Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Angelika Kaps. Die Doo Dads singen "My Girl" im Radio, und der 14jährige Gary verbringt den Sommer 1956 vorwiegend mit wenig bildungsfördernder Lektüre und dem heimlichen Küssen seiner Kusine. Doch als der gute Onkel Sugar ihm eine Schreibmaschine schenkt, kommt die Erkenntnis: Gary will Starjournalist des "New Yorker" werden - bis dahin übt er sich als Reporter der örtlichen Baseballspiele und Verfasser von skurrilen, gruseligen Geschichten. Ironisch und mit liebevollem Blick zurück auf die eigenen Teenagertage erzählt Garrison Keillor vom Erwachsenwerden im Minnesota der fünfziger Jahre - und lässt den Leser dabei tief in die uramerikanische Seele blicken.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.12.2004
Anfangs recht angetan, dann zunehmend enttäuscht zeigt sich Rezensent Ralf Hertel von diesem Roman von Garrison Keillor. Angesiedelt in den fünfziger Jahren, in einer Atmosphäre von erstickender Spießigkeit und Frömmigkeit handelt der Roman von einem jungen Mann, der wie ein Froschlurch aussieht, fleißig den Rasen mäht, von Mädchen träumt und die Welt vor allem in Gedanken erforscht. Die Qualität des Buches sieht Hertel nicht in seiner Handlung, sondern in seinem "flotten, flapsigen Tonfall", den die Übersetzung sehr gut treffe. Zu Hertels Bedauern entpuppt sich das Buch als "ebenso seicht wie das Leben seines Protagonisten". Zwar folge man lange dessen abstrusen Gedankengängen aus Lust an den witzigen Formulierungen. Doch mir fortschreitender Lektüre muss der Rezensent erkennen: "Hier hat ein Autor nichts zu sagen." "Das letzte Heimspiel", resümiert Hertel, "ist ein Bildungsroman als Witzesammlung und der Erzähler nicht nur ein manischer Rasen- sondern auch Phrasenmäher."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2003
Zu den Qualitäten dieser Pubertätsgeschichte aus der amerikanischen Provinz zählt Rezensent Richard Kämmerlings, dass Autor Garrison Keillor darin Witz als Form der Erkenntnis ernst nimmt. Im Roman sieht Kämmerlings dessen pubertierenden Helden im ständigen Kampf mit seiner erwachten Sexualität, auf Entdeckungsreisen beim anderen Geschlecht und in wachsender Distanz zu seiner bigotten Familie sich eine Identität als Autor von Witzen, Scherzgeschichten und obszönen Geschichten bilden. So entsteht, zum Schrecken der Lehrer des Helden und zum Glück des Rezensenten die für nötig befundene Distanz, in der Kämmerlings Reflexion möglich werden sieht. So ganz scheint der Roman seine Möglichkeiten jedoch nicht auszuschöpfen, denn der Rezensent bemerkt mitunter hinter dem Literaten die "Routine des Radio-Comedian", der Keillor Kämmerlings zufolge auch sehr erfolgreich ist, und der "die Banalität der Kleinstadt-Kabale mit irrwitziger Drastik frisiert". Hier nutze Keillor vor allem den Kontrast "zwischen frömmelnder Karosserie und geilem Getriebe" weidlich aus.
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