Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Hans Mommsen

Alternative zu Hitler

Studien zur Geschichte des deutschen Widerstandes

Cover: Alternative zu Hitler

C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN-10 3406459137
ISBN-13 9783406459139
Paperback, 419 Seiten, 8,90 EUR

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Klappentext

Der Widerstand gegen Hitler ist zentrales Thema der politischen wie wissenschaftlichen Debatten zur NS-Geschichte. Im vorliegenden Band zeigt der renommierte Zeithistoriker Hans Mommsen die Vielfalt der politischen Ziele dieses "anderen Deutschland" und entschlüsselt die Ideenwelt des "20. Juli" und des Kreisauer Kreises, der konservativen und sozialistischen, kirchlichen und militärischen Opposition. Er arbeitet ihr gemeinsames Bemühen um eine Alternative zu Hitler, um eine moralische Erneuerung von Politik und Gesellschaft heraus, ohne die verbreitete Ablehnung der Demokratie und teilweise unentschiedene Haltung zur Judenverfolgung zu übersehen. Der Widerstand wird nicht idealisiert, sondern als politische Bewegung aus den Bedingungen seiner Zeit erklärt.

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Alternative zu Hitler - Hans Mommsen bei C.H. Beck

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2000

Rainer Blasius bespricht zwei Bücher, die sich mit dem Widerstand gegen Hitler befassen: Hans Mommsens: "Alternative zu Hitler" und "NS-Verbrechen und der militärische Widerstand gegen Hitler", herausgegeben von G. R. Ueberschär.
Zunächst steckt der Rezensent das Feld ab, um das es hier geht, nämlich die Einbeziehung der Männer des militärischen Widerstands in die Vernichtungs- und Verbrechensaktionen der Wehrmacht vor allem der Heeresgruppe Mitte in Rußland. Den mit der historischen Untersuchung des Widerstands schon seit den sechziger Jahren befassten Hans Mommsen ist diese Fragestellung durchaus früh bewusst gewesen, aber er hat sie, wie er in der neu vorgelegten Aufsatzsammlung aus vier Jahrzehnten schreibt, damals als verfrüht ausgeklammert. Rainer Blasius beschreibt weiterhin in seiner Besprechung den Kontext, aus dem das Buch von Ueberschär entstanden ist. Anlässlich einer Ausladung Mommsens zur Eröffnung einer Ausstellung zum militärischen Widerstand 1998 in Frankfurt - stattdessen hielt Klaus von Dohnanyi die Eröffnungsrede in der Paulskirche - hatten viele Historiker nämlich ihrerseits auf eine Mitwirkung an einer Vortragsreihe verzichtet. Das Frankfurter Fritz-Bauer-Institut holte sie zu einem Symposion kurz danach in die Stadt und aus dieser Veranstaltung, plus einigen wichtigen zugehörigen Dokumenten, setzt sich der Ueberschär-Band zusammen.
Schlüsselfrage ist insgesamt das Verhalten einiger Angehöriger des militärischen Widerstand zu Judenvernichtung und Partisanenkampf im Osten. Es zeigt sich: einige, wie Generaloberst Blaskowitz und Major Hellmuth Stieff, waren eindeutig entsetzt, hassten SS und Polizei, schämten sich ihres Deutschseins. Ebenso gibt es auch "regimekonforme" Äußerungen, beispielsweise von Generaloberst Erich Hoepner. An einem der führenden Köpfe des Widerstands, Generalstabsoffizier Henning von Tresckow, schreibt Rainer Blasius, "scheiden sich die Geister von Wehrmachts- und Widerstandsexperten". Während die einen seine Aktivität in der Partisanenbekämpfung geißeln, sind andere, darunter Mommsen, durchaus voller Bewunderung für seine "Kaltblütigkeit" in der Planung des Staatsstreichs gegen Hitler. Unbeantwortet bleibt am Ende die Frage des Historikers Christian Streit, wie es "zu einer so weitgehenden Integration in die nationalsozialistische Ausrottungspolitik" der Hitler-Gegner kam. Am Ende seiner ausführlichen und mit interessanten Zitaten gespickten Besprechung schreibt Blasius, dass dieser Aspekt "weiter untersucht" und schließlich in eine "Gesamtdarstellung der Militäropposition" münden muss.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.05.2000

"Ein Standardwerk zum Thema, das kaum Wünsche offen lässt", ist dieser Band, wie Rolf Lamprecht resümiert. Der Leser erfahre hier nicht nur viel über Gruppierungen und Personen des Widerstands, sondern auch viel über die Hemmnisse und Skrupel, die damals eine Rolle gespielt haben. Als Beispiele führt er unter anderem das `Eid-Problem` auf, religiöse Vorbehalte (die Katholische Kirche erweist sich hinsichtlich des Tyrannenmords dabei - wie der Leser erfährt `flexibler` als die evangelische), aber auch die Nähe vieler Widerständler zu Hilters Außen- und Militärpolitik. Dabei wird auch - wie Lamprecht findet - mit so mancher "Glorifizierung" aufgeräumt. Denn Mommsen zeige, dass gerade im Umfeld des 20. Juli nicht das Ziel war, `die Wiedererstehung eines Vielparteiensystems` zu erreichen. Auch die `Judengesetze` sollten lediglich entschärft werden, Frauen vom passiven Wahlrecht ausgeschlossen sein. Eine äußerst aufschlussreiche Lektüre ist dieser Band, wie Lamprecht findet, die zwar "Zeit und Geduld" erfordere, sich aber keineswegs nur an Historiker richte.

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