Bücherschau der Woche
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Klappentext
Der marxistische Historiker Fritz Klein war loyaler Staatsbürger und SED-Mitglied - und dabei stets ein integrer, selbstbewußter, im Habitus durch und durch bürgerlicher Zeitgenosse, der sich meist souverän über die kleinkarierte Engstirnigkeit der Apparatschiks hinwegsetzte. Fritz Klein hat die DDR von Anfang an entschieden bejaht und "von innen" mitgestaltet. Damit hat er anderes zu erzählen und mehr zu erklären als die Oppositionellen. Gleichzeitig hat er die DDR-typische Miefigkeit und Selbstabgrenzung stets ignoriert und sich einen Blick "von außen" auf sein eingemauertes Heimatland bewahrt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.08.2000
Der Ton des Buchs stört Liane von Billerbeck: herablassend, scheinbar weise, milde lächelnd, so imaginiert sich die Rezensentin den renommierten DDR-Historiker Fritz Klein beim Schreiben seiner Autobiografie. Er hatte es längst öffentlich zugegeben, als "IM Wilhelm" für die Stasi gearbeitet zu haben, es geht also mehr darum wie er es sagt, als was er sagt: als "kleine Reiseberichte" tut Klein laut Billerbeck ab, was er bei Kollegen und ausländischen Diplomaten hörte. Immerhin war Klein kein getreuer Parteisoldat, gehörte ins Umfeld von Harich und Janka und wurde als einziger Professor vom Zentralinstitut für Geschichte von den Mitgliedern des neuen Forum als würdig oder empfänglich erkoren, ihren Aufruf 1989 mit zu unterzeichnen. Jedoch: der Mann war schlicht nicht da, wie Billerbeck berichtet, sondern auf Reisen. Das macht sich für einen Historiker nicht gut, eine Revolution zu verpassen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.05.2000
Urs Hafner lobt dieses Buch als ein "hervorragendes Zeugnis deutscher Geschichte" und hebt dabei die "berührende Aufrichtigkeit und Redlichkeit" des Autors hervor. Hafner geht in seiner Rezension auf Kleins Lebensgeschichte ein und weist darauf hin, dass Klein zwar nicht der Opposition angehört hat und auch bis zum Schluss von der DDR überzeugt war, sich aber dennoch eine kritische Haltung bewahrt hat. Auffallend findet der Rezensent, dass Klein viele Lebensgeschichten von ehemals Verfolgten aufführt, die geeignet gewesen wären, die DDR zu einem besseren Deutschland zu machen. Dieser exemplarische Aspekt, unter dem Klein auch sein eigenes Leben darstellt, geben dem Band - wie Hafner findet - jedoch einen "unpersönlichen, fast anonymen Anstrich". Die eigene Geschichte wird dadurch eng mit der Geschichte der DDR verknüpft. Dass der Leser wenig über die alltäglichen Probleme der DDR-Bürger erfährt, scheint der Rezensent ein wenig bedauerlich zu finden. Er lobt allerdings, dass Klein sich nicht scheut, auch die "miefige, zunehmend paranoide, ans Absurde grenzende innere Verfasstheit" der DDR anzusprechen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2000
Jochen Staadt bespricht und vergleicht in seiner Rezension zwei Autobiografien von ehemaligen DDR-Bürgern.
1) Fritz Klein: "Drinnen und draußen"
Die Erinnerungen des Historikers Fritz Klein finden trotz mancher Einwände Zustimmung bei Staadt. So weist der Rezensent ihm zwar manche Auslassung kompromittierender Sachverhalte nach, gesteht ihm aber andererseits zu, dass er auch Dinge nicht verschweigt, die "ihn zutiefst geschmerzt haben" müssen. Er entdeckt in Kleins Autobiografie eine Nachdenklichkeit, die ihn für ihre Fehler entschädigt.
2) Karl-Heinz Gerstner: "Sachlich, kritisch, optimistisch"
Dagegen ist in der Besprechung der Lebenserinnerungen des Journalisten Karl-Heinz Gerstner beim Rezensenten ziemlicher Unmut spürbar. Gerade die Nachdenklichkeit, die er an Klein geschätzt hat, fehlt ihm hier. Staadt empfindet diese Autobiografie als "klotzig" und "aufdringlich", und echauffiert sich über die beschönigende Darstellung von Gerstners Stasi-Tätigkeit. Das ganze Buch ist unehrlich, bemerkt Staadt zum Schluß erbost.
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