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Harry Collins, Trevor Pinch
Der Golem der Technologie
Wie unsere Wissenschaft die Wirklichkeit konstruiert
Klappentext
Schwierigkeiten bei technologischen Entwicklungen entstehen immer dann, wenn Menschen involviert sind, vor allem, wenn diese Vorteile erzielen wollen oder einen Ruf zu verlieren haben. Ganz verschiedene Beispiele weisen dieses Muster auf: So geht es um die Rolle der Patriot-Raketen während des Golfkriegs, um die Challenger-Katastrophe oder um Tests mit Kernbrennstoffbehältern und gelierendem Kerosin. Erneut ist es das Anliegen von Collins und Pinch, eine Brücke zwischen den beiden Kulturen der Naturwissenschaft und der Sozial- und Geisteswissenschaften zu schlagen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2000
Michael Hampe schreibt in seiner Doppelbesprechung der beiden nun auf deutsch vorliegenden Bücher des Autorenteams Collins/Pinch, daß sie zwar philosophisch kaum etwas grundsätzlich Neues zum Wissenschafts- und Technikverständnis beitragen würden, aber zu Recht aufgrund der vielen detaillierten Fallstudien gelobt und so ein kritisches und produktives Verhältnis zur Naturwissenschaft fördern würden.
1) "Der Golem der Technologie"
Die experimentelle Praxis ist nie eindeutig, und so läßt sich erstaunlicherweise bis heute nicht sagen, schreibt Michael Hampe in seiner Besprechung des zweiten Golem-Bandes von Collins/ Pinch, ob die Patriot-Raketen im Golfkrieg Husseins Scud-Raketen erfolgreich abgefangen haben oder nicht. Das Buch von Collins/ Pinch gebe sich nicht "der Dekonstruktion unserer Wahrheiten hin, wie sie neuerdings in der Soziologie des Wissens so beliebt ist", schreibt der Rezensent, sondern fördere ein Wissenschafts- und Technikverständnis, das aus dem Teufelskreis Wissenschaftsverdammung oder Wissenschaftsgläubigkeit ausbrechen helfen soll. "Sichere Theorien machen keine sichere Technik, und erfolgreiche Technik belegt nicht die Gewissheit einer Theorie."
2) "Der Golem der Forschung"
Collins und Pinch sind Soziologen, die sich laut Michael Hampe des Golem-Mythos bedienen, "um dem gegenwärtigen Wissenschaftsverständnis mythische Vorstellungen auszutreiben". Sie rekonstruieren wissenschaftliche Entdeckungen und Irrtümer, analysieren das gesellschaftliche Umfeld der Wissenschaftler und kommen zu der Erkenntnis, daß der Erfolg einer wissenschaftlichen Erkenntnis nicht von der Methode allein abhängt. Mit anderen Worten, schreibt Hampe, sie muß von praktischer Relevanz sein. Die beiden Soziologen lieferten "minuziös genaue und wissenschaftshistorisch interessante Rekonstruktionen" naturwissenschaftlicher Erkennntnisprozesse zur Relativitätstheorie, der kalten Kernfusion oder dem Liebesleben der Rennechsen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.03.2000
Thomas Eckardt bespricht das Buch zusammen mit "Der Golem der Forschung" von den gleichen Autoren, ohne in seiner Rezension recht zwischen den beiden Büchern zu unterscheiden. Die These der Autoren, dass die Naturwissenschaft ein gesellschaftliches Konstrukt sei, will Eckardt nicht ganz einleuchten. "Ist es nicht ein Faktum, dass Sternenlicht durch die Sonne abgelenkt wird?", fragt der Rezensent und meldet Zweifel an einigen Fallbeispielen der Autoren an. Die Erkenntnis, dass wissenschaftliche Erkenntnis auch im politischen Gerangel und Intrigenspiel stattfindet, scheint ihm noch kein Argument gegen ihre Objektivität. Positiv erscheint ihm aber die von den Autoren berichtete Geschichte der AIDS-Aktivisten von "Act up", die durch ihre Protestaktion ein neues Verhältnis von Forschung und Patienten geschaffen hätten.
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