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Fergus Fleming
Barrow´s Boys
Eine unglaubliche Geschichte von wahrem Heldenmut und bravourösem Scheitern
Klappentext
Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Nach dem Triumph bei Trafalgar hat sich in der englischen Flotte Langeweile breitgemacht.Die Offiziere warten ungeduldig auf eine Chance zu neuen Heldentaten. John Barrow, Zweiter Sekretär der Englischen Admiralität, gibt sie ihnen. 1816, in der Morgendämmerung der Industrialisierung lässt er Heizrohre in seinen Schiffen installieren und schickt sie ins ewige Eis. Eine Expedition nach der anderen endet im Desaster: Barrows Boys erfrieren, ertrinken, sterben an Skorbut, Schwarz- oder Gelbfieber, werden von Eingeborenen ermordet oder essen sich vor Hunger gegenseitig auf. Am Ende sind es nicht mehr neue Kontinente, sondern die verschollenen Männer aus vorangegangenen Expeditionen, die zu finden Barrows Leute sich aufmachen. Noch nie hat ein einzelner Beamter so viel Energie und Geld investiert - und absolut nichts erreicht...
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.06.2003
Georg Sütterlin hat sich mit Vergnügen durch ein Buch geschmökert, das sowohl seine Abenteuer(lese)lust als auch seine historische Wissbegierde aufs Trefflichste befriedigt hat. Es handelt von einem einem ntriganten, ehrgeizigen Bürohengst, der zugleich die Triebkraft der abenteuerlichsten - und nutzlosesten - Entdeckungsfahrten des 19. Jahrhunderts war: John Barrow, Sekretär der britischen Admiralität, besessen vom Ausfüllen weißer Flecken und insbesonders von der mythischen Nordwestpassage, die er von immer neuen Expeditionen suchen ließ. Es handelt aber vor allem von den Fahrten selbst und den Offizieren, die sich in Eis und Wüste schicken ließen, um entweder qualvoll zu sterben oder als Helden zurückzukehren. Fergus Fleming aber, lobt Sütterin, habe keineswegs herkömmliche Heldengeschichten aufgeschrieben; vielmehr zeichne er "scharfe Porträts jener Forscher im Staatsdienst, die fast immer tapfer und zäh, oft tyrannisch und egomanisch und in einzelnen Fällen schlicht verrückt waren" und verbinde "die pointierte Schilderung mit dem politischen Kontext, (...) die wissenschaftliche Erläuterung mit dem ironischen Kommentar." Ergo: ein brillantes Buch.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.02.2003
Der mit "H.E.R." zeichnende Rezensent fand diese "Expeditionsberichte von haarsträubenden Abenteuern, maßloser Selbstüberschätzung und bürokratischer Borniertheit" ebenso gründlich recherchiert wie "mit manchmal makabrem, sehr britischem Humor" erzählt. Bei jenem titelgebenden Barrow, Vorname John, handelt es sich dem Rezensenten zufolge um den zweiten Sekretär der britischen Admiralität, der nach dem Sieg der Royal Navy über Napoleon zwischen 1816 und 1848 damit beauftragt war, für die überflüssig gewordene Riesenflotte samt ihrer hundertdreißigtausend Mann sozusagen arbeitsbeschaffende Maßnahmen zu organisieren. In deren Verlauf schickte Barrow seine Boys auf zahlreiche Expeditionen, lesen wir, "wobei sie nicht nur die Nordmeere, sondern auch die afrikanische Wüste durchquerten". Eine Expedition nach der anderen jedoch sei im Desaster geendet und Barrows Jungen "erfroren, ertranken, starben an Skorbut, wurden von Eingeborenen ermordet" oder gingen verloren, wie der Rezensent uns wissen lässt. Das hatte zur Folge, dass Barrows Boys am Ende sich selber suchen mussten. Selten habe ein einzelner Beamter soviel Geld investiert und absolut nichts erreicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002
In diesem Buch über die im 19. Jahrhundert von John Barrow für England organisierten Expeditionen erkennt Karl-Markus Gauß einen "ganz neuen Typus von Sachbuch". Denn der britische Autor Fergus Fleming hat nicht nur Spannendes zu erzählen, er "verfügt auch über die gestalterischen Mittel", so der Rezensent begeistert. Und so wird Fleming in England zu Recht als literarisches Talent gefeiert, wie Gauß findet. Er attestiert dem Autor, dass er souverän über den Materialreichtum seines Themas und über "Spezialkenntnisse" in der Schifffahrt und in der Kartografie verfügt. Auch dass er dennoch nie mit seinem Wissen auftrumpft, sondern es als "Fundament" seiner Geschichten benutzt, trägt ihm Lob seitens des Rezensenten ein. Die "Erzählungen" über die vielen gescheiterten Expeditionen und ihre "Helden" haben Gauß sichtlich fasziniert. Ein kleines bisschen getrübt wurde sein Lesevergnügen, als er feststellt musste, dass auch wirklich jede einzelne Unternehmung, die der Autor schildert, schief ging. Aber immerhin, so der Rezensent angetan, wird das alles mit "schwarzem Humor" dargeboten und ist somit nicht trübe zu lesen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Der Band berichtet von Entdeckungsreisen, die die britische Marine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unternahm: nach Afrika, nach Timbuktu, in die Sahara - die, wie wir erfahren, zum "Meer ehrenhalber" ernannt worden war. Keine der Expeditionen, die vom zweiten Sekretär im "Rat der Admiralität" John D. Barrow angeregt wurden, um die nach dem Sieg über Napoleon arbeitslos gewordenen Offiziere zu beschäftigen, war von besonderem Erfolg gekrönt. Timbuktu erwies sich als außerordentlich "öder Ort" - und viele der Forschungsreisenden kehrten niemals aus Afrika zurück. Auch der Versuch, die Nordwestpassage zu finden, missglückte ein ums andere Mal. "Interessant" findet der Rezensent Hartmut Hänsel auch die historischen Umstände, von denen man nebenbei erfährt: insbesondere der in der Zeit der Expeditionen stattfindende "rasante industrielle Fortschritt" in England. Dazu ist das ganze, so Hänsel, "spannend" erzählt - einzig über die in Konkurrenz stattfindenden Entdeckungsreisen anderer Nationen hätte der Rezensent gerne mehr erfahren.
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