Bücherschau der Woche
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Klappentext
Aus dem Spanischen von Elke Wehr. Eine Kindheit in Medellin, der verlässlich chaotischen Stadt, in der Fernando Vallejo in den vierziger Jahren des fast schon betrauerten vergangenen Jahrhunderts aufwächst. Leichen schwimmen schon damals in den Flüssen, doch noch ist Kindheit ein Zelt blauer Tage. Eine Idylle hat Fernando Vallejo dennoch nicht zu erzählen. Zu wach, zu empfindlich reagiert das Kind auf die Stumpfheit seiner Mitwelt, auf gedankenlose Rede und falsche Töne, zu ausgeprägt ist sein Widerspruchsgeist. "Blaue Tage" ist das Porträt des Künstlers als garstiges Kind und liebessehnsüchtiges Wesen.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.04.2009
Viel von der Größe Fernando Vallejos steckt für Uwe Stolzmann schon in dieser frühen, autobiografischen Prosa. So obsessiv Stolzmann das Kreisen von Vallejos Texten um die Stadt Medellin findet, so erstaunlich erscheint ihm das Aufgehen der kleinen Anekdoten um den "kleinen Fernando" zwischen Salesianerpatern und Kokainbaronen in der "großen Geschichte". Für Stolzmann verfügt "Blaue Tage" über das Potential, vermittelt über vertraute "Topoi und Posen" den ganzen Vallejo zu zeigen, das Anrührende und Bittere, den Hass und die Liebe - in Medellin, diesem "Abbild der Hölle". Durch sein meisterhaftes Spiel mit Stoff und Sprache erinnert der Autor den Rezensenten an Gabriel Garcia Marquez in seinen besten Zeiten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.01.2009
Fernando Vallejo, der mit seinem morbiden und brutalen Roman "Die Madonna der Mörder" notorische Berühmtheit errang, lässt in seinem autobiografischen Roman "Blaue Tage" von 1985 seine kolumbianische Heimatstadt Medellin in wesentlich sanfterem Licht aufscheinen, stellt Florian Borchmeyer fest. Doch auch wenn der kolumbianische Autor, der seit langem im mexikanischen Exil lebt, das Medellin der 40er Jahre, in dem er seine Kindheit verbrachte, als provinzielle Kleinstadt mit anekdotischen Skurrilitäten ausschmückt, sie erscheint auch hier alles andere als idyllisch, betont Borchmeyer. Die mit Motiven des Magischen Realismus kunstvoll durchsetzten Erinnerungen sind von leidvollen Erfahrungen, wie den sadistischen Mönchen, die das Kind Vallejo unterrichteten, oder dem Ausbruch des Bürgerkriegs durchzogen. So grundiert ein Ton von "tiefem Pessimismus" den autobiografischen Roman, aus dem immer wieder allgemeine "Misanthropie" und eine seltsame "reaktionäre Verbitterung" hervorscheint, wie der Rezensent bemerkt. Das aber soll keineswegs als Kritik an diesem Roman verstanden werden, den Borchmeyer im Gegenteil als stilistisch virtuos und wegen seiner glänzenden Verknüpfung von Fiktion und Wirklichkeit begeistert preist.
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