Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk. Eine Sommernacht. Die Zwillinge Kate und Nick schlafen den unbeschwerten Schlaf der Ahnungslosen, während Paula, ihre Mutter, in einem anhaltenden, angstvollen Monolog die Geschichte der Familie heraufbeschwört. Mit dem nächsten Morgen, erfahren wir, bricht ein Tag des Gerichts an: Wenn sie sechzehn sind, so haben die Eltern beschlossen, werden die Kinder eine Wahrheit erfahren, die das Glück, die Zärtlichkeit, die Vollkommenheit ihres gemeinsamen Lebens zunichtemachen wird. Die Schatten der Nacht verwischen für Paula die Grenze zwischen Furcht und Intuition, und auch als es endlich Tag wird, ist Swifts raffiniertes Spiel um Fiktion und Wahrheit noch nicht zu Ende.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2011
Dass die britische Kritik eher verhalten auf den jüngsten Roman von Graham Swift reagiert und ihm mangelnde Plausibilität vorgeworfen hat, ist für Thomas Leuchtenmüller ein Zeichen dafür, dass sie "wenig verstanden" hat. Für ihn ist dieser Roman, in dem eine Mutter in einem großen inneren Monolog darüber sinniert, wie sie ihren Kindern ein schwerwiegendes Geheimnis ihrer Herkunft vermitteln soll, nämlich nur ein weiterer Beweis für das überragende Können seines Autors. Dessen Kunst besteht in den Augen des überzeugten Rezensenten gerade in der Fähigkeit, das Unwahrscheinliche als das Folgerichtige erscheinen zu lassen und dabei auch noch ein bewunderungswürdiges Maß an Einfühlung in seine Figuren zu beweisen. Hingerissen ist er zudem von der "schönen Schlichtheit", mit der die Protagonistin auch alltägliche Vorkommnisse und Erinnerungen Revue passieren lässt. Dass dann auch noch die deutsche Übersetzung von Barbara Rojahn-Deyk durch Einfühlungsvermögen glänzt, lässt Leuchtenmüller diesen Roman ans Herz wachsen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.01.2011
Missmutig, erschöpft und enttäuscht hat sich Christoph Schröder durch diesen Roman gekämpft, und er kann kaum glauben, dass der von ihm so geschätzte und für seinen Roman "Letzte Runde" mit dem Booker Prize ausgezeichnete Graham Swift so gründlich daneben gegriffen hat. Schon die Konstruktion hat in seinen Augen einen entscheidenden Webfehler. Die 50-jährige Paula, liegt schlaflos neben ihrem Mann im Bett und grübelt über das große Familiengeheimnis nach, das sie ihren Zwillingen am nächsten Tag eröffnen muss. Sie tut dies allerdings so bieder chronologisch, zudem so pathetisch, kitschig und bedauerlicherweise vollkommen ironiefrei, dass es für den Rezensenten kaum auszuhalten ist. Besonders quälend waren für Schröder ganz offensichtlich die Passagen, in denen Paula von Sexualität spricht, weil hier der "Schwulst" seine etwas albernen Blüten treibt, wie er anhand eines Zitats eindrücklich belegt. Ein Aufatmen gibt es deshalb für den Rezensenten erst, als bei Paula der Morgen graut, und er das Buch zuklappen kann: "Endlich".
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