Bücherschau der Woche
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Klappentext
Übersetzt aus dem Französischen von Stefan Glock. Ein Antikriegsroman von 1930, dessen Neuausgabe in Frankreich 2008 hymnisch gefeiert wurde, vergleichbar mit den Werken von Remarque, Celine oder Norman Mailer: Nach dem Ersten Weltkrieg, den er als Infanterist an der Front verbrachte, beschrieb Gabriel Chevallier seine Erlebnisse in Romanform: Der junge Student Jean Dartemont wird eingezogen und an die Front geschickt, und dort bleibt er vier Jahre lang, unterbrochen nur von einem Lazarettaufenthalt. Monatelang harrt er mit seinen Kameraden in den Schützengräben aus, bedroht von Kugeln, Kälte, Durchfall und grenzenloser Angst. Bei seinem Ersterscheinen löste der Roman seiner Direktheit wegen einen Skandal aus und wurde angesichts des neuen Krieges 1939 zurückgezogen. Jetzt ist er erstmals auf Deutsch zugänglich.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.10.2010
Für Benedikt Erenz gehört dieser erst vor kurzem wiederentdeckte Roman über den Ersten Weltkrieg unbedingt in die vorderste Reihe der Werke über diesen Krieg, also neben Hemingway, Zweig, Barbusse oder Remarque. Eigentlich sei es auch kein klassischer Roman, sondern ein Konvolut aus vielen kleinen Erzählungen über den Krieg: die Berichte eines Mannes, der von einem Tag auf den anderen aus seinem Leben in eine Welt der Vernichtung und des Wahns geworfen sei. In allen Farben schildere er Momente des "zähen Schreckens". Orte des Geschehens seien die "killing fields" der Champagne, Landschaften der Vernichtung und Straßen, die in die Verwesung führten. Beschrieben werde unter anderem, wie den Protagonisten das Ungeziefer plagt, an seine Wange Fleischfetzen eines von einer Granate zerrissenen Kameraden klatschen, und er Menschen sterben sieht. Und der Gestank, der über allem liege. Beeindruckt ist der Kritiker auch vom Ton des Romans, den er "von hoher Zivilität und höflicher Traurigkeit" geprägt findet. Dass er keine Extreme schildert, sondern die "Banalität selbst des Wahnsinns" - ein Buch, so das Fazit des Rezensenten Erenz, "aus dem es kein Entkommen gibt."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2010
Da, wie Thomas Laux betont, der literarische Kanon nur relativ wenig über den Ersten Weltkrieg kennt, ist es sehr zu begrüßen, dass Gabriel Chevalliers Roman "Heldenangst" nun - 80 Jahre nach dem französischen Original - auf Deutsch erscheint. Die Geschichte des jungen Jean Dartemort, der 1914 eingezogen wird und nach kürzester Zeit alle Illusionen über einen heldenhaften Krieg verliert, ist trotz der ausgeprägten pazifistischen Grundhaltung ihres Autor von enormer Grausamkeit, stellt der Rezensent fest. Die Kriegsgräuel werden ungeheuer drastisch geschildert, auf der anderen Seite beeindruckt der Autor aber durch stilistisch meisterhafte, abgeklärte Darstellungen, so der Rezensent fasziniert. Großartig findet Laux zudem, wie Chevallier immer wieder große Spannung aufbaut, um diese dann ins Leere laufen zu lassen, etwa wenn die sich unmittelbar gegenüberstehenden deutschen und französischen Soldaten durch betont harmloses Pfeifen gegenseitige "Angriffsunlust" demonstrieren.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.07.2010
Der Großteil des Werks von Gabriel Chevallier ist vergessen, weil ein einziger Roman "Clochemerle", 1934 erschienen, alles andere überstrahlt. Aus dem Werkschatten gezogen hat nun der Kimche & Nagel-Verlag dieses 1930 erstmals veröffentlichte Buch über den Ersten Weltkrieg. Geschildert werden die Kriegserlebnisse eines nicht sehr heldischen Helden aus dessen öfter ins "Wir" umschlagender Perspektive. Als Romanzusammenhang funktioniert das Buch eher nicht, meint der Rezensent Joseph Hanimann, als sehr begabt erweise sich Chevallier allerdings in der Schilderung von Einzelsituationen. Die Sinnlosigkeit des Kriegs wird dabei in unheroische und "absurde" Szenen des Herumirrens und der Orientierungslosigkeit auseinandergefaltet. Kein Meisterwerk, findet der Rezensent, aber trotz mancher Schwächen aufschlussreich. Stefan Glocks Übersetzung sei im übrigen "magistral".
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