Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Aus dem Englischen von Robin Detje. Mischa "Snack Daddy" Vainberg, ein unverbesserlicher Fettsack, ist der Sohn des reichsten Mannes in Russland, dem leider in St. Petersburg von der Konkurrenz der Kopf weggesprengt wird. Verzweifelt versucht die Waise, sich in den schützenden Westen durchzuschlagen, zurück nach New York, zu seiner untreuen Angebeteten in der Bronx und seinem Analytiker an der Park Avenue. Es ist eine Reise voller Irrungen und Wirrungen, internationaler Verwicklungen und privater Verstrickungen, die schon durch Mischas barocke Gestalt zu schauriger Akrobatik werden. Wie geschmacklos und unappetitlich ist das alles. Aber doch so wahr! Und sie muss erzählt werden, die Geschichte dieses Weltreisenden. Mischa besichtigt für uns ein Zeitalter, so gewalttätig, kaltherzig und liebeshungrig, dass nur eine groteske Erscheinung wie er es uns richtig vorführen kann.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.04.2007
Schlau werde man aus diesem Buch vielleicht nicht, dafür aber satt, versichert Rezensent Kai Wiegandt, der sich auf den Wogen seiner Begeisterung ein wenig davon tragen lässt. Die Sätze, nicht eine geordnete Story, bildeten bei Gary Shteyngart die "Fresseinheiten", und würde sich der Rezensent am liebsten in die Toilette hängen. Darüberhinaus sei das Buch genauso "vollgestopft" mit literarischen Anspielungen wie Held Mischa Vainberg mit seinen Gelüsten auf amerikanische Snacks beziehungsweise Sex. Die Geschichte? Sie geht laut Wiegandt ungefähr so: Held Mischa sei ein russisches Einwanderungskind von 30 Jahren, habe in Amerika "Multikulti" studiert, und besuche nun seinen Vater in Petersburg und anschließend das Land "Absurdistan" am Kaspischen Meer, das sich im Bürgerkrieg befindet, um internationale Medienaufmerksamkeit zu erlangen. Das Problem für Mischa Vainberg sei in allen den Wirren, dass ihm die US-Einwanderungsbehörde die Heimreise verweigere, und er den Roman als eine Art Bittgesang schreibe. Soviel verrät der Rezensent zum Inhalt des Buches, das ansonsten so "formlos" sei wie der Held mit seinen hundertsiebenundvierzig Kilogramm. Eigentlich, so der Rezensent, brauche man dieses "zur Gänze enthemmte" Buch gar nicht zu lesen, man könne es "schmecken". Übersetzer Robin Detje habe zudem ganze Arbeit geleistet.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.02.2007
Rezensentin Katharina Granzin fand diesen Roman meistens "sehr lustig", manchmal aber auch "hart am Furchtbaren". Trotzdem gesteht sie Gary Shteyngarts Helden am Ende neidlos den Titel eines "modernen Oblomows" zu. Es handelt sich ihren Informationen zufolge um das "humoristisch überzogene Porträt des neureichen Russen an sich", der uns im Roman in der verfetteten Form des verfressenen Oligarchensprosses Mischa Vainberg begegnet. Der Plot vom in Petersburg festsitzenden, amerikanischen Russen, der schließlich in postsowjetische Bürgerkriegswirren gerät, wirkt reichlich hanebüchen. Trotzdem scheint diese Lesereise durchs wilde Absurdistan ziemlich lohnend zu sein. Vor allem, weil dort nicht nur der amerikanische Kapitalismus im Reflex des gierigen Russen ausgiebig geschildert wird, sondern auch das postkommunistische Russland. Gelegentlich, versichert uns die Rezensentin ziemlich glaubwürdig, gibt es deswegen auch nichts mehr zu lachen, sondern nur noch ein Schaudern über "Grausig-Groteskes".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2007
Niemand geringeres als einen Dostojewski unserer Tage erkennt Andreas Rosenfelder in Gary Shteyngart. Auf den Seiten des Romans entdeckt er Elemente der großen russischen Literatur, transferiert in das Russland der Neureichen und mit Polonium um sich werfenden Banditen. Dass Shteyngart auf Folklore a la Borat verzichten kann, rechnet Rosenfelder ihm hoch an, der die angebotene epische Breite dem Slapstick gerne vorzieht. Reich beschenkt sieht sich der Rezensent nicht zuletzt durch den "ausgreifenden Erzählstil" des Autors, der die Spannung der Handlung üppig garniert. So staunt Rosenfelder über New-York-Ansichten von einer Wucht, die er von Dos Passos kennt. Sein Fazit: Großes Erzählkino um uralte Sehnsüchte und Gefühle mit post-popkulturellem Appeal.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.11.2006
Mit Wonne hat sich Rezensent Georg Diez diese "fabelhaft trunkene Farce", deren "intelligente Gemeinheit" und "verspielten Witz" zu Gemüte geführt. Dessen Autor findet er so böse wie Sacha Baron Cohen, musste aber gleichzeitig beim Lesen auch an Nabokov denken. Zwar findet Diez den deutschen Titel des Buchs, das im amerikanischen Original "Absurdistan" heißt "bescheuert". Insgesamt hat ihn die Geschichte über einen fetten, sexsüchtigen, russisch-jüdischen Oligarchenspross in New York, der eines Tages in Russland festsitzt, sehr begeistert. Unter den Händen des "großen Satirikers" Gary Shteyngarts sieht er die Gegenwart sich zu einem "Gebilde" verbiegen, das "schillert und glänzt und rattert und rappelt wie eine Alptraummaschine". Mit "schamloser Gier" werfe sich dieser "zynische zärtliche Clown" auf die "großen Themen", also Korruption, Fauenverachtung, Antisemitismus, Imperialismus" sowie die macht- und geldgeilen russischen Eliten, die der zusammengebrochene Kommunismus hinterlassen habe. Robin Detjes angemessen "gutgelaunte Übersetzung" bekommt ebenfalls gute Noten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2006
"Trash mit Tiefgang", so fast Andreas Breitenstein seine einigermaßen euphorische Besprechung dieses tragikomischen Romans von Gary Shteyngart zusammen. Atemlos und staunend hat sich Breitenstein zuvor vom Autor durch das Absurdistan sowohl des heutigen Russland als auch Amerikas hetzen lassen. Dass der Rezensent bei dem Tempo, das Shteyngart vorlegt und mit dem er zwischen Obszönität und Absurdität, zwischen Hintersinnigem und Schwermütigem und zwischen literarischer Hochsprache und Gangsterjargon wechselt, nicht gleich die Nerven verliert, liegt vielleicht am sympathietragenden Helden (eigentlich ein recht unangenehmer Zeitgenosse) und ganz bestimmt an Shteyngarts Befähigung, Slapstick und Satire ausgewogen zu kombinieren. Erst gegen Ende wird es dem Rezensenten etwas zu viel "Gehirnakrobatik", und der närrische Held büßt an Interessantheit ein (übrigens sind sämtliche Figuren in diesem Buch Narren). Shteyngarts Fortschreiben seiner "amerikanischen Mythologie" aber nimmt Breitenstein insofern ernst, als es einen nüchternen Blick auf den "American Dream" darstellt.
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