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Hartmut Böhme, Peter Matussek, Lothar Müller
Orientierung Kulturwissenschaft
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2001
Nicht erst beim Inhalt beginnt der Streit um die sich in den letzten Jahren immer stärker institutionalisierenden Kulturwissenschaft(en). Bereits im grammatischen Numerus des Begriffs stecken unterschiedliche Konzepte. Für eher harmlos erklärt Uwe Justus Wenzel in seiner Parallelrezension zweier neuer Bände zum Thema die Anhänger des Plural, ihnen geht es, meint er, um "einen Denkhabitus der Offenheit, Elastizität und Lebensweltnähe" ohne revolutionäre Absichten.
1) Böhme, Matussek, Müller "Orientierung Kulturwissenschaft"
Die Vertreter des Kulturwissenschafts-Singulars - eine "kleine und radikale Minderheit" - hingegen wollen, wenigstens, "mehr": Was genau dieses "mehr" ist, hat Wenzel in der "Orientierung Kulturwissenschaft", die bei allem Singular gleich mit drei Autoren daherkommt, dann aber nicht erfahren. Vorgeführt wird, ganz im Gegenteil, das "überaus heterogene Spektrum" der unter dem Dach der Kulturwissenschaft zusammengeführten Disziplinen, Theorien und Methoden. Der nebulöse Hinweis auf ein fächerverbindend vorausgesetztes "historisches Apriori" hilft da jedenfalls, so wenigstens Wenzel, kein bisschen weiter.
2) Kittler "Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft"
Bei Friedrich Kittler dagegen verdankt sich der Singular- und da mischen sich beim Rezensenten Bewunderung und Vorwurf - dem Mut zum Reduktionismus. Hinein tue Kittler in die Kulturwissenschaft einen Kanon von Vico über Hegel und Heidegger bis Turing, mische alles mit ironischen und sarkastischen Randglossen auf - und heraus komme immer wieder kittlertypische Reduktion der Kultur auf Medientechnologie. Gerade der späte Heidegger, der die Technik zum Signum (oder eher: zur Determinationsmacht) unserer Zeit erklärt, kommt da zum Beispiel mehr als gelegen. Eher am Rande weist der Rezensent übrigens darauf hin, dass es ihm nicht um eine Würdigung der von Kittler entworfenen Kulturgeschichte geht, sondern nur um seine Stellungnahme zur Kulturwissenschaft.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.02.2000
Dass es "Kulturwissenschaften" gibt, wusste der Rezensent Jörg Lau ja schon, aber ob es auch eine Kulturwissenschaft im Singular gibt - das ist ihm auch nach der Lektüre des Bandes nicht klar geworden. Und so begrüßt er, dass auch die Autoren des Bandes in dieser Frage eher skeptisch bleiben, obwohl sie als Dozenten des Fachs an sich ein Interesse haben müssten, seine Existenz zu beweisen. Weniger gefällt Lau allerdings, wie in dem Band bestimmte Größen der Geistesgeschichte - er nennt Freud und Lacan - zu bloßen Stichwortgebern der Kulturwissenschaft degradiert würden.
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