Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hartmut Böhme, Peter Matussek, Lothar Müller

Orientierung Kulturwissenschaft

Cover: Orientierung Kulturwissenschaft

Rowohlt Verlag, Reinbek 2000
ISBN-10 3499556081
ISBN-13 9783499556081
Taschenbuch, 272 Seiten, 9,66 EUR

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.05.2001

Nicht erst beim Inhalt beginnt der Streit um die sich in den letzten Jahren immer stärker institutionalisierenden Kulturwissenschaft(en). Bereits im grammatischen Numerus des Begriffs stecken unterschiedliche Konzepte. Für eher harmlos erklärt Uwe Justus Wenzel in seiner Parallelrezension zweier neuer Bände zum Thema die Anhänger des Plural, ihnen geht es, meint er, um "einen Denkhabitus der Offenheit, Elastizität und Lebensweltnähe" ohne revolutionäre Absichten.
1) Böhme, Matussek, Müller "Orientierung Kulturwissenschaft"
Die Vertreter des Kulturwissenschafts-Singulars - eine "kleine und radikale Minderheit" - hingegen wollen, wenigstens, "mehr": Was genau dieses "mehr" ist, hat Wenzel in der "Orientierung Kulturwissenschaft", die bei allem Singular gleich mit drei Autoren daherkommt, dann aber nicht erfahren. Vorgeführt wird, ganz im Gegenteil, das "überaus heterogene Spektrum" der unter dem Dach der Kulturwissenschaft zusammengeführten Disziplinen, Theorien und Methoden. Der nebulöse Hinweis auf ein fächerverbindend vorausgesetztes "historisches Apriori" hilft da jedenfalls, so wenigstens Wenzel, kein bisschen weiter.
2) Kittler "Eine Kulturgeschichte der Kulturwissenschaft"
Bei Friedrich Kittler dagegen verdankt sich der Singular- und da mischen sich beim Rezensenten Bewunderung und Vorwurf - dem Mut zum Reduktionismus. Hinein tue Kittler in die Kulturwissenschaft einen Kanon von Vico über Hegel und Heidegger bis Turing, mische alles mit ironischen und sarkastischen Randglossen auf - und heraus komme immer wieder kittlertypische Reduktion der Kultur auf Medientechnologie. Gerade der späte Heidegger, der die Technik zum Signum (oder eher: zur Determinationsmacht) unserer Zeit erklärt, kommt da zum Beispiel mehr als gelegen. Eher am Rande weist der Rezensent übrigens darauf hin, dass es ihm nicht um eine Würdigung der von Kittler entworfenen Kulturgeschichte geht, sondern nur um seine Stellungnahme zur Kulturwissenschaft.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 24.02.2000

Dass es "Kulturwissenschaften" gibt, wusste der Rezensent Jörg Lau ja schon, aber ob es auch eine Kulturwissenschaft im Singular gibt - das ist ihm auch nach der Lektüre des Bandes nicht klar geworden. Und so begrüßt er, dass auch die Autoren des Bandes in dieser Frage eher skeptisch bleiben, obwohl sie als Dozenten des Fachs an sich ein Interesse haben müssten, seine Existenz zu beweisen. Weniger gefällt Lau allerdings, wie in dem Band bestimmte Größen der Geistesgeschichte - er nennt Freud und Lacan - zu bloßen Stichwortgebern der Kulturwissenschaft degradiert würden.

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Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren