Perlentaucher - Das Kulturmagazin

| Folgen Sie uns auf Twitter | Folgen Sie uns auf Facebook | Anmelden | Mobil | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 26.05.2012, 14.01 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Gabriele Nissim

Der Mann, der Hitler stoppte

Dimitar Pesev und die Rettung der bulgarischen Juden

Cover: Der Mann, der Hitler stoppte

Siedler Verlag, Berlin 2000
ISBN-10 3886806944
ISBN-13 9783886806942
Broschiert, 318 Seiten, 24,54 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Am 20. Februar 1973 starb in Sofia, völlig verarmt, Dimitar Pesev - vergessen auch von jenen, die ihm das Leben verdankten. Dreißig Jahre zuvor, im März 1943, erfuhr der damalige stellvertretende Parlamentspräsident Dimitar Pesev durch Freunde, daß die Deportation der 48.000 Juden Bulgariens unmittelbar bevorstehe. Da handelte er. In einer halb furchtsamen, halb leidenschaftlichen Aktion brachte er den Zaren Boris III. und seine Regierung dazu, den Befehl zu erteilen, dass die in Richtung Auschwitz abfahrbereiten Züge auf keinen Fall die Bahnhöfe verlassen dürften. Pesev war der einzige einflussreiche Mensch im mit Deutschland verbündeten Bulgarien, der sich der stillschweigenden Billigung der "Endlösung" widersetzte. Er stellte sich gegen die Nazis und siegte. Die bulgarischen Juden wurden gerettet. Im August 1943 starb der Zar. Pesev trat nun für die Integration Bulgariens ins westliche Lager ein und beschuldigte die kommunistischen Partisanen in aller Öffentlichkeit, Bulgarien der Sowjetunion in die Hände liefern zu wollen. Das sollte Pesev teuer zu stehen kommen, als die Rote Armee das Land besetzte. Antisowjetischen Verhaltens angeklagt, wurde Pesev zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt und entkam nur knapp dem Gulag. Den Rest seines Lebens verbrachte er unter Hausarrest. Gabriele Nissim hat die Rettung der bulgarischen Juden genau dokumentiert: "Niemand hat dem Nazismus in seinem unerbittlichen Kriege gegen die Juden eine so schwere Niederlage zugefügt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.02.2001

Rezensent Reinhard Vesper lobt diesen Pesev-Biografen, weil er der Versuchung widerstanden habe, eine "Heldengeschichte" zu schreiben und stattdessen dem Retter der bulgarischen Juden das verdiente Denkmal setze. Vorteilhaft findet der Rezensent, dass Nissim herauszufinden versuche, was Pesev bewegt hat - auch, als er sich anfänglich für Hitler begeisterte. Ausführlich werde die Entwicklung Bulgariens geschildert und die Veränderung von Pesevs Haltung. In seinem Bemühen allerdings, findet Vesper, Pesev und seine Zeit dem heutigen Leser verständlich zu machen, schieße Autor Nissim manchmal über das Ziel hinaus: die meisten Vergleiche zu aktuellen Ereignissen findet er unangebracht. Dennoch sei hier die Biografie eines Mannes entstanden, dessen Leben gegen seinen Willen von den großen totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts geprägt war.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.06.2000

Martin Messmer begrüßt es sehr, dass die bisher ungeklärte Frage, wer für die Rettung von 50000 bulgarischen Juden im Zweiten Weltkrieg verantwortlich war, nun endlich geklärt scheint. Gerüchte habe es zwar viele gegeben (mal soll es Zar Boris III. gewesen sein, mal Todor Schiwkow), aber Nissims Ausführungen über den damaligen Justizminister Bulgariens Dimitar Pesev geben nach Ansicht des Rezensenten eine plausible Antwort auf das lange ungeklärte Rätsel. Dabei habe sich der Autor an eine "äußerst anspruchsvolle " Aufgabe herangewagt: Pesev lebte nach dem Krieg nicht nur fast völlig vergessen und verarmt in Sofia. Er galt, so der Rezensent, in den Nachkriegsjahren ungerechtfertigter Weise sogar als Faschist. Dass Nessim nun "präzise, objektiv und sensibel" sich dieses Schicksals angenommen hat und damit auch einen Beitrag zur Rehabilitierung Pesevs leistet, ringt dem Rezensenten einigen Respekt ab.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mailen | Drucken | Merkzettel | Empfehlen auf Facebook | Twittern |

blog comments powered by Disqus

Archiv: Bücherschauen

Krisen des modernen Ichs

26.05.2012: FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3

07.05.2012: Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen

Goncalo M. Tavares: Die Versehrten

19.04.2012: Mylia trotzt seit Jahren den Prognosen der Ärzte über ihren bevorstehenden Tod; Ernst, ihr ehemaliger Geliebter, ist seit seinem Aufenthalt in der Nervenklinik ein gebrochener Mann, und Hinnerk ist ein vom Krieg Gezeichneter. In einer schicksalhaften Nacht treffen all diese Personen aufeinander. Hier eine Leseprobe aus Goncalo M. Tavares' Roman "Die Versehrten". Mehr lesen

Laszlo Vegel: Sühne

12.04.2012: Ausgehend vom Vielvölkerstaat Jugoslawien beginnt László Végel eine Erkundung Europas und macht sich auf die Suche nach einem Ort, an dem eine sinnvolle Existenz möglich ist. Im Mittelpunkt der Vermessung der europäischen Möglichkeiten steht der wiederaufkommende Faschismus in Südosteuropa. Lesen Sie hier einen Auszug aus "Sühne". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren