Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Friedrich Rückert
Gedichte von Rom
und andere Texte der Jahre 1817-1818. Historisch-kritische Ausgabe 'Schweinfurter Edition'
Klappentext
Herausgegeben von Hans Wollschläger und Rudolf Kreutner; bearbeitet von Claudia Wiener. Der knapp dreißigjährige Rückert verbrachte die Jahre 1817 und 1818 in Rom auf der Suche nach historischen und künstlerischen Monumenten der deutschen Größe und Einheit in Italien. Dort erlebte er die nationale Aufbruchstimmung nach den Freiheitskriegen gemeinsam mit Literaten und Malern wie Wilhelm Müller, Per Daniel Atterbom, Julius Schnorr von Carolsfeld und Carl Barth. Die erhaltenen Teile seiner Reisetagebücher werden hier erstmalig vollständig und kommentiert veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.08.2002
Eine einfache Rechnung macht der Rezensent Rolf Vollmann auf, zugunsten des Bandes fällt sie freilich nicht aus. Von den 600 Seiten, die er umfasst, sind - und zwar, wie er betont, allerhöchstens - 50 lesenswert, den Rest hätte man bleiben lassen können, wie er war: ungedruckt. Ganz besonders überflüssig ist dabei das Tagebuch einer Romreise (nicht weniger als, da hat Vollmann Zeile für Zeile gelitten, 4328 Verse lang), von der Friedrich Rückert nichts Berichtenswertes mitzuteilen hat. Ja, Vollmann scheut den Superlativ nicht, dies sei, versichert er, "bei weitem das belangloseste, dümmste Zeug, das je einer von Reisen mitgebracht hat". Ausgenommen vom Verdammungsurteil über den Band sind einzig eine Terzinendichtung von "unwiderstehlicher Anmut" und ein Gedicht, das Arno Schmidt in Zettels Traum zitiert: "Wenn auch mich ein Gott...". Der Ton dieses Gedichts, ist, so Vollmann, "einzigartig" in der deutschen Literatur.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2000
Peter von Matt hält wenig von historisch-kritischen Ausgaben, das sagt er gleich mit ziemlichen Spott. Dann wandert er durch die Wüste der "HKA" und stößt doch auf eine unverhoffte Oase: ein Liebesgedicht nämlich, daß "wir erstmals in der ursprünglichen Fassung vor uns sehen". In toto wird es dann auch gleich zitiert. Doch während er noch überschwänglich lobt, spürt man schon das "aber" wie ein Gewitter hinter seinen Worten aufziehen. Dann donnert es gleich in der nächsten Spalte: "Neun Zehntel dessen, was hier an lyrischem Ausstoß vorgelegt wird, taugt leider gar nichts". Rezensent von Matt streift noch ein wenig Leben und Werk des Dichters Friedrich Rückert, wobei er zwischen Mitleid und Bewunderung schwankt. Er hebt auch noch einmal Hans Wollschlägers "Aufsehen erregende" Ausgabe der "Kindertotenlieder" hervor. Am Ende hat er arge Ängste, Rückerts "Reimzwang" könnte auch in der Gegenwart noch Opfer fordern.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.03.2000
Liest man Dieter Richters Rezension zu diesen Gedichten Rückerts, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass man mit diesem Band nicht nur seine Bildung auffrischen, sondern auch allerhand Unterhaltsames über Italien erfahren kann. Rückerts alltägliche Erlebnisse auf der Strasse, in Herbergen und beim Zoll sind dem Rezensenten offensichtlich nicht fremd, nur: "bei Rückert liest es sich vierhebig und mit Kreuzreim". Da reimt sich auch schon mal "Florenz" auf "Pestilenz" und "Strada" mit "Suada". Aber Richter lobt nicht nur den unterhaltsamen Aspekt des Bandes. Vor allem bietet diese Ausgabe seiner Ansicht nach einen Einblick in Rückerts Experimentierfreude mit verschiedenen Gattungen. Als Beispiele nennt Richter Rückerts Versuche mit "Ritornellen", "Sicilianen" und Sonetten. Der vorliegenden Ausgabe gebühre auch das Verdienst, im Anhang sogenannte "Stornelli" zu veröffentlichen, "halb gereimte Dreizeiler", die von der Bevölkerung auf dem Land improvisiert wurden, und die Rückert wahrscheinlich als erster aufgezeichnet hat
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