Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Ungarischen von Hans-Hening Paetzke. Der große ungarische Romancier und Essayist György Konrad blickt zurück auf ein Leben, das reicher an Glücks- und Leidensgeschichten nicht hätte sein können. Mit elf Jahren nur knapp der Deportation ins Lager entgangen, nachdem Vater und Mutter bereits verschleppt worden sind, wächst das Kind heran in einer Welt im Ausnahmezustand. Dem Kriegsende folgt die glückliche Wiedervereinigung mit den Eltern, aber keine Atempause: Ungarn befindet sich im Umbruch. Hautnah erlebt György Konrad die Wirren der stalinistischen Nachkriegsdiktatur, später den Volksaufstand von 1956. Als die KP den jüdischen Intellektuellen mit einem Berufs- und Publikationsverbot belegt, entscheidet er sich trotz der Umstände für das Bleiben, das Schreiben im Untergrund. Entstanden ist ein beeindruckendes Panorama der ungarischen Geschichte, der Geschichte Osteuropas. In knappen Sätzen skizziert György Konrad Portraits derer, denen er bei seinen ausgedehnten Budapester Milieustudien begegnet ist, Portraits auch der Menschen, die ihn auf seinem Weg geliebt und begleitet haben und die ihm nicht zuletzt "Heimat" waren und sind.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.09.2005
Der Rezensent Karl-Markus Gauß sieht in dieser autobiografischen Rüchschau eine Einladung an die Leserschaft, ihre eingefahrenen Ansichten über György Konrad zu überprüfen. Tatsächlich scheint Ungarns berühmtester Dissident, dem manche vorwerfen, er fühle sich berufen, sich zu allem und jedem zu äußern, nichts mehr gewollt zu haben als die Abgeschiedenheit - im Garten und am Schreibtisch. Konrad, dem das Regime sogar untersagte, für die Schublade zu schreiben (und ihn bisweilen handgreiflich davon abzuhalten wusste) und dem nach und nach alle beruflichen Aktivitäten verboten wurden, die er sich als Ersatz gesucht hatte, lasse seine Rückschau dennoch "verblüffend milde" ausfallen. Fern von bitterem Ressentiment zeichne Konrad nach, wie er versucht habe, aus jeder Einschränkung eine Freiheit, eine Chance zu gewinnen. Was letztlich, so der Rezensent, dazu geführt hat, dass ihm nichts blieb als "die hohe Schule der Lebenskunst" zu absolvieren: Flanieren, Cafes und Familienleben. Sehr angetan haben es dem Rezensenten auch Konrads "lichte Formulierungen über das Altern", die mit Auschwitz als Hintergrund zum Teil "verstörend" wirken. "Sonnenfinsternis auf dem Berg", so das verzauberte Fazit des Rezensenten, liest sich wie "eine einzige Apologie des Lebens und des Glücks, der Kraft, sich selbst wider missliche Verhältnisse nicht verbittern zu lassen".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.04.2005
Bereits 2001 hat der ungarische Schriftsteller György Konrad ein Erinnerungsbuch vorgelegt, erinnert uns Andreas Breitenstein, in dem er beschreibt, wie er mit viel "Glück" (so der Titel) der Deportation nach Auschwitz entging. Auch Konrads jüngstes Buch "Sonnenfinsternis auf dem Berg" sei ein Erinnerungsbuch, das die Nachkriegszeit in Ungarn festhält, aber ein "versöhnliches Werk", aus dem "Geist der Dankbarkeit" geschrieben. Die Jahre der Diktatur und des Publikationsverbots in Ungarn muten dem Rezensenten in Konrads Rückblick paradoxerweise als Utopie an, da sich so Gemeinschaftsgefühl und Kreativität entwickeln konnten. Breitenstein zieht allerdings in Zweifel, ob diese Art des versöhnten Erzählens vom sicheren Standpunkt des Heute den "Gefährdungen des Gestern" gerecht wird. Vermutlich nicht, deutet er an, allerdings sei Konrads Charme in seiner "Paraderolle als intelligenter Trottel" einfach unwiderstehlich.
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