Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Niederländischen übersetzt von Gregor Seferens. Als die holländische Aufführung von Rainer Werner Fassbinders Skandalstück Der Müll, die Stadt und der Tod vorbereitet wurde, gehörte der Schauspieler Althans zu den leidenschaftlichsten Warnern vor einem neuen Antisemitismus, er, der seine Familie im Konzentrationslager verloren und als Pflegekind überlebt hat. Da bekommt Althans einen Drohbrief; er wird entführt und in Belgien wieder gefunden, verletzt, aber lebend. Seine Warnungen waren offenbar berechtigt. Doch dann entsteht ein neuer Verdacht: Hat Althans selber alles fingiert, Brief und Entführung? Harry Mulisch erzählt eine verstörende Geschichte, die zwischen Wahrheit und Lüge, Betrug und Selbstbetrug oszilliert.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.03.2001
In Harry Mulischs neuem, nicht einmal hundert Seiten umfassenden Prosatext geht es darum, wie Antisemitismus ein Leben zerstört, erklärt Roland H. Wiegenstein. Er charakterisiert den Text als eine Versuchsanordnung. Hier werde von zwei verschiedenen Personen über den Tod eines Menschen berichtet, nicht über denselben, wie sich herausstellt. Dass beide Berichterstatter sich in der Theaterbranche bewegen und sich für den Fall als Stoff interessieren, hält der Rezensent für kein unwesentliches Detail in Mulischs ironisch gebrochener Erzählkonstruktion. Der Text habe nämlich eine reale dramatische Vorlage, Fassbinders Stück "Der Müll, die Stadt und der Tod" mit seiner Figur des "reichen Juden", das 1987 zu erbitterten Auseinandersetzungen geführt hatte. Mit Mulischs Text geht Wiegenstein hart ins Gericht. Den zweiten Teil bezeichnet er als "traurige Farce", die beiden Erzähler als "schlechte Zeugen, Autoren auf der Suche nach einem Scoop". Die im Titel versprochene Wahrheit schlägt gnadenlos zurück, findet Wiegenstein, und Mulisch, bedauert er, hält sich aus allen neu entstandenen Debatten heraus.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.11.2000
Dorothea Dieckmann sieht in dem Text das "poetologische Credo" des niederländischen Autors und nennt es eine "literarische Parabel", die das Verhältnis von Kunst und Wahrheit thematisiert. Die in diesem Prosatext geschilderte Geschichte, die sich an eine realen Begebenheit anlehnt, werde in zwei Versionen reflektiert, indem sie von zwei Schriftstellern nacherzählt wird, bemerkt die Rezensentin, die den Text als eine "geniale Probe aufs Exempel" preist. Der Autor unternehme es, Wirklichkeit und Fiktion als voneinander durchdrungen und als nicht trennbar darzustellen, so die Rezensentin, die von der philosophischen Tiefe des Buches beeindruckt ist. Sie vermutet, dass "naiven Genusslesern" wohl schwindlig werden würde bei der "Fülle von Spiegellungen und Perspektiven" und empfiehlt gerade deshalb diesen Text als "pädagogische Schullektüre".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.11.2000
Auf Martin Krumbholz wirkt Mulischs Versuchsanordnung schlicht überkonstruiert. Fassbinders Stück "Die Stadt, der Müll und der Tod", das auch in den Niederlanden für einen Skandal, wenn auch anderer Art, sorgte, bietet den Ausgangspunkt von Mulischs Gedankenspiel, das, so Krumbholz, um das Thema der Authentizität kreist. Zweimal gibt es einen fingierten antisemitischen Brief, zweimal bringt sich jemand um, zweimal geht es eher um Legitimation als um Wahrheit, schreibt Krumbholz, also: "den möglichst großen Anschein von Authentizität". Darüber lässt sich laut Krumbholz vortrefflich philosophieren, aber zu einem Lesevergnügen gerät das Buch nicht, dem es für den Rezensenten schlicht an Plausibilität fehlt. Auch die vom Autor vorsorglich eingebauten Distanzierungsmittel findet Krumbholz eher verwirrend, so dass er letztlich den Autor ins "unverbindlich-spekulative Räsonnement" zurückfallen sieht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.10.2000
Ein philosophisches Buch, das auf einem politischen Skandal gründet, den Hermann Wallmann seiner Besprechung vorausschickend erläutert: Vor der niederländischen Uraufführung von Fassbinders "Der Müll, die Stadt und der Tod" hatte ein Schauspieler aus Protest fingierte antisemitische Briefe verschickt und sogar seine eigene Entführung vorgetäuscht. Mulisch erzählt die sogenannte Croiset-Affäre in zwei Varianten, führt Wallmann weiter aus, wobei es ihm nicht um die Rekonstruktion des Geschehenen gehe, sondern um die grundsätzlichere Frage nach den "Schwierigkeiten (und Möglichkeiten) beim Schreiben der Wahrheit". Variante A gibt einen echten antisemitischen Brief als Fiktion aus, Variante B fingiert einen solchen, um Ängsten einen realen Grund zu geben, resümiert Wallmann: In beiden Fällen habe der Autor Schriftsteller zu Protagonisten seiner Versuchsanordnung gemacht, die auf verschiedene Weise im Berichten der subjektiven Wahrheit verfahren. Was, wovon, worüber, wie sie berichten - das lässt sich als großangelegtes philosophisches Gedankenspiel ebenso wie als Ehestudie verstehen, so der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2000
"Kristallklare Eleganz" bescheinigt Alexander Honold der literarischen Konstruktion, die Harry Mulisch ersann, um einen authentischen Fall in seiner ganzen Vieldeutigkeit widerzuspiegeln. In komplizierter Verschachtelung, die der Rezensent vergeblich nachzuzeichnen versucht, werde da der Fall eines Schauspielers geschildert, der im Entsetzen über Fassbinders Stück "Die Stadt, der Müll und der Tod" Drohbriefe selbst verfasste und seine eigene Entführung simulierte. Damit wollte er der Öffentlichkeit beweisen, dass ein neuer Antisemitismus grassierte. Mulisch zerlege die Geschichte in zwei widerstreitende, von verschiedenen Figuren seiner Erzählung vertretene Versionen, die sich aber zugleich ergänzten und zusammengenommen die Frage stellten, wie dieser Fall zu verstehen ist: Erträumt sich einer die Opferposition oder nimmt er nur etwas voraus, das bereits existiert? Das Buch sei beides, meint Honold: "ein Glanzstück essayistischer Gelegenheitsprosa und zugleich ein klassisches Meisterwerk."
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Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
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12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen







