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Giwi Margwelaschwili
Fluchtästhetische Novelle
Klappentext
Kapitän Wakusch besteigt bang das Flugzeug, das ihn zu Verwandten in das ferne, unbekannte Georgien bringen soll. Doch die Maschine will nicht abheben: Wieder und wieder drehen sich die Propeller, wieder und wieder gehen die Fluggäste an Bord - das Flugzeug jedoch startet nie. Wie kann das sein? Kapitän Wakusch ist eine Buchfigur, deren Buch unter Leserschwund leidet. Ihm sind die Leserinnen und Leser abhanden gekommen. Und ohne sie kann bekanntlich keine Geschichte stattfinden, denn niemand füllt sie mehr mit seiner Leselebenskraft aus. Wie aber soll sich die Geschichte vom Kapitän Wakusch vollenden, wenn sie nicht weitergeht? Kapitän Wakusch muss einen Weg finden, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können … Die Novelle stellt eine gute Einstiegslektüre in das vielfach preisgekrönte Werk Margwelaschwilis dar und erscheint zum 85. Geburtstag dieses großen deutsch-georgischen Autors.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.04.2013
Insa Wilkes Doppelrezension von Giwi Margwelaschwilis Romanen "Das Lese-Liebeseheglück" und "Fluchtästhetische Novelle" ist ebenso sehr Porträt des deutsch-georgischen Autors wie Buchbesprechung. Die Rezensentin würdigt die bewegte Lebensgeschichte des 1927 im Berliner Exil geborenen, später nach Georgien verschleppten Margwelaschwili, der während des Kalten Krieges "ein literarisches Lebenswerk, das seinesgleichen sucht", schuf. Das zentrale Thema seines Schreibens ist laut Wilke "die Rettung der Buchpersonen", also seiner literarischen Figuren, deren Schicksal sowohl von literarischen Konventionen und Zwängen als auch vom Interesse ihrer Leser abhängt. Letzeres ist in der "Fluchtästhetischen Novelle" ein existenzielles Problem, berichtet die begeisterte Rezensentin: der Protagonist, Margwelaschwilis Alter ego Wakusch, sitzt am Flughafen Schönefeld fest, weil der Maschine die zum Abheben erforderliche Leser-Energie fehlt, und auch Wakusch selbst ist "vor lauter Lesermangel schon ganz löchrig". Um die Leser für seiner Bücher muss sich Margwelaschwili jedoch keine Sorgen machen, ist sich Wilke sicher.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.12.2012
Giwi Margwelaschwilis "Fluchtästhetische Novelle" schließt an ein autobiografisches Projekt an, das der Autor Anfang der neunziger Jahre veröffentlicht hatte, das aber aufgrund eines notorischen Leser-Mangels schnell eingestellt wurde, erklärt Oliver Jungen. Margwelaschwili setze dieses Projekt nun aber nicht einfach fort, sondern bastele ein "Vexierspiel aus Leben und Literatur" daraus, in dem sein alter Ego Wakusch in einer Episode auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld festhängt. Es geht nicht mehr voran, die "Rezeptions-Energie" reicht dafür nicht aus, und Wakusch beginnt zu grübeln, woran das liegen könnte, fasst Jungen zusammen. Komplizierter wird es, weil ein Leser-Autor-Verschnitt aus der Zukunft ihm am Pissoir begegnet und die beiden sich über einen möglichen Figuren-Selbstmord austauschen: "das Verharren der Geschichte im Manuskript-Status", also nicht veröffentlicht werden, nicht gelesen werden, ergo aufhören zu sein. Jungen erinnern Margwelaschwilis selbstreflexive Überlegungen an die cartesischen "Meditationen" und der Autor an Borges.
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