Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Medienhysterie, politische Machtspiele und Ausländerhass: ein ungeschminktes Bild unserer Gegenwart, eine aufschlussreiche Darstellung der dubiosen Angst vor dem Fremden, eine hervorragend recherchierte, unter die Haut gehende Geschichte mit einprägsamen Charakteren und einem atmosphärischen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Der Nigerianer Christoph Arano wird mit seiner Tochter Lucy nicht mehr fertig. Seit dem Tod seiner Frau zettelt sie Schlägereien an, attackiert Mitschüler, begeht eine Straftat nach der anderen. Reaktion der Behörden: Beide sollen ausgewiesen werden. Die Wellen der öffentlichen Meinung schlagen hoch. Da verschwindet plötzlich Aranos deutsche Verlobte. Rechtsradikale haben sie entführt, um die Ausweisung des Schwarzen zu erpressen. Das Schicksal der drei wird zum Spielball von Politik und Meinungsmache.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.01.2001
Nicht nur im Roman selbst brennt es an allen Ecken und Enden, wie einer ausführlichen Schilderung des Inhalts durch den Rezensenten Burkhard Scherer zu entnehmen ist, sondern auch der Text selbst "verbrennt" nach Meinung des Rezensenten an dem wütenden "heißen Herzen" seines Autors. Die vom Rezensenten als durchaus spannend hervorgehobene Geschichte leide unter dem Engagement ihres Autors, der über eine undifferenzierte Zweiteilung der Welt in die "gemutmaßte Mehrheit von fanatisierten und fanatisierbaren Spießern" und die ganz wenigen "Aufrechten" nicht hinauskomme. Mehr als ein "politisches Pamphlet mit Mitteln des umfangreichen psychologischen (Kriminal-) Romans" sei dabei, so der Rezensent, nicht rausgekommen. Wenn sich auch das kalte Herz des Kritikers ein wenig an dem gut gemeinten humanen Ansinnen des Autors erwärmt, entflammt ist es nicht.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.11.2000
Georg Seesslen hält diesen Roman als literarisches Werk ohne Frage für misslungen - gibt aber weniger dem Autor die Schuld, als unmittelbar einem denkfaulen Publikum und mittelbar dem Fernsehen, das den Verstand seiner Zuschauer mit aller Konsequenz "herunterunterhalten" hat. "Mittel und Mythen der Unterhaltung" werden, so Seesslen, - hier wie in vielen etwas ambitionierteren Formaten - in den Dienst der Aufklärung gestellt. Heraus kommt dann eine "Parforcetour durch Bilder, Stimmungen und Themen", und es ist, findet der Rezensent, in diesem Fall durchaus von Mut und detaillierter Recherche zu sprechen. Gerade das aber hat auf den Roman als literarisches Werk die denkbar ungünstigsten Auswirkungen: hier werde das lakonische Genre des Kriminalromans "unter Diskurszwang" gesetzt und bald glaubt man, "im falschen" (ergänze: sozialpädagogischen) "Text zu sein". Der Autor werde, mit den besten politischen Absichten, penetrant und repetitiv und halte seine Leser für "dumm, fantasielos und unerfahren genug", um ihnen jede seiner Botschaften vorzukauen. Endgültig scheitert der Roman, so Seesslen in seiner geradezu von Satz zu Satz negativer werdenden Kritik, am Versuch, "im Kopf eines Faschisten zu denken".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000
Eberhard Falcke widmet diesem Roman einen bösen Verriss und spart dabei nicht an Spott. Der Autor habe in seinem Bemühen um eine politisch korrekte Geschichte über Rassismus und Gewalt lediglich "Kitsch" produziert, tadelt der Rezensent. Dabei lasse er nichts im Unklaren und schaffe eine schwarzweiße Romanwelt, die "plakativ bis zum Anschlag" sei. Der Rezensent bemerkt , dass Ani dafür einen realen Fall, nämlich die jüngst erfolgte Ausweisung eines immer wieder straffällig gewordenen türkischen Jungen, "aufgejazzt" hat, um nicht nur seine Botschaft unters Volk zu bringen, sondern auch "robustere Unterhaltungsbedürfnisse" zu bedienen. Herausgekommen sei ein an "Generalisierungen" und "verkitschtem Pathos" kaum noch zu überbietendes Machwerk, das mit "kritischem Realismus" rein gar nichts zu tun hat, so der Rezensent bissig.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.09.2000
Antje Weber ist sehr angetan von diesem Kriminalroman, auch wenn sie manches zu bemängeln hat. Der Autor verstehe es meisterhaft, Spannung aufzubauen und zu halten und das Ende des Buches sei ebenso dramatisch wie unvermutet, lobt die Rezensentin. Des weiteren preist sie seine Fähigkeit, "lebensechte Dialoge" zu erzeugen und stellt erschüttert fest, dass der Autor mit seinem Krimi aus dem rechtsradikalen Milieu nicht zuletzt eine "eindrucksvolle Collage der Gemütslage der Nation" erstellt hat. Sie moniert allerdings, dass die Geschichte mit zu vielen Personen und Nebenhandlungen überfrachtet sei. Trotzdem rechnet sie es dem Autor hoch an, keinen "Betroffenheitsroman" geschrieben zu haben, sondern eine Schilderung der Gesellschaft, wie sie drastischer und dabei realer kaum sein könne.
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