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zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Gabriele Weingartner

Bleiweiß

Roman

Cover: Bleiweiß

C. H. Beck Verlag, München 2000
ISBN-10 3406466060
ISBN-13 9783406466069
Gebunden, 220 Seiten, 18,90 EUR

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Klappentext

Als Junge hatte Folke immer seine Sommerferien in Leewenstein, am Ufer der Müglitz, verbracht. Nun, Jahrzehnte später und nachdem die Grenzen sich geöffnet haben, kehrt er an diesen Ort zurück - mit der vagen Idee, das Paradies aus der Kindheit zu kaufen. Doch während seiner heimlichen Anwesenheit in dem nun fast leerstehenden und ziemlich verkommenen Haus steigen bruchstückhaft Erinnerungen an die vergangenen Tage in ihm auf: an seine Großmutter, an die etwas verschrobenen Großtanten, an seine Zwillingsschwestern, an Cousin Konrad und an Ernst Maletzke, den hinkenden Sohn der Untermieter, den sie damals alle nur hänselten oder gleich ganz ignorierten. Ausgerechnet Ernst allerdings lebt nun noch immer im Haus, und er ist es, der Folke eine ganz andere Version der Vorgänge von damals gibt, vor allem aber interessante Geschichten über Folkes Mutter zu erzählen hat: Warum eigentlich war sie so erpicht darauf, jeden Sommer in die DDR zu kommen, und noch dazu ohne ihren Mann?

BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info):
Bleiweiß - Gabriele Weingartner bei C.H. Beck

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 11.04.2001

Ausschließlich lobende Worte findet Martin Lüdke in einer kurzen Rezension über diesen Band, in dem Alltagsgeschichte beschrieben werde - also "nichts Sensationelles" -, und doch die Personen und ihr Leben in der deutschen Nachkriegsgeschichte so "gestochen scharf" gezeichnet werden. Lüdke gefällt es, wie die Autorin die zunehmende "Desillusionierung" des Protagonisten schildert, der nach der Wende an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt - eine Desillusionierung, die jedoch, wie der Rezensent ausdrücklich anmerkt, "die Bilder des frühen Glücks nicht zerstört". Gleichzeitig werde viel vom Leben der Menschen in der frühen DDR in diesem Buch gezeigt, so der Rezensent anerkennend.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.03.2001

Schon Gabriele Weingartners Romandebüt "Der Schneewittchensarg" vor vier Jahren findet bei Michael Buselmeier großen Anklang. Das neue Buch ist ein Ost-West-Familienroman; im Mittelpunkt, so Buselmeier, steht wieder ein Antiheld, ein alternder Schwabe, der sich nach der Wende in ein kleines Dorf nahe bei Dresden begibt, wo er im hochherrschaftlichen Haus seiner Großeltern die Sommerferien seiner Kinderzeit verbracht hatte. Die Reise, so Buselmeier, weckt nicht nur Kindheitserinnerungen, sie bringt auch ungeahnte Familiengeheimnisse ans Licht. Mit einem humpelnden, arbeitslosen Schriftsetzer, der seit seiner Kindheit als Sohn des Installateurs die nun marode Fabrikantenvilla bewohnte und der die Familie und das Zeitgeschehen aus seiner Perspektive aufmerksam beobachtete, habe die Autorin eine Art Familienarchivar eingeführt, einen DDR-Bürger, der nun die Gelegenheit zur Abrechnung wahrnehme. Auch wenn der Roman einige Ost-West-Klischees beinhalte und gelegentlich die Kolportage streife, sei Weingartner eine spannende Ost-West-Geschichte gelungen, findet Buselmeier. Er lobt den "virtuos gehandhabten Realismus" dieses Romans und stellt ihn sogar in die Tradition von Fontane und Thomas Mann. Ein Roman, der die Debatten der 60er Jahre über das Ende des bürgerlichen Romans und den allwissenden Erzählers Lügen straft, lobt Buselmeier.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000

Einen "Nachkriegs- und Wenderoman" nennt Ludwig Harig Gabriele Weingartners zweiten Roman mit dem Titel "Bleiweiß". Er lobt die Feinfühligkeit, mit der die Autorin anhand einer gespaltenen Familie sowohl die DDR- als auch die bundesrepublikanische Gesellschaft porträtiert. Dabei gerät ihr das Bleiweiß, eine Malerfarbe von hochgiftiger Zusammensetzung, die über dies leicht vergilbt, zur Metapher für ein Panorama des Verfalls, das sie nach Harig mit "genüsslicher Morbidität" zu zeichnen weiß. Am Ende betont Harig, dass es nicht die historischen Tatsachen sind, die den Roman so authentisch wirken lassen, "sondern die zur Wahrheit der Geschichte erfundenen Episoden".

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