Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Fritz Reheis
Entschleunigung - Abschied vom Turbokapitalismus
Klappentext
Die zentrale Frage lautet: Wie kommt es, dass wir scheinbar immer mehr, immer schneller und effizienter produzieren müssen? Welche diabolische Erfindung hat uns den Wachstumszwang beschert? Reheis antwortet: Es ist der freie Markt und im Besonderen die Qualität des zinsgetriebenen Geldes. Die Logik dieses Geldes bzw. das Wachstum des Kapitals treibt das Hamsterrad an und programmiert den Turbokapitalismus. Sein Wesen ist die immer schnellere Produktion um der Produktion willen. Kapital auf der Suche nach höchstmöglicher Rendite ist somit der Transmissionsriemen für Beschleunigung. Um dem Hamsterrad zu entkommen, zeigt Fritz Reheis "kleine", persönliche Ausstiege auf, vom Sabbatical bis zur bewussten Überprüfung der Lebensbereiche, in denen wir uns besonders unter Druck fühlen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2004
Guter Rat ist bekanntlich teuer, und so hat es seine Logik, dass der dritte, mit "Therapie und Prävention" überschriebene Teil von Fritz Reheis' Buch "Entschleunigung" laut Annette Jensen am schwächsten geraten ist. "Rückwärts gewandt" und "naiv" sei der Blick des Autors hier, und darum vermöchten Reheis' Vorschläge zu einer "Antibeschleunigungsbewegung" nicht zu überzeugen. Um so schlüssiger dafür die Ausführungen des gelernten Lehrers zu Genese und Phänomenologie des "Modethemas" Be- und Entschleunigung des Lebens. Der Autor spüre "die politischen und ökonomischen Ursachen des weit verbreiteten Stressgefühls" auf. Demnach beginnt die Crux "schon in der Schule", wo "die Kinder auf Schnelligkeit und Stundenrhythmus trainiert" würden. Intensive Wahrnehmung und Reflexion verkämen da zu Sekundärtugenden. Der Zeitdruck ersticke jedes "aufkeimende Interesse". Folge: Die Schüler würden "immer passiver und desinteressierter". Bei der Arbeit später verstopften "schnellere Computer und andere Maschinen" sofort jeden Freiraum. Selbst die Freizeit werde immerfort "mit neuen Anforderungen und Bedürfnissen" gefüllt. Für all diese Phänomene hat Reheis "eine ökonomische Begründung" parat, schreibt Jensen. Als "stärksten Motor der Beschleunigung" identifiziere der Autor das Eiltempo der Finanzmärkte, "die innerhalb von Sekunden Milliarden Dollar oder Euro um den Globus schicken".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.06.2004
Gerne möchte Rezensent Erhard Eppler dem Autor Fritz Reheis zustimmen, wenn der seine Auswege aus dem Turbokapitalismus darstellt. Doch das Buch, in dem Reheis zunächst schildert, dass eine der schlimmsten Geißeln der heutigen Gesellschaft der permanent wachsende Zeitdruck ist, sei zwar "gut und flüssig" geschrieben, wirklich anwendbare Gegenmaßnahmen sind dagegen "relativ dünn" gesät. Die Vorschläge Reheis', eine Dualwirtschaft zu installieren, aufgeteilt in einen erwerbs- und einen eigenwirtschaftlichen Bereich, hält der Rezensent für eine "erholsame Nische", aber nicht für einen Weg in eine neue Gesellschaft. Auch an den Erfolg einer demokratischen Planwirtschaft glaubt Eppler nicht und liefert deshalb eine eigene Lösung: Abwarten, bis sich der Turbokapitalismus "totgelaufen" hat und bis dahin die Freizeit "nicht im Hamsterrad" verbringen. Die Notwendigkeit dafür werde seiner Ansicht nach auch der kritischste Leser des Buches verstehen, und das "ist nicht wenig".
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