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Aus dem Archiv
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Klappentext
Wer die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts ernst nimmt, kann schwerlich an die Fortschrittsmythen glauben, die in den liberalen und sozialistischen Traditionen des politischen Denkens die Erwartung eines kommenden Friedens begründen. Hans Joas geht es weder um eine pazifistische Moralisierung noch um eine "realpolitische" Entmoralisierung des Krieges. Seine Absicht ist es vielmehr, die Chancen und Dilemmata verschiedener sozialwissenschaftlicher Analysen von Krieg und Gewalt deutlich zu machen. Neben verschiedenen Friedenskonzeptionen aus Sozialphilosophie und Sozialwissenschaft stehen deshalb auch weitgehend vergessene "militaristische" Traditionen zur Debatte, etwa die Kriegsideologien der deutschen und französischen Soziologie während des Ersten Weltkriegs.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2000
Andreas Anter sieht in diesem Buch vor allem eine Abrechnung des Autors mit Teilen der politischen Linken, die in den letzten Jahren eine Tendenz zeigten, auch Krieg zu akzeptieren, sofern er der Durchsetzung von Werten (wie etwa den Menschenrechten) dient. Dabei lasse der Autor keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er selbst sich zu denjenigen rechnet, "die Kurs gehalten haben". So greift Joas, wie der Leser erfährt, den Soziologen Karl Otto Hondrich an, der die These vertritt, dass `einem Aggressor auch mit Gewalt entgegen zu treten sei`, auch wenn er, Hondrich, Krieg und Gewalt prinzipiell verabscheue. Joas sieht darin nicht nur `Ignoranz gegenüber der Friedensforschung`, sondern geht noch weiter, so Anter. Zu weit, für den Geschmack des Rezensenten, denn Joas stelle Hondrich mit "kriegsbegeisterten Professoren im Ersten Weltkrieg" auf eine Stufe, was Anter für deutlich verfehlt hält. Darüber hinaus moniert Anter, dass Max Weber in dieser Abhandlung überhaupt nicht auftaucht, dafür aber etwa Carl Schmitt oder Otto Hintze, "die ja kaum als Soziologen durchgehen können" und daher für Betrachtungen über die `militärische Tradition in der Soziologie` nicht unbedingt von Bedeutung sind.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 15.08.2000
Das Thema der Studien findet Rezensent Wolfram Wette hochinteressant, die Ansätze und Ergebnisse von Joas` dann schon weniger. Das hat zum einen damit zu tun, dass er als Historiker anders vorgegangen wäre und den "ideengeschichtlichen" Zugriff des Soziologen problematisch findet. Etwas enttäuscht scheint er auch davon zu sein, dass es sich in erster Linie um die Kritik an der liberal-aufklärerischen Tradition handelt, die für die Persistenz der Phänomene von Krieg und Gewalt keine schlüssige Erklärung findet. Wenn es aber um Joas` eigene Position geht, komme dieser, am Beispiel des Kosovo-Krieges, zu wenig spezifischen Erklärungen - und auch der Titel sei irreführend, da mit den "Werten", so Wette, nichts anderes gemeint ist als "Kriegsgründe und Kriegsrechtfertigungen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.07.2000
Stefan-Ludwig Hoffmann würdigt das Bemühen des Autors, zwischen der Vorstellung von einer gewaltfreien Moderne und den Legitimationen machtpolitischer Gewalt mit seinem Buch zu vermitteln. In dem Sammelband von Aufsätzen, Rezensionen und Vorträgen, die in den letzten zehn Jahren entstanden sind, stelle Joas die provokante Frage, wie trotz vermehrter kriegerischer Auseinandersetzungen am "Traum einer gewaltfreien Moderne" festgehalten werden konnte. Der Rezensent lobt die "präzisen Beobachtungen", die der Autor im Vergleich verschiedener sozialwissenschaftlicher Ansätze zum Thema mitteile und hat nur noch einen Wunsch offen: dass Joas demnächst mit einem Buch zum Thema der Legitimation von Gewalt sich des Kosovo-Kriegs annehmen möge.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.04.2000
Von der Soziologie ist zum Phänomen Krieg selten etwas gesagt worden, und auch dieses Buch fügt dem Wenigen nichts wesentlich hinzu, stellt Wolfgang Sofsky in seiner kurzen Besprechung enttäuscht fest. Dazu verbleibt der Autor zu sehr im ?Bannkreis des alten Diskurses über die `Moderne`?. Hierüber weiss er zwar gut und kritisch zu schreiben, findet der Rezensent, meint aber, er hätte sich doch an Themen wie die ?Eigendynamik von Gewaltprozessen? heranwagen müssen, damit der Krieg aus der Sicht der Soziologie nicht weiterhin unbestelltes Feld bleibt.
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