ironie und Eleganz" verfügte. Die Art und Weise, wie Vormweg das Thema aufbereitet, gefällt Rutschky außerordentlich gut: "Mit Liebe und Bewunderung rekonstruiert er das umfangreiche Werk entlang der Lebensdaten; und die Traurigkeit, die den Text hinterfängt, gibt dem Buch dem richtigen Drive".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Dies ist die erste umfassende Böll-Biografie, lesen wir bei Andreas Rossmann. Ein nur wenige Monate nach Bölls Tod 1986 erschienenes anderes Buch beurteilt er als wenig treffsicheren Schnellschuss. Aber auch dies Vierhundert-Seiten-Werk - "in Anlage und Tenor ein Auftragswerk" - hat nicht durchgehend Rossmanns Zustimmung gefunden. Zwar hält er Vormweg für die Biografen-Rolle prädestiniert. Böll selbst hätte ihn testamentarisch zum Nachlaßverwalter eingesetzt, weshalb Vormweg nach Rossmanns Einschätzung wohl der Einzige ist, der "unbeschränkten Zugriff auf den Nachlass haben dürfte". Trotzdem sei die Biografenarbeit schließlich zur "Arbeit am Denkmal" geworden, bedauert der Kritiker, zur Heroisierung des "Heiligen Heinrich". Bis in die 60er Jahre bekommt Vormweg noch einigermaßen gute Noten. In der Rezensentensprache klingt das dann so: "Farbig skizziert Vormweg", "verständnissvoll erklärt er", "eindringlich schildert er" , "bewegend beschreibt er". Aber dann geht es mit den Redundanzen los, mit Wiederholungen und kleinen Unschärfen. Das Bild trübt sich, und auch die Laune des Rezensenten. Der versteht nämlich nicht, wieso der Biograf uneingeschränkt jedes Böll-Buch verteidigen muss und sogar Böll-Texte gegen ein Böll-Bild in Schutz nimmt, die nie erschienen sind. Überhaupt erregt es den Rezensenten sehr, dass Vormweg sich lange mit Nachlass-Erzählungen aus den 30er Jahren "aufhält", die er selbst nicht lesen und das Urteil überprüfen kann. Auch vermisst er privatere Blicke auf den Menschen Böll. Am Ende, findet Rossmann, ist in der Beschreibung der Mensch Böll hinter seinem Werk ganz verschwunden. Und das Werk irgendwie hinter dem Denkmal.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2000
Der Zweck dieser Biografie Heinrich Bölls durch seinen Freund Heinrich Vormweg ist es weniger, einen anschaulichen Lebensbericht oder genaue Chronologie zu geben als, so zititert Heribert Hoven den Autor, "das Werk des Autors... für die Zukunft zu retten". Denn anders als viele, durchaus früh einsetzende Kritikerstimmen, ist Vormweg überzeugt von der literarischen Qualität der Böllschen Literatur. So vollzieht er am Frühwerk des damals schon Fünfzigjährigen nach, mit welchen Themen und Formexperimenten er aufwartete und sich bis zum Schluss jeder Festlegung entzog: als Nobelpreisträger setzte er sich ein für die "Gegengewalt" und schrieb gegen Ende ein ganz und gar "rätselhaftes" Werk ("Frauen vor Flusslandschaften"), das Vormweg als weit in die Gegenwart hineinragendes großes Spätwerk lobt. Selbst wer Vormweg nicht in allem folgen mag, meint Hoven, kann nachvollziehen, dass "Bölls Tod eine Lücke hinterlassen hat".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.08.2000
Gisa Funck geht in der ersten Hälfte ihrer Rezension zunächst auf die geplante Gesamtausgabe von Bölls Werken ein, nicht ohne dabei auf die Querelen zwischen Bölls Nachfahren mit der Wuppertaler Forschungsgruppe hinzuweisen, die seinerzeit "viel zur Belustigung des Feuilletons" beigetragen haben. Nun, inzwischen hat man sich zusammengerauft, und in der vorliegenden Biografie sieht Funck "quasi einen Auftakt" zu der neuen Edition. Allerdings zeigt sich die Rezensentin von der Biografie spürbar enttäuscht. Sie bemängelt, dass Vormweg als Böll-Vertrauter nicht den nötigen Abstand zu seinem Freund zeigt und die Biografie daher starke hagiografische Züge trage. Vormweg ist es ihrer Ansicht nach nicht gelungen, das problematische Bild von Böll in der Öffentlichkeit (guter Mensch, aber als Schriftsteller zweitrangig) von Klischees zu befreien. Dafür erfährt man, wie sie etwas genervt anmerkt, sehr viel über den Biografen selbst: Wie er zur Literatur gekommen ist, wie er aufgewachsen ist und sogar, dass seine Kinder in Bölls Garten Äpfel gepflückt haben. Alles überflüssig, meint Funck, die das Buch darüber hinaus bisweilen etwas kitschig findet.
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