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Gilles Deleuze
Kritik und Klinik
Klappentext
Aus dem Französischen von Joseph Vogel. Unter dem etwas rätselhaften Titel "Kritik und Klinik" verbergen sich Texte von Gilles Deleuze zur Literatur oder besser: zu Problemen literarischen Schreibens. Das Faszinierende daran ist, wie scheinbar naiv und realistisch Literatur hier begriffen wird.
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.04.2001
Nach Florian Vetsch charakterisiert Gilles Deleuze Literatur als "Zustand der Gesundheit"; die delirierende Sprache des Schriftstellers verfalle nicht dem Schweigen, sondern werde im Gegenteil beredt. Diese Definition schickt Deleuze einer kleinen Aufsatzsammlung voraus, in der er sich ausschließlich mit "Problemen des Schreibens" befasst und sich diesbezüglich den Arbeiten der unterschiedlichsten Autoren zuwendet: von Platon bis Kant, von Walt Whitman bis zu Samuel Beckett. Zu einem der schönsten Essays zählt für Vetsch derjenige über T.E. Lawrence, den Verfasser des "Lawrence von Arabien": Deleuze sehe bei Lawrence eine von Anfang an zum Scheitern verurteilte "Projektionsmaschine" am Werk, zitiert Vetsch den Autor: "politisch, erotisch, künstlerisch". Auf den 15 Seiten über Lawrence erfahre man mehr über einen Autor, schwärmt der Rezensent, als in mancher dicken Biografie. Beweis für ihn, dass dessen Aufsätze mehr als Sekundärtugenden aufweisen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.12.2000
Für ein wenig Vertrauen im Umgang mit Deleuze wirbt diese Rezension und bleibt dabei derart verschlossen, dass es wirklich schwer fällt, dem auch zu folgen. Wie genau Deleuze die Literatur fördert, um dem "per se klinischen Zustand" der Gesellschaft zu Leibe zu rücken, vermag uns Hubert Thüring kaum zu vermitteln. Mag sein, er steht mit diesem dunkelsten aller Denker schon auf allzu vertrautem Fuß. Dabei macht es durchaus neugierig, wenn wir lesen, gerade die 17 hier versammelten Essays erkundeten wie kein zweites philosophisches Werk das rätselhafte Verhältnis von Philosophie und Literatur. Deleuzes Denken der Literatur, schreibt Thüring, sei vielleicht der unmittelbarste Anstoß, es endlich auch mit ihm zu versuchen. Diese Besprechung aber ist sogar etwas zu unmittelbar.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2000
Martin Stingelin bespricht "Kritik und Klinik", die deutsche Ausgabe des letzten Buches von Gilles Deleuze zusammen mit dem Comic "Salut, Deleuze".
1) Deleuze: "Kritik und Klinik"
Dass die Übersetzung dieses Buches eine kundige ist, wie der Rezensent vermerkt, erscheint nicht wirklich großartig. Schließlich sind seit Erscheinen von "Kritik und Klinik" in Frankreich sieben Jahre ins Land gegangen. Aufhorchen aber lässt Stingelins Apostrophierung dieser aus teilweise erstmals publizierten Aufsätzen bestehenden Sammlung als "eines der aufregendsten Bücher über Literatur". Zu diesem Urteil kommt er folgendermaßen: Deleuze, so Stingelin, stelle mit diesem Buch Begriffe, Erkenntnisstrategien und Haltungen zur Verfügung, die uns die Literatur vollkommen neu denken lassen. Das scheint mit Deleuzes Konzept einer "Athletik" des literarischen Schreibens in der Tat möglich. Oder wann haben Sie zuletzt über das körperliche Vermögen eines Autors nachgedacht? In dem Maße wie Deleuze den Boden traditioneller Literaturbetrachtung verlässt und dem Leser seine Wahrnehmungsweise vermittelt, schreibt Stingelin, wird Literatur zu einem Werk der Gesundheit, "zur Medizin, zur Klinik". Das Wort vom "guten Buch" erhält so ungeahnten Sinn.
2) Dieck/Balzer: "Salut, Deleuze!"
Die von Deleuze unentwegt - so auch in "Kritik und Klinik" - angestrebte Befruchtung von Philosophie, Kunst und Literatur ist nun in einem Comic gelungen. Stingelin führt diesen Erfolg auf die Möglichkeit einer Synopsis disparater Gedanken durch die Wiederholung von Bildfolgen zurück, die die Schrift um ihre traditionelle Vorrangstellung zu bringen vermögen. Ein so einfaches wie geniales Prinzip. Um so mehr, als die Liaison am Ende das Leben hervortreibt, wie Stingelin vermerkt. Das erklärt auch, wieso Zeichner und Autor des Comics, der den verstorbenen Deleuze in die Unterwelt begleitet, einen eher vitalen Titel für ihr Projekt gewählt haben.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2000
Der Rezensent mit dem Kürzel "mim" ist begeistert. Deleuze, den er für einen "der eigenwilligsten Denker jüngeren Datums überhaupt" hält, beherrsche nicht nur das Handwerk philosophischer Begriffsbildung, er sei auch ein Meister der kleinen Form, schreibt der Rezensent in seiner Kurzkritik. Das zeigt sich in den 17 Essays über das Problem des Schreibens, die nun auf Deutsch vorliegen. Jede einzelne Miniatur über Schriftsteller wie Beckett und Melville oder Philosophen wie Platon und Nietzsche belege die intellektuelle "Brillanz" des Autors.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2000
Franz Schuh, der zugibt, gerade die "kleinen Schriften" großer Philosophen zu schätzen, ist äußerst angetan von dem Buch. Es ist ein "Meisterwerk der Literaturtheorie" und zudem "Pflichtlektüre", schwärmt der Rezensent, auch wenn er vermutet, dass der Autor diese Preisungen als Vertreter der "anarchischen" französischen Philosophie abgelehnt hätte. Der Band analysiere mittels Texten von Philosophen von Nietzsche bis Beckett die "Eigentümlichkeit" der Literatur und beantworte damit auch die "spannende Frage", ob Literatur in Zukunft von anderen Medien abgelöst wird. Besonders schätzt der Rezensent, dass der Autor sich nicht als "Oberlehrer" aufführt, ihm zumindest erscheine er wie ein "Bruder", bekennt Schuh.
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