Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
In "Tristanakkord" geht es um die Musik und darum, wie ein junger Mann in die Fänge eines Komponisten gerät. Er folgt diesem nach Schottland, New York und Sizilien, wo er, von dem Klangkünstler angeheuert, um an der Niederschrift von dessen Memoiren mitzufeilen, von einer seltsamen Erfahrung in die andere taumelt. Georg Zimmer, der schüchterne Doktorand aus Berlin, muß am Ende eines andante furioso erkennen, dass Meistern, die vom Himmel fallen, zutiefst zu misstrauen ist.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.06.2000
Dirk Knipphals beginnt seine Besprechung zweier Bücher von Hans Ulrich Treichel mit der Feststellung, dass "sich unser kleiner, feiner Literaturbetrieb in eine alte und eine neue Schule aufteilt" und die Zuordnung zu einer dieser Schulen sich am "Koeppentest", der Einschätzung des Lebenswerkes des Schriftsteller Wolfgang Koeppen festmachen lässt. Treichel rechnet Knipphals eher der alten Schule zu, die ihre "literarischen Prägungen aus kunstgläubigeren Zeiten" bezieht - wenn auch nicht ohne Ambivalenzen.
1) "Über die Schrift hinaus"
Das macht Knipphals an dem Essay fest, in dem sich Treichel in seinem Band "Über die Schrift hinaus" mit eben diesem Wolfgang Koeppen beschäftigt: Er sei eine "dezente Liebeserklärung und ein Abschied zugleich". Als besonders gelungen betrachtet Knipphals in dem Band den Essay über Hans-Magnus Enzensberger, dem Treichel nachweise, dass sich in seiner Lyrik - anders als von Enzensberger selbst postuliert - ein doch erkennbares "Ich" des Autors versteckt. Die weiteren Essays des Bandes befassen sich mit Kafka und Walser und denen, die Knipphals als "die großen Uneindeutigen" bezeichnet: Ernst Jünger, Arno Schmidt, Peter Weiss und Botho Strauß.
2) "Tristanakkord"
Zu diesem Roman meint Knipphals, dass die Ebene, der Treichel in seinen Essays präzise nachspüre, "die nämlich, auf der sich die Spuren des Lebens in der Schrift wiederfinden", hier "gut versteckt" ist. An das Einfühlungsvermögen, das Treichel in seiner vorangegangenen Erzählung "Der Verlorene" an den Tag legte, könne er mit dieser Erzählung nicht anknüpfen, vielmehr attestiert Knipphals dem Roman eine "parodistische Konstruktion", die aber "wie alle guten Persiflagen [?] ihren Gegenstand sehr ernst nimmt". Gegenstand hier ist ein junger Doktorand, der die Memoiren eines Komponisten Korrektur lesen soll und sich damit auf ein schwieriges, sich auf andere Aufgaben ausdehnendes Unterfangen einlässt. Am Schluss des Projektes scheitert er. Das hier beschriebene Scheitern sieht Knipphals wiederum als Beleg für den Konflikt zwischen oben beschriebener alter und neuer Schule, zu deren Ausformungen Treichel ein ambivalentes Verhältnis hat, bei der die alte Schule aber dennoch - "mit Ironie abgefedert" - die Oberhand behält.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.04.2000
Andrea Köhler verwendet viel Zeit darauf, den Protagonisten von Treichels Roman "Tristanakkord" und seine Lebensumstände zu beschreiben. Ein unscheinbarer, schüchterner Mensch, vom Autor "nicht ohne Schadenfreude" beobachtet, wie er aus der provinziellen Enge in den weltläufigen Wirkungskreis eines berühmten und selbstverständlich eitlen Komponisten gerät. Köhler rückt Treichel in die Nähe Walsers, mit dem er das Stilmittel der Ironie gemeinsam hat. "Das Unterpfand der literarischen Ironie ist die Ambivalenz des Helden" schreibt Köhler, was wohl soviel heißt wie, daß er einem nicht besonders sympathisch ist. Aber komisch - im Sinne von lustig - findet sie ihn schon.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Erhard Oeser: Das Reich des Mahdi
Mit 33 Abbildungen. 1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen ...
Lukas Hartmann: Räuberleben
Geächtet, verteufelt, gejagt das ist das Schicksal des Räuberhauptmanns Hannikel und seiner Familie. Ein historischer ...
Archiv: Bücherschauen
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Goncalo M. Tavares: Die Versehrten
19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen
Laszlo Vegel: Sühne
12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen








