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Hartwig Schultz
Schwarzer Schmetterling
Zwanzig Kapitel aus dem Leben des romantischen Dichters Clemens Brentano
Klappentext
Mit seinem neuen Buch Schwarzer Schmetterling legt der Romantikforscher Hartwig Schultz die erste moderne Biografie des romantischen Dichtergenies Clemens Brentaro vor und schließt damit eine große Lücke in der Biografieschreibung. In zwanzig Kapiteln entwirft Schultz ein neues Bild eines der begabtesten und zugleich rätselhaftesten Künstler der deutschen Literatur.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.01.2001
Hanno Helbling hält die Biografie von Hartwig Schultz für einen echten Glücksgriff. Schultz neigt zum Understatement, wenn er im Untertitel ankündigt, lediglich über zwanzig Kapitel im Leben des Romantikers Clemens Brentano zu erzählen, meint der Rezensent. Mit souveräner Sorgfalt und sicherer Akzentuierung habe der Biograf eine gleichmäßig fortschreitende Erzählung geschrieben, die authentische Zeugnisse und Quellen über das Leben des Dichters stets kritisch interpretiere. Und das sei bei Brentano gar nicht so einfach, denn gerade die Beschäftigung mit den Romantikern erfordere es, glaubhafte Informationen und mythomanischen Klatsch voneinander zu trennen. Eine Aufgabe für einen Meister der Quellenkritik, meint der Rezensent, und Hartwig Schutz habe diese Aufgabe bewältigt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.01.2001
Kaum zu glauben, so Klaus Harpprecht, dass die letzte größere Biografie zu Joseph von Eichendorff achtzig Jahre zurückliegt und im Fall Clemens Brentanos überhaupt nur einmal eine einzige vollständige Darstellung seiner Lebensgeschichte erschienen ist - und das im Jahr 1877. Höchste Zeit also, findet der Rezensent, für neue Biografien dieser romantischen Dichter, deren Temperament höchst unterschiedlich war. Gefallen haben Harpprecht beide Lebensdarstellungen, den Vorzug allerdings räumt er der sprachlich brillanteren Brentano-Studie von Hartwig Schultz ein, der anders als sein Kollege Schiwy geschickter und ausgesuchter die Fülle des Materials zu bewältigen wusste. Aber auch Schiwy habe ein "großartiges Panoramabild" jener Epoche ausgebreitet.
1) Günther Schiwy: "Eichendorff"
Dieser Dichter gibt trotz romantisch-dichterischer Ader wenig spektakulären Stoff für eine Biografie ab, befindet Harpprecht. Erstens hat er für diese schreib- und brieffreudige Epoche relativ wenige private Briefe hinterlassen - so wurde beispielsweise die gesamte Korrespondenz mit seiner Braut von der Familie aus dem Verkehr gezogen, berichtet der Rezensent. Zweitens hat er den finanziellen Ruin seiner feudalen Familie damit aufgefangen, dass er selbst ein biederes Beamtenleben führte. Dennoch sei Eichendorff kein politischer Biedermann gewesen, meint Harpprecht nach Lektüre des Schiwy-Buches, er nennt ihn einen "aufgeklärten Konservativen", dem Deutschtümelei fremd war, der aber auch zum Demokraten "nicht taugte". Besondere Erwähnung findet bei Harpprecht die Volkstümlichkeit der Eichendorffschen Dichtungen, wozu seiner Meinung nach auch die Vertonungen der Texte durch Mendelssohn und Schumann beigetragen haben. Ein Punkt, dem der Biograf nach Maßgabe Harpprechts zuwenig Aufmerksamkeit gewidmet hat.
2) Hartwig Schultz: "Schwarzer Schmetterling"
Brentano war in vielem das glatte Gegenteil seines Zeitgenossen Eichendorff, schreibt Harpprecht; er war ein Hitz- und Wirrkopf, der von einem Liebestaumel in den nächsten geriet und seine Umgebung stets mitzog. Vor allem aber hatte er Geld, er musste nicht arbeiten, sondern konnte sich seinen Brieffreundschaften, Liebeshändeln und schriftstellerischen Arbeiten uneingeschränkt widmen. Harpprecht verweist darauf, dass Schultz ein Phänomen herausarbeitet, dass bei vielen und vor allem den romantischen Dichtern zu beobachten war: dass sie sich entweder mit älteren reiferen Frauen umgaben oder mit Kindfrauen wie Auguste Bussmann, die Brentanos zweite Frau wurde. Welche Schlussfolgerung Schultz daraus zieht, teilt Harpprecht leider nicht mit. Stattdessen hat er bei Schultz erfahren, dass Brentano seine Liebsten in Varianten der gleichen Briefe umschwärmte. Brentano war übrigens der Urheber der Loreley-Geschichte, erfährt man weiter. Auch Brentano suchte des Volkes Stimme, die sich bei ihm jedoch nie so populär erhob wie bei Eichendorff. Dafür aber, so schreibt Harpprecht, wiesen Brentanos andere Dichtungen "mit ihrer kühnen Expressivität" weit in die Moderne voraus.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.11.2000
Der Untertitel des Buches, meint Rezensent Hermann Kurzke, sei ein ironisches Understatement, denn es handele sich nicht um "eine Episodensammlung, sondern um eine ausgewachsene Biografie". Und die hat es dem Rezensenten sichtlich angetan. Das Buch sei nicht "chronologisch heruntererzählt", sondern "als kunstvolle Abfolge verschieden fokussierter Porträts komponiert", die sich allmählich zu einem Gesamtbild verdichteten. Der Rezensent bescheinigt dem Autor eine große Sachkenntnis, bewundert die Diskretion gegenüber den Dichtungen und stellt fest, dass aus den "erstmals richtig gelesenen Quellen" ein tief bewegendes Buch über "einen der unglücklichsten Menschen seiner Zeit" entstanden sei. Auch die schwierigste Klippe jeder Brentano-Biographie, seine radikale Wende zum Katholizismus, wird gemeistert, das heißt "schlüssig in das gezeichnete Bild" eingefügt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2000
Die Rezensentin Caroline Pross macht zunächst darauf aufmerksam, dass es keine dankbare Aufgabe ist, eine Biografie des romantischen Autors zu schreiben. Zu sehr habe er zur Selbstinszenierung geneigt, sich schon zu Lebzeiten zum "Gesamtkunstwerk" stilisiert und scheinbar Tiefempfundenes seriell produziert. Pross vermerkt anerkennend, dass Schultz, Herausgeber der historisch-kritischen Brentano-Ausgabe, sich um ein "sachliches und unparteiisches Bild" bemüht. Er lasse das Material weitgehend unkommentiert, verzichte auf Spekulationen und habe gerade keine "klassische Biografie" intendiert. Letztendlich geht Schultz der Rezensentin aber zu weit mit seiner Zurückhaltung: "ein Mehr an eigener Regie" hätte nicht geschadet, meint sie.
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