Bücherschau der Woche
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Klappentext
Thomas Schwarz ist jung, sieht gut aus, verdient gut, ist verheiratet und arbeitet in einer Bank. Als ihm eines Tages eine Frau als Chefin vorgesetzt wird, gerät seine schöne Vision von vermeintlichem Wohlstand, Macht und Sicherheit ins Wanken. Aber was soll`s: Alles, was er in der Bank gelernt hat, scheint auch im zwielichtigen Milieu der Kleinkriminellen anwendbar zu sein. Denn alles was zählt ist auch dort: Geld, Erfolg und Macht.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Für Hubert Winkels hat der Autor dieses Romans eine große Chance verschenkt. Was als satirische Untersuchung der kapitalistischen "Gemütszerstörung" anfängt, wird nach Ansicht des enttäuschten Rezensenten am Ende auf einen "biederen Krimi" zurückgestutzt. Während der erste Teil anhand des beruflich erfolgreichen Protagonisten trotz allem "Schematismus" als "Untersuchung über einen sozialen Typus" durchaus amüsant zu lesen sei, werde mit dem vollkommen symmetrischen Abstieg in eine kriminelle Gegenwelt im zweiten Teil die "schlichte Kehrseite" konstruiert, moniert der Rezensent. Zu durchsichtig ist ihm die Konstruktion des Buches, was er besonders bedauert, weil der Autor "so nahe dran" ist und dann doch nur einen Krimi "à la Tatort" schreibt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2000
Die Kurzkritik Eberhard Rathgebs mündet in einen unzweideutigen Verriss. Die Geschichte von dem gescheiterten Banker Thomas und seiner ebenso gescheiterten Frau und ihrer - wie könnte es anders sein - gescheiterten Beziehung kann ihn nicht überzeugen. Zu klischeehaft erscheint es ihm, wenn Thomas plötzlich krumme Dinger in Sonnenstudios dreht (wo sonst?), sich Goldkettchen umhängt oder Blüten im schwarzen (natürlich!) Geldkoffer herumträgt. Dieser Typ könne einem "gestohlen bleiben", meint Rathgeb.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2000
Volker Weidermann hat - während dessen viertägigem (!) Jahresurlaub - ein Interview mit dem Anwalt und Schriftsteller Georg M. Oswald geführt. Auszüge daraus verbindet er in seinem Porträt des Autors als Moralisten mit der Besprechung seiner jüngsten Bücher:
1) "Alles was zählt"
Der Roman, so Weidermann, belege keineswegs Diedrich Diederichsens zuvor in der taz geäußerten Vorwurf, Oswald ziele in seinen Texten über bloße Affirmation des Beschriebenen nicht hinaus ("Sie irren sich, Herr Diederichsen"). Der "mitleidlose, präzise Bericht" über den Absturz des Bankangestellten Thomas Schwarz entlarve vielmehr ein Wirtschaftsmilieu, in dem die Anpassung so weit gehe, dass man die darwinistischen Regeln auch dann noch akzeptiere, wenn sie den eigenen Untergang bedeuten.
2) "Party Boy"
Dieser zum Teil aus Internetberichten zum Mord an Gianni Versace zusammengestellte Text befinde sich, behauptet Volker Weidermann, im moralischen Anspruch durchaus in der Tradition Heinrich Bölls. Gegen den frei mit den Fakten umgehenden Boulevardjournalisten insistiert hier ein "Moralist" auf den Tatsachen, die darin bestehen, dass man kaum etwas wissen kann. Trotz des Vergleichs mit Böll: bieder seien die Romane von Georg M. Oswald keinesfalls. Eher handle es sich um einen "Houellebecq aus Bayern".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2000
Ein Icherzähler - ein gefeuerter Bankangestellter - ermöglicht eine Innenperspektive auf die "menschenfreundlichen" Geldinstitute. Rezensent Martin Krumbholz scheint den Roman Georg M. Oswalds zu mögen, und widmet sich vielleicht deshalb ausführlicher der Inhaltsangabe als der Analyse. Der Protagonist heißt Thomas Schwartz - nicht zufällig, weil er zu den "Abwicklern", den "Totengräbern in der Branche" gehöre. Hier erweist er sich nach Angaben des Rezensenten allerdings als mittelmäßig und wird dementsprechend schnell entlassen. Der Plot zeige die Dekonstruktion des Icherzählers, der nun seine "Identität abzuwickeln" habe. Rezensent Krumbholz lobt die Strategien des Autors, das ezählende Ich "durch Höhen und Tiefen" zu steuern. Zugleich biete das Buch realistische Einblicke in der Beschäftigungssituation im Banksektor - unbezahlte Überstunden, Identifikation mit der Firma bis zur Selbstaufgabe, und nicht zuletzt die Zerstörung des Privatlebens.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.08.2000
Eberhard Falcke bespricht wohlwollend den jüngsten Roman von Georg M. Oswald, den er trotz einiger konzeptioneller Schwächen für gelungen hält. Das Buch gewähre Einblick in die Arbeitswelt, und zwar von "drinnen" wie "draußen", erklärt uns Falcke und verweist auf die gleichlautenden Überschriften des zweigeteilten Romans (zweimal je 20 Kapitel). Drinnen, das ist die Bank, in der der Protagonist arbeitet; draußen, das ist die Arbeitslosigkeit, das sind aber auch illegale Geldwaschgeschäfte, in die der Protagonist gerät. Es folgt nicht etwa der Absturz, verrät der mild enttäuschte Rezensent, sondern eine glimpflich ablaufende Krimihandlung, die das zwischen Bekenntnisbericht und Rechtfertigungsrede angelegte Buch in andere Bahnen leitet. Aber selbst in das Krimi-Genre will sich der Held zur Erleichterung des Rezensenten nicht so ganz einfügen lassen.
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