Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Mit einem Nachwort von Jeremy Adler. H.G. Adler, der aus Prag stammende Schriftsteller und Freund von Elias Canetti aus gemeinsamen Tagen in der Emigration in London, erzählt in seinem 1948 entstandenen Roman "Panorama" in zehn Rundbildern das Leben von Josef Kramer, eine unverkennbare Projektion des Autors: die behütete Kindheit in Prag, ein böhmisches Dorf namens Umlowitz, das Freimaurerinstitut Dresden-Striesen, zuletzt die Zwangsarbeiterlager sowie die KZ Auschwitz und Langenstein-Zwieberge und schließlich Schloss Launceston in England.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2010
Viel zu entdecken in diesem Oeuvre vermutet der aus Prag stammende Germanist Peter Demetz nach der Lektüre des wiederaufgelegten Romans von H.G. Adler. Als großes Panoptikum und in Guckkastenbildern gesammelte Lebenserfahrung (von einer Dorfkindheit bis hin zu Zwangsarbeit und Lager) bezeichnet Demetz das erstmals 1968 erschienene Buch. Hervorheben möchte er vor allem den Humor, Szenen und Charaktere, die ihn eher an die Marx Brothers erinnern als an Kafka, der natürlich auch anklingt, und an Adlers den Text zum Fließen bringende Sprachkraft, die sowohl komisch als auch syntaktisch gebrochen sein kann, so, wenn das Lagerleben geschildert wird, wie Demetz weiß. Adler - für Demetz ein (seiner) Kunst bewusster Schriftsteller auf der Höhe der Weltliteratur.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.07.2010
Ein Jahrhundertwerk mit Vorbehalten erkennt Christoph Bartmann in diesem bereits 1968 und nun neu veröffentlichten autobiografischen Bildungsroman von H. G. Adler. Der Autor, Intellektueller aus der letzten Generation deutschprachiger Prager Juden, ein brillanter Erzähler und Essayist, wie Bartmann erklärt, und ein Fall für Spezialisten, lässt es substanziell richtig krachen, wenn er die Lebens- und Leidensstationen seines Helden (vom böhmischen Land über Auschwitz bis auf ein englisches Schloss) panoramatisch abläuft. Und so gern es der Rezensent auch sähe, bräche jetzt eine Adler-Renaissance los, so sehr vermisst er in diesem programmatischen Buch das Spielerische, das die einmal gewollte Idee und Form konterkarierende Element. In letzterem mit Elias Canettis Kritik übereinstimmend, findet Bartmann aber noch einen weiteren innerliterarischen Grund für eine gewisse das Publikum eventuell überfordernde Sperrigkeit. Mit seinen philosophischen Spekulationen über den Schöpfungsdualismus im Schlusskapitel, das muss auch Bartmann einräumen, schießt der zwiefach geniale Autor wohl doch übers Ziel hinaus.
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