Bücherschau der Woche
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Harry G. Frankfurt
Über die Wahrheit
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Martin Pfeiffer. Harry G. Frankfurt hat ein leidenschaftliches Manifest geschrieben, das der Wahrheit zu ihrem Recht verhilft. Denn die Wahrheit verflüchtigt sich im alltäglichen Geschwätz; Werbung, Politik und Medien arbeiten ganz bewußt daran, die Grenze zwischen wahr und falsch zu verwischen. Aber wer sich von der Möglichkeit, Wahres von Falschem zu unterscheiden, verabschiedet, verliert auch die Fähigkeit zur Erkenntnis, die Perspektive vernünftigen Handelns und am Ende die Grundlage allen Zusammenlebens. Frankfurt argumentiert klar und konzentriert - ein entschiedenes Plädoyer für die Wahrheit.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.06.2007
Die Wahrheit hat ein bisschen mehr verdient als dieses 96-seitige Bändchen, das für die Rezensentin Susanne Schmetkamp schon zu Ende ist, bevor es richtig begonnen hat. In dem Stündchen davor wurden ihr in einem Parforceritt die Wahrheitstheorien der vergangenen Jahrtausende um die Ohren gehauen, dass Schmetkamp sich wie eine Schneekugel fühlt, "die zu kräftig geschüttelt wurde". Neu sei das Ganze ohnehin nicht, und die Knappheit scheint der Originalität der Ausführungen nicht gerade zuträglich zu sein. Eine regelrechte Antiklimax erlebt Schmetkamp dann am Schluss mit dem zitierten Shakespeare-Sonett zur Lüge. War das alles? Offenbar ja.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2007
Ein klärendes Addendum zu seinem Buch "Bullshit" habe Harry G. Frankfurt hier vor- beziehungsweise nachgelegt. Denn dort, erklärt uns Rezensent Uwe Justus Wenzel, habe der Philosoph analytischer Ausrichtung die Frage vernachlässigt, warum es für unsere Gesellschaften nützlich oder wünschenswert sei, nicht nur "Bullshit" zu produzieren, sondern an "Wahrheit" festzuhalten. Mit dem Verweis auf die Nützlichkeit von Wahrheitskriterien in der Welt der Technik mahne der Autor solche Unterscheidungen auch für zwischenmenschliche Beziehungen an. Werturteile mögen zwar relativ sein, nicht aber die Fakten, auf die sie sich stützen. Kurz, ohne das Kriterium Wahrheit sei kein menschliches Vertrauen möglich. Wahrheit, referiert der Rezensent Harry G. Frankfurts Kampf gegenüber postmodernem Denken, sei auch im zwischenmenschlichen Bereich nötig, um nicht "verrückt" zu werden. Nur, wenn beide Seiten Täuschung offen als Spiel inszenierten, und wie in Shakespeares Komödien vorzugsweise aus Liebe, dann sei alles erlaubt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.03.2007
Harry G. Frankfurt fährt schwere Geschütze gegen die Wahrheitsverächter auf, Christine Pries schießt ebenso entschlossen zurück. Den Werbespruch des Verlags, "Zuerst war Bullshit, jetzt kommt die Wahrheit", will sie lieber umgekehrt gelesen wissen. Denn Frankfurt lasse in seinem Nachfolgeband zu eben jenem "On Bullshit" nicht nur jegliche Selbstbeschränkung vermissen, sondern auch begriffliche Genauigkeit. Und so ist sich Pries zu ihrem Leidwesen nie sicher, welche der vielen Wahrheitsbegriffe Frankfurt denn nun gerade verteidigt. Schließlich gebe es einen Unterschied zwischen einfachen physikalischen Zusammenhängen wie der Nässe des Regens und der Wahrheit, die in einem Kunstwerk steckt. Frankfurt scheint alles über einen Kamm zu kehren, was für die Rezensentin "einigermaßen erstaunlich" ist.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.03.2007
Harry G. Frankfurts Streitschrift über den Wert und die Wichtigkeit der Wahrheit hat Rezensent Manfred Geier keineswegs überzeugt. Zwar bekundet er Sympathie für jedes engagierte Plädoyer für die Wahrheit. Auch Frankfurts Rückgriff auf unsere allgemein anerkanntes Alltagsverständnis von wahr und falsch scheint ihm legitim. Aber er hält dem Autor vor, sich es sich letztlich doch ein wenig zu einfach zu machen. Besonders Frankfurts im Namen der Alltagsvernunft geführten hämischen Tiraden gegen die Philosophie der Postmoderne, die er der Zerstörung der Wahrheit verdächtigt, begegnet Geier mit großer Skepsis, zumal die Postmodernisten als Karikaturen erscheinen. Er hat bei dem ganzen Büchlein ohnehin den Eindruck, Frankfurt habe nach "Bullshit" nachlegen und einen weiteren Bestseller schreiben wollen. Der Wahrheit sei damit nicht gedient.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2007
Harry G. Frankfurt habe den richtigen Geschmack, wenn es um das Thema Wahrheit gehe, leider aber nicht das richtige Erkenntniswerkzeug. Rezensent Christian Geyer lässt Gnade vor Recht ergehen und hält das ganze Buch wegen des Kapitels über Shakespeare für gerechtfertigt und eine lohnende Investition. Das 138. Sonett werde hier vom Autor zitiert, in dem es um die Liebe und gewissermaßen kosmetische Lügen in beiderseitigem Einverständnis geht. Einfach himmlisch, sowohl das Zitat als auch die liebevolle Kommentierung durch den Autor. Dann allerdings endet für den Rezensenten das Vergnügen mit den restlichen 8 Kapiteln, in denen Harry G. Franfurt seine eigene Sicht auf die Wahrheit im allgemeinen und die Postmoderne im Besonderen entfaltet. Mit "ideologischem Gepolter" ziehe der Autor hier gegen die von ihm verhassten postmodernen Wahrheitspostulate zu Felde, ohne deren Erkenntnisniveau in dem wichtigen Punkt zu erreichen, dass Wahrheit ohne "Sichtweisen" nicht zu haben sei. Also bewege sich der Autor in "Zirkeln", aus denen er sich zuletzt mit dem Verweis auf die Objektivität von Architekturplänen zu retten versuche. Das aber sei "Wahrheitsklempnerei", aus Sicht des Rezensenten, "im luftleeren Raum".
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